Politik & Finanzen

FINANZIERUNG | 16.02.2013

Shoepassion.de: Der Anti-Zalando

Es muss nicht immer Venture Capital sein: Auch Onlineshops können ihr Wachstum ganz konservativ über Banken finanzieren. Das zeigen die Gründer des Webshops shoepassion.de.

Foto: Shoepassion.com

Die Shoepassion-Gründer:Tim Keding und Henry Bökemeier (l.).

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Tim Keding hat mit der Gründung des Onlineshops Shoepassion.de gleich zwei seiner Leidenschaften miteinander verbunden: Von Kindesbeinen an interessiert sich der 31-Jährige für Computer, Internet und alles, was mit Bits und Bytes zusammenhängt. Und der erfolgreiche Start-up-Unternehmer besitzt einen ausgesprochenen Faible für gutes Schuhwerk: "Ich hatte schon immer mehr Schuhe als meine Freundinnen im Schrank", gesteht er schmunzelnd ein.

Gemeinsam mit seinem Jugendfreund Henry Bökemeier startete der Ostwestfale im Februar 2010 Shoepassion.com. Seither wächst der Berliner Onlineversender für hochwertige Herrenschuhe von Tag zu Tag.

Vorbild war das amerikanische Unternehmen Zappos, das Keding bei einem Studienaufenthalt in den USA kennenlernte - und von dem sich auch Zalando abgeschaut hat, dass sich Schuhe über das Internet verkaufen lassen. Im Unterschied zu Zappos und Zalando offeriert Shoepassion.com allerdings eine eigene Kollektion rahmengenähter Volllederschuhe, die exklusiv in Spanien gefertigt wird.

Finanzierung der Sortimentserweiterung


Das Startkapital für die Gründung brachten die beiden Kompagnons selbst mit, doch schon nach wenigen Monaten im Livebetrieb wurde klar: Der Shop wird gut angenommen und eine Sortimentserweiterung macht Sinn.

Zur Finanzierung der Expansion wandten sich die beiden an das "KompetenzCenter Gründung und Unternehmensnachfolge" der Sparkasse Berlin. "Wir begleiten junge Unternehmen über die Erstfinanzierung hinaus für drei bis fünf Jahre in ihrer Startphase", erläutert Dr. Christian Segal, Leiter des KompetenzCenters, im Gespräch mit Der Handel.

"Was uns im Falle von Shoepassion.com überzeugt hat, war zum einen das einzigartige Konzept - ein ‚Feinkostgeschäft für Schuhmode‘ gab und gibt es in dieser Form im Internet noch nicht. Zum anderen haben uns aber auch die Gründerpersönlichkeiten überzeugt, da sie bereits Erfahrung mit dem Aufbau und dem Management von erfolgreichen Start-ups hatten." Tim Keding etwa hat vor Shoepassion.com schon unternehmerische Erfahrung gesammelt und die Internetjobbörse Absolventa mit aufgebaut.

Konzept und Management überzeugten die Bank


Foto: Shoepassion.com

Schlanker Fuss: Shoppassion.com bietet hochwertige Herrenschuhe.

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"Wir haben uns ganz bewusst an eine Bank gewendet. Venture Capital aufzunehmen kam für uns nicht in Betracht", sagt Tim Keding gegenüber Der Handel. Er kennt die Berliner Start-up- und VC-Szene und weiß um die Schattenseiten: "Viele Gründer lassen sich die Hälfte ihres Unternehmens wegnehmen, noch bevor sie mit ihrer Idee überhaupt online sind." Die Sparkasse vermittelte den beiden Jungunternehmern Ende 2010 zunächst ein Darlehen über 200.000 Euro aus den Fördertöpfen der staatlichen Investitionsbank Berlin (IBB).

Damit aber nicht genug, Anfang 2012 meldete Shoepassion.com aufgrund des starken Wachstums erneut Kapitalbedarf an. "Wir raten Gründern, bei der Erstfinanzierung ein kleines Polster einzubauen, da eine Nachfinanzierung in der Regel schwierig ist", sagt der Banker Segal.

Bei schnell wachsenden Internetunternehmen ist eine zweite Finanzierungsrunde freilich eher die Regel als die Ausnahme. Doch üblicherweise beteiligen sich nur Risikokapitalgeber an solchen Abenteuern - und lassen sich ihren Einsatz im Gegenzug gerne vergolden. "Wir waren zu diesem Zeitpunkt jedoch schon profitabel und brauchten kein Risiko- sondern Wachstumskapital", betont
Keding. Auch diesbezüglich unterscheide sich Shoepassion.com vom E-Commerce-Schreihals Zalando.

Zweite Finanzierungsrunde mit der Bürgschaftsbank


Durch den Fördermitteldschungel half erneut das KompetenzCenter der Berliner Sparkasse. Diesmal stellte das Institut selbst ein deutlich höheres Darlehen zur Verfügung, abgesichert durch eine Bürgschaft der Bürgschaftsbank Berlin (BBB).

In jedem Bundesland gibt es solche Bürgschaftsbanken, die ganz unterschiedliche Finanzierungsvorhaben von mittelständischen Unternehmen durch einen Fachbeirat auf ihre Plausibilität prüfen lassen und im positiven Fall Bürgschaften bereitstellen, um den Geschäftsbanken fehlende Sicherheiten zu bieten.

Mehr als 7.000 kleine und mittelgroße Unternehmen erhielten im vergangenen Jahr bundesweit auf diese Weise Bürgschaften und Garantien in einem Gesamtvolumen von knapp 1,1 Milliarden Euro, bilanziert der Verband Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB).

Das Unternehmen Shoepassion.com ist mittlerweile in neue, größere Räumlichkeiten in Berlin Mitte eingezogen und plant als nächstes einen stationären Laden. "Es kamen immer mehr Kunden, die unsere Adresse im Netz fanden, einfach direkt zu uns, sodass wir schon aus Platzgründen ein Geschäft eröffnen müssen", sagt Keding. Mit der Bank laufen bereits wieder Gespräche: Die Finanzierung der Auslandsexpansion steht an.

Hanno Bender


Dieser Artikel ist in der Februar-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel erschienen. Ein kostenfreies Probeexemplar erhalten Sie hier.

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