Finanzen & Karriere

KARTENZAHLUNG | 17.04.2010

Kartell der EC-Karten-Gebühren kippt

Die Sparkassen revolutionieren das System der Händlergebühren für EC-Kartenzahlungen. Ein neues Preismodell soll die Wettbewerbshüter besänftigen und die Akzeptanz der Karten erhöhen.

Die Sparkassen setzen auf ein neues Preismodell für EC-Kartenzahlungen. Foto: B+S Card Service

Die Sparkassen setzen auf ein neues Preismodell für EC-Kartenzahlungen

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Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) wird künftig jeder Sparkasse und Landesbank erlauben, die so genannten Händlerentgelte für EC-Kartenzahlungen individuell festzulegen. Dazu soll das bisherige electronic cash-System aufgespaltet werden in Kartentransaktionen mit und ohne Zahlungsgarantie, für die unterschiedliche Preise geplant sind.

"In einem derartigen Modell kann ein geringes Lizenzentgelt je Transaktion die Finanzierung des Systems und eine gerechten Lastenverteilung zwischen allen Teilnehmern sicherstellen", erläutert Wolfgang Adamiok, Direktor der Abteilung Zahlungsverkehr und Kartenstrategie im DSGV, gegenüber derhandel.de.

"Den Preis für zusätzliche Leistungen wie die Zahlungsgarantie oder andere Mehrwertdienste wie kontaktloses Zahlen kann jeder Kartenherausgeber individuell festlegen", betont Adamiok.

EC-Kartentransaktionen mit oder ohne Zahlungsgarantie


Bislang gelten im EC-Cash-Verfahren die vom Zentralen Kreditausschuss (ZKA) für alle Banken einheitlich festgelegten Gebühren. Für jede Kartentransaktion mit PIN-Eingabe zahlt der Händler 0,3 Prozent vom Umsatz, mindestens aber 8 Cent pro Transaktion. Im Gegenzug erhält der Händler eine Zahlungsgarantie der Bank, die die Karte herausgegeben hat. Nur Mineralölunternehmen und die großen Discounter kommen derzeit in den Genuss geringerer Gebührensätze.

Vom Einzelhandel werden diese umsatzabhängigen Transaktionsgebühren, die seit Einführung des EC-Cash-Systems vor 20 Jahren Gültigkeit besitzen, zunehmend kritisiert.

Großkunden wie die Deutsche BP mit ihren rund 2.500 Aral-Tankstellen wechselten im vergangenen Jahr zu so genannten Mischverfahren, die EC-Cash-Zahlungen mit PIN-Eingabe und ungarantierten Kartenzahlungen im Lastschriftverfahren (ELV) kombinieren. Allein aufgrund des Wechsels von Aral sollen den Banken jährlich Kartengebühren in Höhe von rund 4 Millionen Euro im Jahr verloren gehen.

Aber auch die Wettbewerbsbehörden in Brüssel und Bonn sehen die so genannten multi­lateralen Kartengebühren (MIF), die einseitig von einer Partei für alle Beteiligten festgelegt werden, zunehmend skeptisch - und drohen mit einer Regulierung.

Wettbewerbsfähigkeit stärken


Um einer Abwanderung weiterer Großkunden vorzubeugen - und auch, um die Wettbewerbsfähigkeit des nationalen electronic cash-Verfahrens gegen die internationalen Debitverfahren von Mastercard (Maestro) und Visa (V-Pay) zu stärken - setzt die Sparkassen-Finanzgruppe auf das neue, bilaterale Preismodell.

"Jeder Händler oder ein von ihm beauftragter Dienstleister kann den Preis der Zahlungsgarantie am Markt vergleichen und selbst entscheiden, ob diese Absicherung vom Kartenherausgeber oder von Dritten eingekauft werden soll", erläutert Wolfgang Adamiok.

"Dadurch wird ein echter Markt für die Zahlungsgarantie entstehen, in dem sich auf der Basis von Angebot und Nachfrage faire Preise für alle Beteiligten herausbilden", sagt der DSGV-Manager. Gleiches gelte für etwaige Mehrwertleistungen bei den Kartenzahlungen.

Zwei parallele ec-Verfahren denkbar


Wie sich die Privatbanken und die Volks- und Raiffeisenbanken zu dem DSGV-Preismodell positionieren, ist noch offen: "Wir wollen diese Weiterentwicklung des electronic cash-Systems gerne als gemeinsame Leistung der deutschen Kreditwirtschaft voranbringen und führen Gespräche mit anderen Verbänden im Zentralen Kreditausschuss", so Adamiok. "Es besteht aber kein Zwang zu einer Einheitlichkeit. Denkbar wäre auch, dieses System - nennen wir es 'ec 2.0' - nur mit interessierten Kartenemittenten weiterzuentwickeln".

Ein Parallelbetrieb von zwei EC-Systeme ist laut Adamiok denkbar. Die Marktteilnehmer, die nicht an dem „ec 2.0"-Verfahren teilnehmen möchten, blieben über das bisherige electronic cash-Verfahren eingebunden. Somit müssten weder Karteninhaber noch Händler befürchten, dass es zu Akzeptanzproblemen bei EC-Karten kommt.

Neben der neuen Preisstruktur plant die Sparkassen-Finanzgruppe weitere Innovationen, um die Attraktivität des EC-Kartenverfahrens für Handel und Verbraucher zu erhöhnen. Ab 2012 sollen beispielsweise alle rund 45 Millionen Debitkarten der Sparkassen mit der Technologie für kontaktloses Bezahlen ausgerüstet werden, um die Verbreitung von Kartenzahlungen bei Kleinbeträgen zu erhöhen.

Mit den Debitkarten der Sparkassen werden jährlich mehr als 1,6 Milliarden Zahlungstransaktionen getätigt. Davon entfallen laut Adamiok durchschnittlich etwa 60 Prozent auf die klassischen electronic cash-Transaktionen und 40 Prozent auf andere Systeme wie das elektronische Lastschriftverfahren (ELV).

Hanno Bender

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