Auto & Flotte

AUTOHANDEL | 10.11.2011

Familienzusammenführung bei den Lancia-Händlern

Mit Unterstützung aus Amerika soll die italienische Traditionsmarke Lancia wiederbelebt werden. Verkaufsstart für die Oberklasse-Limousine Thema und den Van Voyager unter neuer Flagge.

Foto: Lancia

Große Limousine, große Hoffnung: der neue Lancia Thema.

+

BMW und Rover, Mercedes-Benz und Chrysler, Ford und Mazda, Mercedes-Benz und Mitsubishi - so manche automobile Ehe wurde schnell wieder geschieden, noch bevor die gemeinsamen Kinder, sprich die in der Lebensgemeinschaft entwickelten Produkte, überhaupt flügge wurden.

Und auch bei der aktuellen Liaison zwischen Volkswagen und Suzuki hängt der Haussegen schief. Es ist wie im richtigen Leben: Vernunftehen gehen selten gut. Wenigstens Zuneigung sollten die Partner schon füreinander empfinden.

Neue Zweckgemeinschaft


Bei den deutschen Lancia- und ehemaligen Chrysler-Händlern startet an diesem Samstag eine neue Zweckgemeinschaft, die eher aus einem Familienzusammenführungsversuchslabor stammen könnte: Unter der Flagge der traditionsreichen Fiat-Tochter rollen ur-amerikanische Fahrzeuge zum Verkaufsstart in die Showrooms.

Die gründlich renovierte Oberklasse-Limousine Chrysler 300 C feiert als Lancia Thema ihre Wiedergeburt und der stattliche 5,18-Meter-Van Voyager, Chryslers Aushängeschild seit dem Marktstart der ersten Generation 1984, gibt ebenfalls mit einem Lancia-Logo an Front und Heck sein Debüt.

Wenn man die Marketingvorträge der jeweiligen Unternehmen aus der Vergangenheit, geprägt vom „American Way of Drive" und der „italienischen Noblesse", noch im Ohr hat, mutet die Vereinigung besonders wagemutig an. Jetzt preist der neue Lancia-Deutschlandchef Dirk Bott eben „das Beste aus zwei Welten".
 

Zwei Kranke in einem Bett


Fiat-Boss Sergio Marchionne sah die phantasievolle Zwangsehe zur Rettung von Lancia offensichtlich als unumgänglich an, zumal auch Chrysler in Europa seit Jahren eine untergeordnete Rolle spielt. Die Branche beobachtet gespannt, ob tatsächlich ein Gesunder aufersteht, wenn sich zwei Kranke in ein Bett legen...

Immerhin soll die transatlantische Allianz schon 2014 mehr als sechs Millionen Fahrzeuge produzieren. Die Zahl der Konzern-Plattformen wird von elf auf fünf reduziert - was dazu beitragen soll, 1,5 Milliarden Euro an Kosten zu sparen.

Eine Milliarde Dollar investiert


Mittelfristig, das Wissen auch Marchionne und seine Manager, wird es natürlich nicht reichen, einfach die Markenembleme austauschen. Doch jetzt musste es schnell gehen, um überhaupt einen Neustart wagen zu können. In nur 18 Monaten sei der neue Thema entstanden. Immerhin eine Milliarde Dollar habe man in das Projekt gesteckt.

„90 Prozent aller Teile sind neu und Lancia hatte einen maßgeblichen Einfluss bei der Entwicklung", versichert Bott und betont immer wieder die „italienische Note" des US-Straßenkreuzers. Allerdings: Chrysler- für den amerikanischen und Lancia-Modelle für den europäischen Markt laufen absolut identisch vom Band. Für die Verkäufer im Handel wird es da nicht leicht, italienische Maßanfertigung auszuloben und amerikanische Stangenware zu liefern...

Dieselmotoren aus Italien


Wenigstens die beiden von einer weiteren Fiat-Tochter (VM Motori) gelieferten Sechszylinder-Dieselaggregate mit 114 kW/190 PS und 176 kW/239 PS stammen aus „Bella Italia".  Dass es zum Start lediglich eine nicht mehr zeitgemäße Fünfgangautomatik gibt, ist ein weiteres Indiz für die gebotene Eile bei der Entwicklung der Neuauflage. Erst im Laufe des nächsten Jahres steht ein modernes Achtstufengetriebe von ZF zur Verfügung.

So gefällt der große „Italiener" eher mit bekannten Verkaufsargumenten aus der „neuen Welt": Üppigen Platzverhältnissen und einer für deutsche Maßstäbe beachtlichen Komplettausstattung bis hin zum beheizten Getränkehalter für den Kaffee aus dem Drive-in. Ab 41.400 Euro gibt es jede Menge Auto.

Voyager kostet 39.990 Euro


Foto: Lancia

Jetzt unter Lancia-Flagge: der überarbeitete Voyager.

+

Das gilt auch für den Voyager, der als 3,6-Liter-Sechszylinderbenziner (208 kW/283 PS) oder als 2,8-Liter-Diesel mit 120 kW/163 PS jeweils 39.990 Euro kostet. Der Selbstzünder stammt noch aus der gescheiterten Verbindung mit Mercedes-Benz (siehe oben) und hat nun schon einige Jährchen auf dem Buckel, was schon an den Verbrauchswerten abzulesen ist.

Aus dem Normwert von 7,9 Litern werden in der Praxis schnell zehn Liter, wie die erste Testausfahrt bei moderatem Autobahn- und Landstraßentempo rund um Berlin belegt.

Neben dem pfiffigen Klappmechanismus für die zweite und dritte Sitzreihe und den 16 möglichen Sitzkonfigurationen ist die schiere Größe der dickste Trumpf des Vans mit der längsten Historie. 934 bis 3.912 Liter Stauraum bietet der Voyager - wahrlich keine italienischen Tugenden aber immerhin sehr praxistauglich.

Bernd Nusser

Anzeige

 


Diesen Artikel verlinken:
Twitter Facebook
LinkedIn

Impressum | Datenschutz | Kontakt

Copyright: Deutscher Fachverlag GmbH; Anregungen & Kommentare an info@derhandel.de
Credits: Konzept & Layout SamArt Gbr
Credits: Konzept, Projektmanagement, Programmierung und technische Realisation dfv Internet-Service

Anzeige

 

Anzeige

 

Printausgabe

Der Handel Ausgabe 04/2014

Die neue Ausgabe vom Wirtschaftsmagazin Der Handel ist erschienen!

zum Inhalt »
Infos zum Abo »

 

Weiterbilden. Netzwerken. Horizont Erweitern




Management-Kurse mit Hochschulzertifikat - praxisnah, auf wissenschaftlichem Qualitätsniveau

Zum Kursangebot »



Das Premium-Seminar zu aktuellen Themen der Branche - mit Hochschulzertifikat

Mehr Informationen »