Technik & Web

DIREKTVERTRIEB | 04.08.2012

Die Tupperparty feiert Renaissance

Hat sich das "Prinzip Tupper" im Internetzeitalter überholt? Genau das Gegenteil ist der Fall: Immer mehr Start-ups entdecken online organisierte Shoppingpartys als erfolgversprechenden Geschäftszweig.

Foto: Tupperware

Das "Prinzip Tupper" funktioniert auch im Online-Zeitalter.

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Der Direktvertrieb mit Partyspaß erlebt im Zeitalter virtueller sozialer Netzwerke eine Renaissance. Und das weit über den Klassiker, die Tupperparty, hinaus. Eine deutsche Pionierin der Direktvertriebsbranche ist Annemarie Grund, die über das Portal Baby-basket.de seit dem Herbst 2008 Shoppingpartys für Produkte organisiert, die kleine Menschen von 0 bis 3 Jahren brauchen.

"Ich habe in einem großen Konzern gearbeitet. Als meine zweite Tochter dann geboren wurde, habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, wie ich Familie und Job gleichermaßen gerecht werden kann", berichtet die Betriebswirtin. "Außerdem sitzen Mütter kleiner Kinder viel zu viel allein zu Hause und sind unsicher, was sie wirklich brauchen und was nicht."

Einsatz je nach Zeitbudget


Bei den Shoppingpartys stellt eine der inzwischen rund 120 Verkaufsberaterinnen den anwesenden Müttern die Artikel vor, die allesamt ökologisch produziert werden. "Den Einsatz bestimmen die Beraterinnen selbst, je nach eigenem Zeitbudget und Verdienstwünschen", sagt die Gründerin. "Wichtig ist, dass sich die Tätigkeit mit dem Familienleben vereinbaren lässt."

Annemarie Grund freut es, dass das Thema Direktvertrieb in den vergangenen ein, zwei Jahren wieder salonfähig geworden ist: "Ich musste bei der Gründung vor vier Jahren noch viel für das Image und die Akzeptanz kämpfen", erinnert sich die 37-Jährige.

Pippa und Jean


Ihre Chancen als Einzelkämpferin weiterzumachen sieht sie inzwischen jedoch als begrenzt an - deshalb geht Baby Basket am 1. Juli dieses Jahres in "Pippa & Jean" auf. Die im November 2011 von dem Gründer und Geschäftsführer des Online-Shoppingclubs BuyVip, Gerald Heydenreich, aufgebaute Social Selling Community vermittelt Shoppingpartys mit exklusiveren Schmuckstücken.
 
"Baby Basket passt deshalb so gut zu uns, weil wir ähnlich ticken und durch die Zielgruppe Mütter und Schmuck eine ganz natürliche Überlappung haben", erläutert Pippa-&-Jean-Geschäftsführerin Annette Albrecht.

Die Schmuckparty-Veranstalter planen zunächst eine "Mutter & Kind-Kollektion" und mittelfristig eine Ausweitung des Sortiments. "Es entspricht auch unserer Geschäftsphilosophie, dass Leben und Arbeiten kein Widerspruch, sondern eine Einheit sind", erläutert die Geschäftsführerin.

Faire Vertriebsstrukturen


Das junge Unternehmen hat auch das Thema Fairness zum Geschäftsprinzip erhoben: "Das bedeutet einerseits, dass wir unseren Stylistinnen unser Provisionsmodell transparent machen und nicht selbst im Internet oder sonst wo verkaufen", berichtet die Geschäftsführerin.

Einen von Pippa & Jean zentral gesteuerten Onlineshop wird es daher nicht geben - wohl aber sollen die einzelnen "Style Coaches" ihren eigenen Schmuckshop bekommen, den sie zum Beispiel über Facebook und auf ihren Visitenkarten bewerben können.

"Außerdem haben wir eine "Do Good Collection", mit denen wir jeweils ein bestimmtes Hilfsprojekt unterstützen", berichtet Albrecht. Der Schmuck der ersten Kollektion, mit deren Verkauf Gutes getan werden soll, kommt aus der Provinz Chiang Mai im Norden Thailands.

"Sensationelle" Resonanz


Mit den handgefertigten Schmuckstücken aus 925 Sterling Silber hilft das junge Unternehmen dem Projekt "Von der Bohne bis zur Ernte" der Hilfsorganisation Thai Care - "somit werden auch wieder Mütter und Kinder unterstützt", so Albrecht.

