Technik & Web

E-COMMERCE | 12.01.2015

Auch die Verpackungsindustrie profitiert vom Onlinehandel

Achtung, jetzt kommt ein Karton, heißt es für immer öfter Konsumenten. Die Masse der Onlinebestellungen wird in Behältnissen aus Pappe verschickt. Die meisten sind kaum gefüllt. Das hat sogar Sinn.

Sendung von Amazon, Foto: Amazon

Sendung von Amazon: Es lebe der Pappkarton

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Riesige Pakete mit oft nur wenig Inhalt und anschließend ein ganzer Berg leerer Kartons: Mit dem zunehmenden Onlinehandel wächst auch die Flut an Verpackungen und sorgt bei vielen Kunden für Verdruss. Doch ein Ende der Verpackungslawine ist derzeit nach Einschätzung von Experten eher nicht in Sicht. Im Gegenteil - der Siegeszug des Pappkartons scheint kaum zu stoppen.

Große Pakete für kleine Produkte müssen aus Sicht der Logistik-Branche nicht unbedingt ein Fehler sein, sagt Forscher Michael Böhmer vom Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund. Gefragt sei vielmehr eine gute Stapelbarkeit der Pakete beim Transport.

Hinzu kämen Kostenersparnisse bei der Einrichtung der Verpackungsmaschinen und beim Einkauf der Kartons in möglichst großen Stückzahlen, so Logistik-Experte Ingmar Böckmann vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh). "Da ist es günstiger, Luft zu verschicken, als Kartonagen anders zu dimensionieren", sagt er.

Viel Verpackung, wenig Inhalt


Nach Schätzungen sind Pakete im Onlinehandel im Durchschnitt etwa zur Hälfte gefüllt. Bei einer Untersuchung habe man aber auch Pakete mit nur 20 Prozent an Wareninhalt gefunden, weiß Böhmer. In Extremfällen wie etwa beim Versand von Ersatzteilen könne der Warenanteil aber auch bis auf etwa ein Prozent schrumpfen.

Für die Versender bedeute dies zusätzliche Kosten beim Ausstopfen der Pakete mit nicht bestelltem Füllmaterial. Neben Billigvarianten wie geknülltem Papier werde aber auch hochwertiger Schaum eingesetzt - etwa beim Versand von teuren Bauteilen für die Industrie, sagt Böhmer. Für den Empfänger ist das Wühlen nach der bestellten Ware häufig erst einmal Frust. "Der Kunde will wenig Verpackungsmaterial", so der Experte.

Nach Zahlen für das Jahr 2011 wurden in Deutschland rund 7,15 Millionen Tonnen Pappverpackungen verbraucht - allerdings nicht nur für den Onlinehandel. Experten sind sich einig über die seitdem steigende Tendenz. "Der Pappkarton wird das Verpackungsmaterial der Zukunft bleiben", ist sich Logistik-Experte Böckmann sicher. Hintergrund seien die Vorteile des Traditionsprodukts: Die Kartons sind leicht, stabil und können gefaltet werden.

Für die deutsche Verpackungsindustrie gilt der Onlinehandel als Wachstumsmotor in einem ansonsten hart umkämpften Markt, sagt Winfried Batzke vom Deutschen Verpackungsinstitut. Derzeit sei der Anteil der reinen Versandverpackungen am für 2014 geschätzten Gesamtumsatz der Branche in Deutschland von rund 50 Milliarden Euro jedoch noch vergleichsweise gering.

Werbung auf dem Karton


Ziel der Branche ist es nun, die Pappverpackungen zu optimieren: Während die Dortmunder Forscher mit Sturzversuchen aus unterschiedlichen Höhen die Belastbarkeit der Kartons austesten, ist die Nutzung der Kartons als Werbefläche für viele Händler bereits Wirklichkeit.

Nach einer Umfrage des E-Commerce-Centers (ECC) unter dem Dach des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH) nutzt fast jeder dritte Onlinehändler die Kartons als Kommunikationsinstrument. Viele Kartons seien in Unternehmensfarben oder auffallend bunt gestaltet, so ECC-Expertin Eva Stüber. Andere Versender weisen mit einem speziellen Aufkleber auf das recycelte Material der Verpackung hin, oder bieten eine Nutzung des umgekehrten Kartons als bunt bedruckte Geschenkverpackung an.

Doch es gibt auch Alternativen zum Karton, erläutert Stüber. Mode für jüngere Kunden werde mitunter in Beuteln verschickt. Und auch im Onlinehandel mit Lebensmitteln würden mittlerweile bereits verstärkt Mehrwegverpackungen eingesetzt, sagt Max Thinius vom Bundesverband Lebensmittel-Onlinehandel. So bietet ein großer Onlinehändler für Lebensmittel-Lieferungen mittlerweile eine Kunststoffbox mit darin aufgehängten Einkaufstüten an, die vom Kurier direkt dem Kunden übergeben werden. Die nicht mehr benötigte Box wird von dem Boten anschließend direkt wieder mitgenommen.

Uta Knapp, dpa

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