Technik & Web

E-COMMERCE | 13.01.2012

"Filialanbindung entscheidend für Media Markt-Webshop"

Jürgen Cleve leitete früher einen Media Markt-Standort und hat ein Buch über die Elektrokette geschrieben. Im Interview spricht er über seine Erwartungen zur Eröffnung des Media Markt-Onlineshops.

Buchautor Jürgen Cleve

Buchautor Jürgen Cleve über die Online-Strategie von MediaMarkt.

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Was erwarten Sie von der Wiedereröffnung des Onlineshops von Media Markt?

Nun, wenn Sie mich als Media Markt-Geschäftsführer fragen würden, vor allem eins: Umsätze! Andererseits ist der Onlinehandel auch ein Mitbewerber. Denn mit jedem Kunden, der im Internet kauft, verliere ich zunächst einen Menschen, dem die Warenvielfalt und die Kompetenz meines stationären Marktes verschlossen bleibt. Ähnlich verhält es sich in Sachen "Ausprobieren". In meinem Buch habe ich nicht zuletzt auch den Aspekt des sozialen Kontaktes, also des Miteinanders, hinterfragt. Umso erfreulicher sind für mich daher die Bemühungen von Media Markt und der Firmenschwester Saturn, den stationären Einzelhandel als Übergabestation und Plattform für Serviceangelegenheiten sowie Zusatzkäufe einzubinden.

Wie werden Ihrer Meinung nach die "alten" Probleme wie etwa die Preispolitik stationär und online gelöst?


Ich bin selbst Endverbraucher und habe schon immer unterschiedliche Verkaufspreise vorgefunden, obwohl ich in der gleichen Baumarktkette - als Beispiel - unterwegs bin. Will sagen: Das ist kein urtypisches MediaMarkt-Phänomen. Und die Zeiten, in denen nur die ehemalige Media Markt Online GmbH vorzugsweise spannende Postengeschäfte vermarkten konnte, dürfen getrost als überholt bezeichnet werden, auch wenn die damalige Vorgehensweise - insbesondere vor dem Hintergrund der Aktivierung eines solchen Internetauftritts - ihren Reiz hatte. Aber gestern ist nicht heute.

Und wie sieht es mit der Problematik der After-Sales-Services aus?

Viele Internetkäufer stört, dass sie im Falle einer Nachfrage keinen direkten menschlichen Kontakt vorfinden. Bedenken Sie, dass Media Markt keine Schuhe verkauft sondern technisch anspruchsvolle Geräte. Wenn dann die Frage nach dem dringend benötigten Verbindungskabel auftaucht, ist fachmännischer Rat gefragt. Diesen Service bekommen sie im stationären Einzelhandel nicht nur schneller sondern in der Regel auch kompetenter. Der "rein mechanische" After-Sale-Service stößt immer wieder an seine Grenzen. Viele der enttäuschten Internetkunden schicken die Ware einfach zurück. Aus Sicht eines klassischen Einzelhändlers kann das unmöglich die Lösung sein. Hierin liegen die Vorteile des sogenannten Zweikanalvertriebs - also stationär und online - auf der Hand.

Werden die stationären Händler und die Onlinehändler von Media Markt sich diesmal verstehen?

Die spontane Antwort lautet: Ja - weil sie müssen. Die Bedeutung des Onlinehandels erfährt in den vergangenen Jahren stetigen Zuwachs. Das spürt man längst auch im Hause Media Markt. Der ehemalige Metro-Vorstandschef Eckhard Cordes brachte es einmal auf den Punkt: "Wenn wir es nicht machen, machen es andere."

Das "Nichtverstehen", wie sie es in ihrer Frage andeuten, hat etwas mit der Firmenhistorie von Media Markt zu tun. Media Markt war nie ein zentralistisch operierendes Handelsunternehmen. Die Gründer haben von Anfang an erkannt, dass die Motivation ihrer Vor-Ort-Geschäftsführer in der Beteiligung zu finden ist. Kurzum: Dezentralität lautet der wichtigste Erfolgsparameter bei Media Markt und Saturn. Ich behaupte, dass nur durch die konsequente Umsetzung dieser Erkenntnis und der damit verbundenen Motivationssteigerung aller Teams in den Häusern, die Erfolgsgeschichte zum europäischen Marktführer gelang.

Und die Irritationen der Vergangenheit spielen keine Rolle mehr?

Die früheren Probleme zwischen den stationären Märkten und dem hauseigenen Onlinehandel hat die Geschäftsführung der Holding mittels einer Provision gelöst. Auf welcher Rechenbasis sich diese auch stützt - entscheidend ist, dass sich der Vor-Ort-Geschäftsführer nicht durch verloren gegangene Umsätze benachteiligt fühlt. In meinem Buch gehe ich auf diese Online-Thematik im Speziellen ein - denn auch andere Unternehmen wie Obi oder Electronic Partner hatten ähnliche Umsetzungsprobleme.

Nach Stationen bei KaDeWe und ElectronicPartner war Jürgen Cleve rund sieben Jahre bei Media Markt in verschiedenen Funktionen tätig. Als Geschäftsführender Gesellschafter gründete und leitete er einen Media Markt-Standort. Er ist Autor des Buches „Media Markt - Wie blöd ist das Konzept wirklich?" (Walhalla Fachverlag), das im Januar 2011 erschienen ist. Das Interview führte Sybille Wilhelm.

Auf etailment.de (Blog): Media-Markt rüstet Online-Shop auf: Ein digitaler Warenkorb allein wird nicht helfen.

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