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GEBRAUCHTWAREN ONLINE | 24.10.2012

Aus alt mach neu: Re-Commerce boomt

Der Kauf und Verkauf von Gebrauchtware ist ein Markt mit Zukunft. Befeuert wird der "Re-Commerce" durch die steigende Online-Affinität der Konsumenten und die höhere Zahl von Anbietern, zeigt eine Studie.

Foto: eBay

eBay hat den Secondhand-Handel salonfähig gemacht

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Früher gab es Kleinanzeigen, bei denen Konsumenten ihren alten Krempel verkaufen konnten. Dann kam der Internetmarktplatz eBay – und heute ist der Handel mit gebrauchten Waren, der so genannte Re-Commerce-Markt, ein ernstzunehmendes Geschäft gewerblicher Händler.

"Es ist davon auszugehen, dass der Re-Commerce Markt auch in Zukunft weiterhin wachsen wird", fasst Thomas Golly, geschäftsführender Gesellschafter des Beratungsunternehmens Sempora Consulting aus Bad Homburg, die Ergebnisse seiner neuen Studie zum Thema zusammen. "Die steigende Online-Affinität über alle Altersgruppen hinweg sowie die steigende Zahl an Marktakteuren begünstigen diese Entwicklung."

Junge Erwachsene besonders Re-Commerce-affin


Der Studie zufolge gaben 53 Prozent der befragten Verbraucher an, innerhalb der vergangenen 12 Monate Secondhand-Ware – mit Ausnahme von Kraftfahrzeugen und Immobilien – gekauft zu haben. Bei den 18- bis 34-Jährigen gaben sogar zwei von drei Befragten an, gebrauchte Artikel erworben zu haben. Im Vergleich hierzu gaben 45 Prozent der Befragten an, in der gleichen Zeit mindestens ein gebrauchtes Produkt verkauft zu haben.

Eine parallel durchgeführte Studie in Großbritannien weist ähnliche Werte für den dortigen Markt auf. Daraus schließt der Berater, dass sich der Handel mit gebrauchter Ware innerhalb Europas als Alternative zum reinen Handel mit Neuware etabliert hat.

"Re-Commerce ist aufgrund der Vielzahl an Konsumenten und der steigenden Zahl von Händlern, die sowohl online als auch offline aktiv sind, zu einem Multichannel-Wachstumsmarkt geworden. Händler und Hersteller von Neuware sollten den Re-Commerce Markt im Auge behalten, um die Gefahren für das eigene Geschäft zu verstehen, aber auch um Potentiale für das eigene Geschäft zu identifizieren," rät Thomas Golly.

Bücher und Kleidung beliebt


Bücher sind mit 54 Prozent und Kleidung mit 46 Prozent der Nennungen die am meisten gekauften Secondhand-Produkte. Weitere häufig gekaufte Produktkategorien sind CDs (31 Prozent), DVDs (26 Prozent), Computer/ Konsolenspiele (23 Prozent) sowie Spielzeuge und Möbel. Die am meisten verkauften Secondhand-Produkte sind wiederum mit 46 Prozent Bücher und mit 44 Prozent Kleidung, gefolgt von Musik-CDs und DVDs mit jeweils 28 Prozent.

Acht von zehn Befragte konnten mindestens einen Anbieter für den Verkauf von Secondhand-Ware benennen. Hierbei wurden eBay mit 61 Prozent und Amazon (35 Prozent) mit Abstand am häufigsten genannt, gefolgt von Momox, reBuy und hood.de sowie weiteren Anbietern

Entrümpeln und zu Geld machen


Für 85 Prozent der Re-Commerce Verkäufer war "entrümpeln" der wichtigste Grund für den Verkauf von gebrauchten Waren. 65 Prozent wollten demuzufolge mit dem
Verkauf der gebrauchten Ware Geld verdienen.

Bei der Frage, für welchen Zweck das verdiente Geld verwendet werden soll, gaben 39 Prozent der Befragten an, das Geld für geplante Neuanschaffungen zu verwenden; 33 Prozent wollten das Geld für spätere Anschaffungen sparen.

Die Entscheidung, ob gebrauchte Produkte verkauft, verschenkt oder auch gespendet werden, ist der Umfrage zufolge stark abhängig von der Art der Warengruppe. Bücher werden zum Beispiel eher verkauft (30 Prozent) oder verschenkt (34 Prozent), aber nur selten gespendet (15 Prozent). Kleider hingegen werden vermehrt gespendet (32 Prozent) und verschenkt (34 Prozent ).

Bei elektronischen Geräten wie etwa Mobiltelefonen ist wiederum recyceln die am häufigsten gewählte Methode der Entsorgung (30 Prozent).

Re-Commerce Markt mit Zukunft


Was die Zukunft angeht, bleiben die Verbraucher dem Re-Commerce treu: Sieben von zehn der Befragten gaben an, auch im kommenden Jahr gebrauchte Ware zu kaufen, 63 Prozent planen, Gebrauchtes zu verkaufen.

Daraus lasse sich ableiten, dass die Zahl der aktiven Re-Commerce Marktteilnehmer in Deutschland weiter ansteigen werde: "Der Handel von gebrauchten Produkten hat sich in den vergangenen Jahren etabliert und wächst konstant. Nicht nur eBay und Amazon sind relevante Marktakteure. Zunehmend kleine Player wie Momox oder reBuy haben sich insbesondere im Bereich der elektronischen Waren am Markt platziert und agieren meist auch pan-europäisch", beobachtet Thomas Golly.

"Sowohl für Private Equity Firmen als auch für etablierte Handelsunternehmen kann der Re-Commerce Markt eine interessante Quelle für weiteres Wachstum sein", so der Berater.

Sybille Wilhelm

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