Technik & Web

PAYMENT | 07.08.2012

Bezahlen in der Zukunft: Kontaktlos oder biometrisch

Jeder zweite Verbraucher kann sich eine Zukunft ohne Bargeld vorstellen, zeigt eine Umfrage. Mehr als die Hälfte der Konsumenten hält es für möglich, dass das Mobiltelefon in zehn Jahren die Geldbörse ersetzt.

Die Metro Group testet im Future Store innovative Bezahlmethoden. Foto: Metro Group / Future Store Initiative

Die Metro Group testet im Future Store innovative Bezahlmethoden

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Mit dem Smartphone den Einkauf im Supermarkt bezahlen und im Café mit dem Handy Trinkgeld geben: Das Mobiltelefon wird zur Geldbörse der Zukunft. Zumindest halten das Handelsexperten und Konsumenten für realistisch, so ein Ergebnis des Projekts "Zukunft des Handels", das der Internetmarktplatz eBay in Auftrag gegeben hat.

Die Ergebnisse einer repräsentativen Verbraucherumfrage legen demnach nahe, dass sich die Zahlungsweise grundlegend ändern wird. Während vor zehn Jahren sieben von zehn Konsumenten im Laden bar bezahlt haben, gelte dies heute noch für knapp die Hälfte (46 Prozent).

Damit liege die Barzahlung gegenwärtig nur noch knapp vor der Zahlung mit der Girocard (früher EC-Karte). Die Konsumenten gehen allerdings davon aus, dass die Anteile dieser beider Zahlungsmethoden in zehn Jahren mit jeweils 30 Prozent bei unter einem Drittel liegen werden. Bis dahin vermuten die Befragten, dass fast genauso viele Bezahlungen kontaktlos erfolgen werden: Per Karte zahlen demnach künftig 14 Prozent, mit dem Smartphone 13 Prozent.

Viel mobiles Potenzial


"Die Ergebnisse der Verbraucherumfrage unterstreichen das Potenzial der mobilen Zahlung", ist Matthias Setzer, Leiter Geschäftskundenbereich bei der eBay-Tochter PayPal in Deutschland, Österreich und Schweiz, überzeugt. "Konsumenten können damit von überall aus bequem über ihr Mobiltelefon zahlen. Und im Ladengeschäft ist die mobile Zahlung genauso flexibel und vielfältig wie Bargeld, nur sicherer."

Dies, sowie das hohe Maß an Flexibilität, sei den Kunden wichtig, wirbt er: "Deshalb wird die mobile Zahlung klassische Bezahlweisen wie das Bargeld in wenigen Jahren überholt haben." Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass jeder zweite Verbraucher es für möglich hält, dass Bargeld in zehn Jahren gar keine Rolle mehr spielt – Frauen mit 55 Prozent der Befragten prognostizieren den Cash-Garaus sogar eher als Männer mit 48 Prozent.

Was wird aus dem Bargeld?


Experten sind im Hinblick auf das Bargeld jedoch geteilter Meinung. Einige seien der Ansicht, dass aktuelle Bezahlungsmöglichkeiten wie Bar- oder Kartenzahlung zurückgehen, aber nicht verschwinden werden. Andere denken, dass Bargeld in ferner Zukunft nicht mehr bekannt sein wird. Die Bezahlung erfolge dann virtuell und werde über biometrische Systeme wie Augenscan oder Fingerabdruck autorisiert.

Ein gutes Drittel der Verbraucher teilt demzufolge die Ansicht, dass Zahlungen per Fingerabdruck irgendwann realistisch sind. Immerhin jeder Fünfte hält die Bezahlung per Augenscan in Zukunft für möglich.

Überweisungen im Netz immer unpopulärer


Auch im Internet hätten klassische Bezahlarten wie Banküberweisung oder Kauf auf Rechnung schon heute deutlich an Relevanz verloren: Während Verbraucher noch vor zehn Jahren bei fast jedem dritten Online-Einkauf per Banküberweisung gezahlt haben, tun sie das heute nur noch bei jedem fünften.

Ähnlich sehen demnach auch die Zahlen für den Kauf auf Rechnung aus: 31 Prozent zahlten vor zehn Jahren nach Erhalt der Ware, heute seien es nur noch 21 Prozent. Beide Bezahlarten werden nach Ansicht der Konsumenten in den kommenden Jahren noch weiter zurückgehen – nur noch jeder siebte Onlinekauf werde in Zukunft per Banküberweisung beglichen werden, nur noch jeder sechste per Rechnung.

Bereits heute zahlten deutsche Verbraucher bei jedem vierten Einkauf über Online-Zahlungsdienstleister wie PayPal. Die Ergebnisse der Konsumentenbefragung legen nahe, dass in zehn Jahren fast jeder dritte Einkauf auf diesem Weg bezahlt wird. Am Einsatz von Kreditkarten und der Abwicklung über elektronische Lastschriftverfahren wird sich nach Ansicht der Verbraucher hingegen wenig ändern: Heute werden beide Verfahren bei je 15 Prozent der Einkäufe eingesetzt. Dies werde voraussichtlich auch in zehn Jahren noch so sein.

Einheitliche Technologie für mobiles Bezahlen


Einig sind sich die Experten jedoch, dass die Bezahlung über mobile Endgeräte zukünftig mit weltweit einheitlicher Technologie möglich sein wird. Derzeit stecke in diesem Bereich allerdings noch viel Entwicklungspotenzial: Nur jeder zehnte Verbraucher hat bereits einmal im Laden per Mobiltelefon bezahlt.

Am häufigsten erfolgen mobile Zahlungen derzeit über SMS (59 Prozent), eine Applikation (41 Prozent), den Browser (35 Prozent) oder einen Chip (23 Prozent). Trotzdem glauben Verbraucher an eine Revolution des Bezahlens: Sechs von zehn Befragte halten es für möglich, dass das Mobiltelefon in zehn Jahren die Geldbörse ersetzt hat.

"Mobile Bezahlung wird für die Mehrheit der Shopper schnell zu einer Selbstverständlichkeit werden", prognostiziert die am Projekt teilnehmende Expertin Margit Kling, Professorin für Brand Planning und Konsumverhalten an der Design Akademie Berlin. "Das Portemonnaie, inklusive Kreditkarte und Personalausweis, wird durch die mobile Geldbörse ersetzt." Die Möglichkeit, Kleinstbeträge mobil zu zahlen, könne einen Innovationsschub in der Branche nach sich ziehen: "Effiziente Ticketsysteme, schnelle Zahlungen in Kiosken oder Trinkgeld per Mobiltelefon werden selbstverständlich sein."

Das Projekt


Mit dem Projekt "Zukunft des Handels" will der Onlinemarktplatz eBay in Zusammenarbeit mit Experten und der Öffentlichkeit Einblicke in die zukünftige Entwicklung des Handels und die langfristigen Trends beim Ein- und Verkaufen erhalten.

Dabei sollen Umfragen, Expertenhearings und Workshops verschiedene Aspekte des Handels beleuchten. Unter den teilnehmenden Experten sind Professor Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein, Thomas Bendig vom Fraunhofer Verbund für Informations- und Kommunikationstechnologie und Dr. Andrej Busch, CEO von DHL Paket. Hier sehen Sie eine grafische Aufbereitung der Ergebnisse.

wim

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