Finanzen & Karriere

KARTENZAHLUNG | 14.03.2011

"Kontaktloses Zahlen ist die Zukunft"

Die Redaktion von Der Handel sprach mit Peter Ehmke, General Manager Deutschland von Mastercard, über mobile Zahlungslösungen und den deutschen Debitkartenmarkt.

Foto: Mastercard

Peter Ehmke, General Manager Deutschland, von Mastercard sprach mit Der Handel über den Kartenmarkt.

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Die zunehmende Verbreitung von Smartphones bringt neue Ideen für mobile Zahlungslösungen in den Markt. Was sind Ihrer Meinung nach zukunftsträchtige Ansätze?

Das mobile Zahlen an der Ladenkasse oder im Restaurant wird kontaktlos stattfinden und auf der NFC-Technologie (Near-Field-Communication) beruhen. Denn die Transaktionen müssen ja auch in der physischen Welt funktionieren und können nicht nur über das Internet abgewickelt werden. Der Formfaktor spielt für die NFC-Technik keine Rolle. So ist vieles denkbar: der notwendige Chip lässt sich in eine Kreditkarte genauso einfach integrieren, wie in einen Autoschlüssel, Schlüsselanhänger, eine Uhr oder einen speziellen Sticker. Die neuesten Handygenerationen sind damit oftmals bereits ausgestattet - das kontaktlose Zahlen ist die Zukunft.

Abgesehen von wenigen Piloten im Lebensmittelhandel, in Flughafenläden oder bei Systemgastronomen wie Vapiano in Frankfurt kommt Ihre NFC-Technologie PayPass in Deutschland aber noch nicht voran. Wann kommt der Durchbruch?
Das Interesse im Handel an der Technologie ist groß und in vielen Bereichen wird PayPass bereits eingesetzt, so wie zum Beispiel an den Star-Tankstellen. Über den Pilotstatus sind wir inzwischen auch hinaus und die Technologie ist ausgereift. In Deutschland gibt es derzeit mehr als eine Million PayPass Karten. Jüngst haben auch die MLP AG und die Sparda Bank Hamburg bekanntgegeben ihre Karten mit PayPass auszustatten. Die Kapazitäten in den Unternehmen waren aber in den letzten Monaten sehr durch die Einführung der neuen Terminalsoftware (TA 7.0) gebunden. Wir führen viele Gespräche mit Kartenausgebern und dem Handel und sind zuversichtlich, dass kontaktloses Bezahlen mit PayPass binnen der nächsten Jahre zum Alltag gehören wird. Hingegen hat sich der Handel aber klar dahingehend positioniert, dass er ein international etabliertes und kompatibles System möchte und keinen nationalen Sonderweg, wie in der Vergangenheit.

Themawechsel: In den deutschen Debitkartenmarkt ist - nicht erst durch die aktuelle Gebührendiskussion - Bewegung gekommen. Visa gewinnt mit V-Pay zunehmend Marktanteile und verweist auf mehr Sicherheit durch die Chip- und PIN-Lösung. Eine schmerzhafte Konkurrenz für Ihr Maestro-Verfahren, das bislang auf den deutschen EC-Karten dominiert?
Wettbewerb war ja eines der Ziele der Single Euro Payments Area (SEPA). Sicherlich entsteht durch V-Pay zusätzlicher Wettbewerb der Systeme. Dennoch muss einmal klar gesagt werden: Es gibt keinen wirklichen Anlass zu V-Pay zu wechseln und ganz besonders nicht unter dem oft behaupteten Aspekt der Sicherheit! Auch Mastercard bietet eine auf Europa und Chip-Only reduzierte Maestro Lösung, wenn diese gewünscht wird. Im Gegensatz zu dem angesprochenen Produkt der Konkurrenz bietet aber selbst diese eingeschränkte Variante wesentlich mehr Leistung: So können die Karten etwa zum Einkauf im E-Commerce genutzt oder auch zum kontaktlosen Bezahlen mit PayPass eingesetzt werden. Doch selbst in Europa gibt es noch keine hundertprozentige Chipakzeptanz, und Karteninhaber wollen überall bezahlen oder Geld abheben können. Wenn Banken sicher gehen wollen, dass ihre Kunden jederzeit ihre Karte einsetzen können, ist der Magnetstreifen heute immer noch erforderlich. Daher favorisieren die meisten unserer Lizenznehmer die Lösung mit Chip und Magnetstreifen und setzen auf intelligente Lösungen und Systeme, um diesen sicherer zu machen.

