Finanzen & Karriere

JAHRESRÜCKBLICK | 30.12.2012

Neckermann, Schlecker, Q-Cells - die großen Firmenpleiten 2012

Trotz des spektakulären Zusammenbruchs des Schlecker-Imperiums war 2012 war mit Blick auf die Firmenpleiten kein "Katastrophenjahr". Die Gesamtzahl der Insolvenzen dürfte sogar leicht zurückgehen.

Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz konnte die Drogeriekette nicht retten. Foto: Grau

Auch Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz konnte die Drogeriekette nicht retten

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Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform rechnet für 2012 mit insgesamt 29.500 Insolvenzen nach 30.120 im Vorjahr.Einige große Pleiten etwa im Handel, in der Solarbranche oder bei den Werften beherrschten wochenlang die Schlagzeilen:

Von der Pleite des einstigen Drogeriemarkt-Riesen Schlecker waren die meisten Beschäftigten betroffen: Rund 25.000 Mitarbeiter verloren bundesweit ihren Job - und Ende des Jahres haben nicht einmal die Hälfte der Frauen einen neuen Job. Schlecker hatte im Januar Insolvenz angemeldet. Managementfehler, harte Konkurrenz und angekratztes Image machten dem einstigen Marktführer den Garaus. Die Rettung scheiterte, Ende Juni gingen die Lichter endgültig aus.

Der insolvente Versandhändler Neckermann musste Ende September schließen. Rund 2.000 Beschäftigte des Traditionsunternehmens in Frankfurt und Sachsen-Anhalt standen mit der Pleite auf der Straße. Mehrere Besitzerwechsel bis hin zum Finanzinvestor Sun Capital, fehlende Konzepte im Internet-Zeitalter und ein Investitionsstau brachen der Wirtschaftswunder-Ikone das Genick. Es fand sich kein Käufer.

Die insolvente Neckermann-Tochter Happy Size wurde hingegen von der K - Mail Order GmbH & Co. KG, besser bekannt als Klingel, übernommen, wie derhandel.de exklusiv vermeldete. Während andere Interessenten den Standort Frankfurt hätten aufgeben wollen, hat der Pforzheimer Versandhändler die rund 80 Arbeitsplätze zum Großteil erhalten. 

Vom Weltmarktführer zum taumelnden Riesen: Der Solarkonzern Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt) beantragte im April Insolvenz. Die harte Konkurrenz aus China und der Preisverfall führten zu hohen Verlusten. Gut 2.200 Mitarbeiter in Deutschland und Malaysia mussten bangen. Im Oktober übernahm der südkoreanische Konzern Hanwha das Unternehmen, rund 1.300 Arbeitsplätze blieben erhalten.

Q-Cells ist nur die Spitze des Eisbergs. Die gesamte deutsche Solarbranche samt ihren Zulieferern gerät in den Abwärtssog, tausende Arbeitsplätze gingen verloren. Weitere namhafte Opfer sind First Solar in Frankfurt (Oder), Centrotherm Photovoltaics in Blaubeuren, Sovello in Sachsen-Anhalt, Solarhybrid in Brilon, Solar Millennium in Erlangen, Solon Global und Solar Energy Deutschland in Berlin, Solarwatt und Sunstrom in Dresden.

Der Niedergang der deutschen Werftindustrie erreichte einen neuen
Höhepunkt: Die P+S-Werften stellten im August Insolvenzantrag für die Schiffbaubetriebe in Stralsund und Wolgast (Mecklenburg-Vorpommern).
Knapp 2.000 Beschäftigte bangten um ihre Jobs. Die Reederei Scandlines verweigerte die Abnahme zweier Fähren, staatliche Rettungsbeihilfen wurden eingestellt. Ein Interessent für die kleinere Werft in Wolgast wurde gefunden, für Stralsund gibt es bislang keine verbindlichen Kaufangebote.

Die Siag Nordseewerke in Emden stellten im Oktober Insolvenzantrag - der Zulieferer für die Offshore-Branche ist ein Opfer der stockenden Netzanbindung. Die Firma baut Fundamente für Windkraftanlagen auf See. Rund 700 Mitarbeiter stehen vor einer ungewissen Zukunft. Bis Jahresende wird weiter produziert, es gibt Kaufinteressenten.

Ebenfalls im Oktober beantragte der traditionsreiche Möbelhersteller Interlübke in Rheda-Wiedenbrück Insolvenz. Das Unternehmen mit seinen gut 270 Mitarbeitern schreibt seit 2009 rote Zahlen. Der Betrieb läuft weiter, der Abbau von bis zu 40 Stellen ist angekündigt.

dpa / DH

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