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E-COMMERCE | 19.12.2013

Amazon-Chef Kleber: "Wir sehen hier keinen Kompromiss"

Beim Online-Versandhändler Amazon streiken Mitarbeiter, weil sie Tarifverhandlungen wollen. Doch Amazon-Chef Kleber bleibt hart und geht im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa in die Offensive.

Foto: Amazon

"Es streiken ein paar hundert Mitarbeiter", Amazon-Chef Ralf Kleber.

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Seit Montag wird bei Amazon in Bad Hersfeld und in Leipzig gestreikt. Hunderte Mitarbeiter von derzeit 23.000 sind in den bisher längsten Ausstand in der Geschichte von Amazon Deutschland getreten.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi will den Online-Versandhändler für einen Tarifvertrag an den Verhandlungstisch zwingen. Im Interview der Nachrichtenagentur dpa äußert sich der Geschäftsführer von Amazon Deutschland, Ralf Kleber zur Situation.

Seit Monaten wird bei Amazon immer wieder gestreikt. Meinen Sie, dass der Konflikt ihrem Firmenimage schaden könnte?
Wir kommunizieren die Fakten und geben Einblick in unsere Logistikzentren - viele Kunden interessieren sich dafür, was in den Logistikzentren passiert, deshalb gibt es jetzt einen eigenen Logistikblog, in dem die Mitarbeiter zu Wort kommen. Darüber hat sich ein klares Bild ergeben. Die meisten sehen inzwischen, dass wir faire Löhne zahlen, dass wir ein guter wichtiger Arbeitgeber sind. Amazon wird sich durch seine Leistung beim Kunden behaupten. Es gibt viele Mitarbeiter, die inzwischen selbst in den Medien aktiv werden, um aufzuzeigen, dass sie sich nicht durch die derzeitige Berichterstattung repräsentiert sehen. Ich glaube, der Kunde weiß, dass er auch weiterhin guten Gewissens bei uns bestellen kann.
 
Spüren Sie denn die Auswirkungen der Streiks?
Es gibt keine Auswirkungen. Es bleiben keine Pakete liegen. Wir sind im Plan. Wir haben in diesem Jahr die beste Weihnachtssaison in der Geschichte von Amazon Deutschland. Der Spitzenbestelltag war der 15. Dezember mit 4,6 Millionen Bestellungen - 15 Prozent über dem Vorjahr. Es streiken ein paar Hundert Mitarbeiter, aber rund 23.000 Mitarbeiter arbeiten engagiert.

Wenn Verdi hart bleibt - wie lange will Amazon diesen Konflikt aussitzen.
Wir sehen keinen Anlass mit Verdi in Verhandlungen zu treten. Wir liegen mit mindestens 9,55 Euro Basislohn bei den Löhnen über dem Durchschnitt der Logistikbranche und über dem Logistiktarif. Wir reden lieber mit unseren Mitarbeitern direkt. Wir brauchen dazu keinen Dritten. Zusammen mit unseren Mitarbeitern und unseren Betriebsräten entwickeln wir uns immer weiter als ein Unternehmen mit sicheren Arbeitsplätzen und einem guten Arbeitsklima.

Und wie könnte ein Kompromiss aussehen?
Wir sehen hier keinen Kompromiss. Auch unsere Mitarbeiter signalisieren uns, dass sie mit uns direkt zusammenarbeiten möchten.

Amazon wurde in der Vergangenheit häufiger wegen der herrschenden Arbeitsbedingungen kritisiert. Wie sehen Sie das?
Wie gesagt - unsere Mitarbeiter sehen sich nicht repräsentiert durch die Berichterstattung in den Medien. In unseren Logistikzentren arbeiten Technologie und Mensch Hand in Hand. Wie jedes Unternehmen hat Amazon Leistungserwartungen und erfasst erbrachte Leistungen. Diese Leistungserwartungen basieren auf dem, was Tausende Mitarbeiter zuvor im Schnitt erreicht haben. Ich weiß, wovon ich rede, ich hab den Job selbst gemacht. Standardprozesse sind wichtig, aber jeder Mitarbeiter hat die Möglichkeit, bei der Verbesserung der Prozesse, die sein Arbeitsumfeld betreffen, mitzumachen. Das geht von der Gestaltung des Arbeitsschuhs bis zur Ergonomie des Arbeitsplatzes.


Zur Person:
Ralf Kleber ist 47 Jahre alt. Er ist seit 15 Jahren bei Amazon und seit 2002 Geschäftsführer von Amazon Deutschland. Zuvor war er zehn Jahre beim Luxusmode-Unternehmen Escada und davor im Kaufhof-Konzern tätig. Kleber ist gelernter Betriebswirt.

dpa


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