Finanzen & Karriere

BEZAHLUNG | 19.10.2012

Bargeld-Anteil sinkt im Einzelhandel

Die Deutschen bleiben ihrem Bargeld bislang treu. Doch immer mehr Menschen zahlen ohne Schein und Münze - und dafür mit Karte oder Handy. Das zeigen neue Statistiken.

Bargeld ist in Deutschland noch immer beliebt.

Bargeld ist in Deutschland noch immer beliebt

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Von schwedischen Verhältnissen ist Deutschland weit entfernt: In dem skandinavischen Land wird, so ist zu lesen, inzwischen sogar die Kollekte in mancher Kirche per Kreditkarte entrichtet. Die meisten Deutschen dagegen halten Münze und Schein die Treue - obwohl sich auch hierzulande immer mehr Menschen vom elektronischen Bezahlen überzeugen lassen.

Mastercard, Visa und Co. dürften die jüngsten Zahlen der Bundesbank für das Jahr 2011 Auftrieb verleihen. Zwar bezahlen die Menschen in Deutschland nach wie vor die Hälfte ihrer Ausgaben für Waren und Dienstleistungen in bar (53 Prozent). Doch der Umsatzanteil des Bargeldes sinkt stetig. In der letzten Bundesbankstudie für das Jahr 2008 betrug er noch 58 Prozent.

Deutschland als Land der Barzahler


"In Deutschland gibt es immer noch eine hohe Bargeldverliebtheit, aber der Trend geht ganz klar zum elektronischen Bezahlen", meint der Deutschland-Chef des Kreditkartenanbieters Mastercard, Christian Stolz. "Innovationen wie kontaktloses Bezahlen oder Zahlen mit dem Smartphone werden aber dazu führen, dass zunehmend mehr Menschen auf Bargeld verzichten."

Noch werden in Deutschland Beträge bis 50 Euro fast ausschließlich bar beglichen. Im Schnitt haben die Menschen nach neuesten Zahlen der Bundesbank 103 Euro Bargeld im Portemonnaie, davon 5,90 Euro in Münzen.

Für Einzelhändler sind Schein und Münze nach wie vor das günstigste Zahlungsmittel. Die Kosten liegen zwischen 0,08 und 0,2 Prozent des Umsatzes, bei Kartenzahlungen sind es immerhin schon 0,3 Prozent.

Einfachheit des Zahlungsmittels entscheidend


In anderen europäischen Ländern ist elektronisches Bezahlen weitaus beliebter. In Schweden etwa liegt der Bargeldanteil im Einzelhandel nach Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB) nur noch bei knapp 27 Prozent.

In Dänemark sind es nach diesen im Oktober veröffentlichten Daten für das Jahr 2009 rund 35 Prozent, in Griechenland und Rumänien ist das Zahlen mit Karte eine absolute Ausnahme: der Bargeldanteil liegt dort bei jeweils rund 95 Prozent.

In Deutschland sorgt auch die - nicht nur sprichwörtliche - Angst vor einer massiven Geldentwertung durch Inflation bislang nicht für eine massenhafte Flucht ins Plastikgeld. Alle Zahlungsmittel müssten sich an der Einfachheit des Bargeldes messen lassen, meint Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken.

Bis 2050 bargeldlos?


Eine Online-Umfrage, die der Online-Bezahldienstleister Skrill veröffentlichte, kommt zu dem Ergebnis, jeder zweite Deutsche (53 Prozent) meine, dass Bargeld spätestens im Jahr 2050 aus den Portemonnaies verschwunden sein werde. Sechs Prozent würden sich freuen, wenn es schon jetzt kein Bargeld mehr gäbe.

Angesichts solcher Prognosen schüttelt Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele nur fassungslos den Kopf. Auch Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Privatbankenverbandes BdB, dämpft die Erwartungen.

"Allen, die bereits das Verschwinden der vierstelligen Postleitzahl, das Ende des Euroscheck und das allmähliche Absterben der gelben Telefonzelle kaum verkraften konnten, kann Mut gemacht werden: Scheine und Münzen wird es noch eine ganze Weile geben", sagt er.

Jörn Bender und Harald Schmidt, dpa

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