Finanzen & Karriere

METRO GROUP | 04.08.2012

Metro-Chef Koch: "Es wird ein Marathonlauf"

Metro kämpft mit Preissenkungen um die Gunst der europäischen Verbraucher. Doch das hat dem Konzern zuletzt rote Zahlen beschert. Vorstandschef Koch hält aber an den Jahreszielen fest.

Fot: Metro

Rekordverluste: Die Metro-Tochter Media-Saturn leidet unter dem Preiskampf bei Elektronik.

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"Wir sind unverändert überzeugt, dass wir im Gesamtjahr ein Ergebnis auf Vorjahresniveau erreichen können", sagte Metro-Chef Olaf Koch am Dienstag bei der Vorstellung der Bilanz für das zweite Quartal. An der Börse sorgte er damit für Erleichterung. Der Aktienkurs des Handelsriesen stieg zeitweise um mehr als vier Prozent.

Das um Sonderfaktoren bereinigte operative Ergebnis 2012 wird laut Koch etwa auf Höhe des Vorjahres von rund 2,4 Milliarden Euro liegen. Im zweiten Quartal wurde bei dieser Kennziffer zwar ein Anstieg um 2,5 Prozent auf 314 Millionen Euro erzielt. Durch den schwachen Jahresauftakt liegt Metro im Halbjahr aber noch deutlich unter Vorjahresniveau.

Schwache Kauflaune trübt Europa-Geschäft


Der Metro-Gruppe bläst der Wind derzeit immer stärker ins Gesicht. Die Staatsschuldenkrise und die schwächelnde Konjunktur trüben in vielen Ländern Europas die Kauflaune. Mit gezielten Preissenkungen, attraktiveren Sortimenten und besserem Service will der seit Anfang 2012 amtierende Koch den Düsseldorfer Konzern auf Wachstumskurs halten und Marktanteile von der Konkurrenz erobern. 

Besonders bei Elektronik tobt der Preiskampf, befeuert durch den Internetboom, heftig. Die Preissenkungen der Metro-Tochter Media-Saturn summierten sich im ersten Halbjahr 2012 auf ein Volumen von 70 Millionen Euro. Bei den Metro-Großhandelsmärkten Cash & Carry beliefen sich die Nachlässe in dem Zeitraum auf 50 Millionen Euro.

Höhere Einsparungen angekündigt


Die Preissenkungen haben die Metro im ersten Halbjahr 2012 in die roten Zahlen gedrückt. Unter dem Strich stand ein Verlust von 110 Millionen Euro nach 54 Millionen Euro Gewinn im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Bei der Elektroniktochter Media-Saturn hatten gesenkte Preise zuvor schon im zweiten Quartal 2011 und im ersten Quartal 2012  zu roten Zahlen geführt.

"Wir haben trotz starkem Gegenwind an Fahrt gewonnen", hob der Konzernchef  allerdings mit Blick auf leichte Umsatzverbesserungen hervor. Metro Cash & Carry konnte die Erlöse im ersten Halbjahr um 2,8 Prozent, Media-Saturn um immerhin 2,3 Prozent erhöhen.

Durch Preissenkungen verursachte Verluste will der Metro-Vorstand durch höhere Einsparungen im Konzern auffangen. Mit 120 Millionen Euro liegen sie in einer ähnlichen Größenordnung und sollen zum Teil schon in diesem Jahr wirken.

Dax-Mitgliedschaft in Gefahr


Positive Nachrichten kann die Metro zur Zeit gut gebrauchen. In vier Wochen entscheidet die Deutsche Börse über die Auf- und Absteiger im Leitindex Dax. Wegen des niedrigen Aktienkurses gilt der Klassenerhalt für die Metro AG nach 16 Jahren in der Top-Liga der deutschen Aktiengesellschaften als gefährdet.

Der Metro-Aktienkurs ist vor allem für Großaktionär Haniel von Interesse, der gut 34 Prozent der Anteile hält und den Handelskonzern zusammen mit der Familie Schmidt-Ruthenbeck kontrolliert. Haniel hatte 2007 kräftig Metro-Aktien zugekauft und sich dafür hoch verschuldet. Den Haniel-Vorstandsvorsitz übernimmt an diesem Mittwoch Stephan Gemkow. Der ehemalige Lufthansa-Manager dürfte über kurz oder lang Metro-Aufsichtsratschef werden.

"Das ist jetzt ein echter Neustart für die Metro", sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Gemkow ist nicht nur ein Zahlenmensch, sondern er weiß auch, wie man die Geschäfte unter Beachtung anspruchsvoller finanzieller Ziele voranbringen kann."

"Am Anfang eines langen Weges"


Das jetzt auf 120 statt 100 Millionen Euro bezifferte Sparvolumen bei Metro reicht nach Ansicht von Tüngler längerfristig nicht aus. Koch habe die Rückendeckung der Aktionäre für radikale Veränderungen.

Metro-Chef Koch kündigte indes an, weiter an den Geschäftsmodellen gerade im Großhandel zu feilen, wo er erhebliches Umsatz- und Ergebnispotenzial sieht. "Ich habe früh gesagt, dass es ein Marathonlauf sein wird. Wir sind am Anfang des langen Weges."

Von neuen Einschnitten war aber keine Rede. Metro halte grundsätzlich an einem Verkauf der Warenhauskette Kaufhof trotz guter Zahlen fest, die nicht zum Kerngeschäft gehöre. Bei Real prüft Koch die Perspektiven. Nach früheren Angaben gibt es die Optionen Verkauf, Teilverkauf oder Verbleib im Metro-Konzern.

DH/dpa

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