Wie wollen Sie den Magnetstreifen denn sicherer machen?

Hierbei denke ich beispielsweise an gezieltes Geoblocking, EMS und inControl. Eine solche Lösung bietet den größten Nutzen für die Verbraucher. Auch die Probleme mit dem Chip zu Beginn des Jahres 2010 haben gezeigt, dass der Magnetstreifen für die Akzeptanz wichtig ist. Hierfür gibt es heute noch keine Alternative. Das drückt sich im Übrigen auch in den bestehenden Verträgen mit kartenausgebenden Banken aus, und der Tatsache, dass es immer mehr Banken gibt, die reine Maestro Produkte offerieren. Wir beobachten daher mit Interesse den Markteintritt unseres Wettbewerbers und zu welchem Preis dieser wohl erfolgt. Banken die Chip-Only Produkte anbieten wollen, müssen jedenfalls nicht zu V-Pay greifen, sondern können eine solche Lösung auch bei uns bekommen.

In welche Richtung tendiert Ihrer Meinung nach der Debitkartenmarkt aktuell? Wird SEPA - also der Anspruch, jede europäische Bankkarte soll an jedem europäischen Lesegerät akzeptiert werden - doch noch Realität?
SEPA ist bereits an vielen Stellen Realität, wenn der Prozess auch länger in Anspruch nimmt als vielleicht ursprünglich vermutet. Wir sehen aber zum Beispiel auf der Seite des Handels, dass im grenznahen Bereich verstärkt mit internationalen Acquirern zusammengearbeitet wird. Dort kommen Terminals zum Einsatz, die nur die länderübergreifenden Verfahren Maestro, Visa und Mastercard akzeptieren. Diese Geräte kosten zudem nur ein Bruchteil der hierzulande bislang üblichen Terminals, lassen sich besser in die IT-Infrastruktur grenzüberschreitender Händler integrieren und müssen nicht fortlaufend den neuen Softwarevorgaben der deutschen Kreditwirtschaft angepasst werden. Viele international tätige Handelsunternehmen überlegen sich daher - in Deutschland wie auch in anderen europäischen Ländern - warum sie noch nationale Lösungen unterstützen sollen. Und auch auf der Seite der Banken wird derzeit vielerorts darüber nachgedacht, wie man sich langfristig im Kartengeschäft im Rahmen von SEPA positionieren soll und welche Bedürfnisse die eigenen Kunden in Bezug auf Kartenprodukte haben. Andererseits überlegen auch die lokalen Zahlungsverkehrsanbieter, wie sie sich unter SEPA neu aufstellen. Es bleibt also spannend.

Ein großes Thema für die Kartenbranche ist seit einiger Zeit die Entwicklung der Betrugsschäden im Internet. Mit Maestro und Mastercard profitieren Sie vom anhaltenden E-Commerce-Boom. Wie gravierend ist der Kartenmissbrauch im Netz?
Betrug im Internet ist ein Thema, das wir sehr ernst nehmen. In den vergangenen Monaten ist der Kartenmissbrauch im Internet signifikant zurückgegangen -  etwa durch die Einführung von Mastercard SecureCode. Der Kampf gegen Betrug ist aber ein ständiger Wettlauf, dynamische Passwörter und nutzergesteuerte Kontrollmöglichkeiten werden hier der nächste Schritt sein. Es gibt aber keine „Silver Bullet", mit der das Problem mit einem Schlag aus der Welt geschafft werden könnte. Wir setzen daher gemeinsam mit den Banken und dem Handel auf ein Bündel von unterschiedlichen Maßnahmen.

Zur Person: Peter Ehmke, ist General Manager Deutschland von Mastercard Europe

Interview: Hanno Bender


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