Seit rund zwei Monaten ist die Website Pippajean.com frei geschaltet - und die ehemalige Unilever-Managerin ist von dem bisherigen Erfolg begeistert: "Wir haben innerhalb dieser kurzen Zeit schon rund 50 Style Coaches gewonnen, die die Prozedur schon durchlaufen haben und auch schon die ersten Shoppingpartys veranstaltet, und jeden Tag kommen neue Registrierungen", sagt die Pippa-&-Jean-Geschäftsführerin. Die Resonanz sei sensationell.

Juvalia & You


Über einen "unglaublichen" Start berichtet auch Magnus Resch, der als Geschäftsführer von Springstar vor rund drei Monaten das Schmuck-Shoppingportal "Juvalia & You" ins Netz gestellt hat. Springstar ist ein sogenannter Inkubator, das Unternehmen gründet und unterstützt Start-ups weltweit.

Der gerade einmal 27 Jahre alte Unternehmer hat in St. Gallen, Harvard und London studiert, mit Mitte 20 promoviert, war Manager einer Kunst-Galerie und hat nach nur sechs Monaten das das Restaurant-Reservierungsportal Gourmeo verkauft.

Bei Juvalia & You bringen ebenfalls unabhängige Beraterinnen den Schmuckkoffer in die Wohnzimmer der Kundinnen - und zwar neben Deutschland auch in Indien, Brasilien und Russland. "Wir wollen weiter wachsen, mit den vier Ländern ist sicher noch nicht Schluss", sagt Resch. Bereits nach drei Wochen hatten hierzulande immerhin gut 100 Frauen das Bewerbungsprozedere als Stylistinnen durchlaufen.

Unter Juvalia.de können Kundinnen den Schmuck auch online bestellen. "Wir ordnen bei der Bestellung auf Juvalia.de die Postleitzahl automatisch der nächstgelegenen Stylistin zu. Sie erhält dann die Provision", erläutert Resch. "Denn unser Konzept lebt von den vielen Markenbotschafterinnen, die die Ketten, Ohrringen und Armreifen zu den Kundinnen tragen oder online in ihrem eigenen Shop verkaufen. Wir kümmern uns um alle Abläufe und die Technik im Hintergrund."

Kein Onlineshop für Tupperware


Für die "Mutter" aller Shoppingpartys ist ein eigener Onlineshop hingegen keine Option: "Tupperware ist erst durch die Tupperparty so erfolgreich geworden. Sie ist und bleibt das Herzstück unseres Vertriebs", erläutert Maik Scheifele, Director Communication & Public Affairs bei Tupperware Deutschland.

"Aus den Erfahrungen der vergangenen 50 Jahren wissen wir, dass die persönliche Ansprache und die Kontakte zwischen Beraterinnen, Gastgeberinnen und den Gästen durch nichts ersetzt werden können, besonders nicht durch ein Onlinesystem." Online seien die Vorteile und Tipps rund um die Produkte nicht zu erklären, die einzelnen Artikel könnten nicht angefasst und ausprobiert werden: "Tupperware sollte erlebt werden, und dies ist alleine im Internet nicht möglich."
 

Reine Kommunikationsplattform


Auf Tupperware.de stellt das Unternehmen daher zwar die aktuellen Angebote und Neuheiten sowie das Prozedere als Gastgeberin und den Kontakt zur nächsten Beraterin ein. "Bei einigen Produkten werden die Vorteile auch in Ansätzen im Internet beschrieben oder durch einen kurzen Film verdeutlicht", so Scheifele. "Dies kann aber nicht die persönliche Demonstration durch eine fachkundige Beraterin ersetzen."

Tupperware nutzt das Internet daher nicht als Onlineshop, sondern als Kommunikationsplattform. Neben Tupperware.de sind unter tupperware.biz Webseiten, die von den Bezirkshandlungen und Beraterinnen selbst inhaltlich gestaltet werden. Auf der Facebook-Seite von Tupperware Deutschland gibt es wiederum unter anderem ein Video-Tutorial, wie Kundinnen eine Tupperparty organisieren können.

"Anlässlich unseres diesjährigen Jubiläums laden wir unsere Kunden zudem noch dazu ein, sich auf unserer Seite 50-jahre-tupperware.de aktiv mit eigenen Erlebnissen einzubringen", wirbt der Kommunikationsexperte von Tupperware Deutschland. "So können sie Teil der Geschichte werden."
 
Sybille Wilhelm

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