Finanzen & Karriere

CROWDFUNDING | 16.09.2012

Onlinehändler SugarShape sammelt Startkapital im Web ein

Die Gründerinnen des Onlineshops SugarShape sammelten im Internet 100.000 Euro ein. Die Investoren konnten sich an dem Start-up mit Beträgen ab 250 Euro beteiligen.

Die Schwestern Laura Gollers und Sabrina Schönborn holten sich Kapital im Netz. Foto: SugarShape

Die Schwestern Laura Gollers und Sabrina Schönborn holten sich Kapital im Netz. Foto: SugarShape

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Drei Monate hatten Laura Gollers und Sabrina Schönborn Zeit, um 100.000 Euro für ihren Onlineshop SugarShape.de von Investoren einzusammeln. Nicht einmal vier Stunden haben sie gebraucht, bis sie das Geld zusammen hatten.

Die Schwestern haben ihre Geschäftsidee am 23. Februar 2012 auf der sogenannten Crowdfunding Plattform Seedmatch.de vorgestellt. Bei dieser "Schwarmfinanzierung" investieren viele Internetnutzer in Projekte, Produkte und die Umsetzung von Geschäftsideen – bei Seedmatch mit Mikro-investments zwischen 250 und 10.000 Euro.

"Die Geschwindigkeit hat uns doch sehr überrascht", berichtet Sabrina Schönborn. "Unsere Geschäftsidee wurde um 16 Uhr eingestellt. Da wir ganz feierlich auf den ersten Investor anstoßen wollten, haben wir um 16.10 Uhr vorsichtig nachgeschaut, ob sich schon ein Interessant gefunden hatte. Und stellten verdutzt fest, das wir bereits 25 Investoren und 22 Prozent der Finanzierungssumme erreicht hatten."
 
Mit dem Erfolg sei SugarShape nicht nur in Deutschland das erste von Frauen gegründete Unternehmen, das diese Finanzierungsmöglichkeit für sich entdeckt hat, sondern habe einen neuen Plattformrekord aufgestellt: Kein anderes Start-up soll zuvor so viel Geld in so kurzer Zeit eingesammelt haben.

"Nase voll von gängigen BHs"


SugarShape produziert eigene Dessous-Kollektionen sowie Bademode für Frauen mit großer Oberweite und vertreibt die BHs und Höschen über einen eigenen Onlineshop.
 
"Wir hatten einfach die Nase voll von den Modellen, die auf dem Markt erhältlich sind", erläutert Sabrina Schönborn die Geschäftsidee. "Die gängigen BHs rutschten hinten hoch, die Träger schnitten ein oder die Körbchen waren entweder viel zu klein oder drückten alles in eine grauenhafte Form."

Im Gespräch mit Freundinnen stellten sie fest, dass sie nicht die einzigen Frauen waren, die unter diesem Dessous-Frust leiden: "Viele Kurven entsprechen einfach nicht den industriellen Standardmaßen." Experten schätzten, dass 80 Prozent der Frauen eine falsche BH-Größe tragen.

"Wir haben daher Schluss mit dem Buchstabenterror à la ‚Doppel D‘ gemacht. Tatsächlich entscheidet das Verhältnis von Unterbrustumfang zu Brustumfang, ob ein BH passt oder nicht, und dementsprechend bestehen unsere Größenangaben aus den entsprechenden, relevanten Maßen."
 

Unternehmensprinzip Masse


Das "Prinzip Masse" machen sich die Jungunternehmerinnen nicht nur bei der Finanzierung zunutze, sondern auch bei den Kollektionen: "Wir versuchen unsere Kundinnen einzubinden, wo es nur geht. Wir entwerfen sozusagen Crowd-Dessous-Kollektionen", sagt Sabrina Schönborn.

"Von Design und Modell über Farbe, Schnitt bis hin zu den Bra Charms, kleinen austauschbaren Schmuckanhängern, die am Mittelsteg getragen werden, entscheiden unsere Kundinnen, wie das neue Teil aussehen soll, das daraufhin produziert wird." Die Abstimmung funktioniere ganz einfach per Online-Abstimmung, Facebook und Kommentaren im Blog.

Die glücklichen Kundinnen zeigen sich so gerne in ihren neuen SugarShape-Dessous, dass sie sich als Models für die Kollektions-Shootings bewerben. "Wir buchen keine professionellen Models sondern nehmen Frauen, die unsere Dessous auch wirklich tragen", erläutert Sabrina Schönborn ein weiteres Unternehmensprinzip. "Wir wollen, dass die Kundinnen die Wäsche an Frauen sehen, die ähnliche Maße haben wie sie selbst. Deshalb fotografieren wir auch immer wieder unterschiedliche Typen."

Finanzkommunikation nutzt Schwarmintelligenz


Selbst bei der eher trockenen Finanzkommunikation nutzen die Gründerinnen die "Schwarmintelligenz": Da die vielen Kapitalgeber verständlicherweise wissen wollen, was mit ihrem investierten Geld passiert, wenden sich die Schwestern über den "Investor Relations Channel" auf Seedmatch.de an ihre vielen Geldgeber und greifen so auf deren vielfältiges Wissen zurück.

"Dort können sich alle Investoren an den internen Diskussionen beteiligen und bieten uns immer wieder ihre Hilfe an", berichtet Sabrina Schönborn. "Es gibt auch viele Sachen, bei denen sie uns schon mit Rat und Tat geholfen haben."

Als einen großen Vorteil der Crowdfinanzierung sieht sie, dass junge Unternehmen dadurch bekannt würden: "Wir sind im Prinzip nur mit der Idee und ohne Medienbudget gestartet", erläutert Sabrina Schönborn. "Und sind immer wieder aufs Neue überwältigt von der tollen Resonanz."

Sybille Wilhelm

Dieser Artikel ist in der aktuellen Ausgabe des Magazins Online Handel erschienen. Hier können Sie ein kostenloses Probeexemplar anfordern.

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