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E-COMMERCE | 16.02.2016

Hundefutter aus dem Netz

Fast jeder achte Euro wird inzwischen online ausgegeben, hat der bevh ermittelt. Der Umsatz mit Tierbedarf legte mit 74 Prozent am stärksten zu. Gewinner sind zudem auch Multichannelhändler.

Tierbedarf treibt Online-Umsatz Foto: Fotolia

Tierbedarf treibt Online-Umsatz Foto: Fotolia

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Die deutschen Konsumenten kauften 2015 im Online- und Versandhandel Waren im Wert von 52,37 Milliarden Euro sowie digitale Güter und Dienstleistungen im Wert von 12,97 Milliarden Euro. Davon entfielen 46,9 Milliarden Euro auf den Onlinehandel, der somit einen Anteil von fast 90 Prozent am Gesamtumsatz des Distanzhandels ausmacht, so das Ergebnis der Verbraucherstudie des Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh). Demnach wuchs der Onlinehandel mit Waren im Jahr 2015 um 12 Prozent und liegt wieder deutlich über dem Wachstum des gesamten Einzelhandels von 3,1 Prozent.

"Im Jahr 2015 hatte der Interaktive Handel vier Wachstumsquartale hintereinander. Die Kauflaune ist aufgrund der robusten Konjunktur und der niedrigen Zinsen stabil", erläutert Gero Furchheim, Präsident des bevh. "Die Umsatzsteigerung ist eine Abstimmung per Maus-Click: E-Commerce und Versandhandel stehen für mehr Auswahl, Service und modernes Einkaufserlebnis."

Veränderte Lese- und Hörgewohnheiten


2015 wurde wieder einmal vor allem Mode bestellt: Der Umsatz im Segment Bekleidung legte im Vergleich zu 2014 um 18 Prozent auf gut 10 Milliarden Euro zu. Auf Platz zwei folgen Elektronikartikel und Telekommunikation mit einem Umsatz von knapp 7,6 Milliarden - das Plus im Vergleich zum Vorjahr betrug 33 Prozent. Der Umsatz von Büchern und E-Books ging unterdessen um 8 Prozent auf gut 3,6 Milliarden Euro zurück.

"Der Buchmarkt erlebt eine Zeit des Umbruchs. So erfreuen sich kostengünstige Selfpublishing-Produkte, Abo-Lesemodelle aber auch Leih-E-Bibliotheken zunehmender Beliebtheit", erklärt sich Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des bevh, den Umsatzrückgang "Hinzu kommen Click & Collect-Mechanismen, die die E-Commerce-Umsätze im Buchsegment in stationäre Kassen spielen".

Ähnlich wie Büchern ergeht es dem bevh zufolge der Warengruppe Bild- und Tonträger sowie Video- und Musicfiles mit einem Umsatzrückgang um 20 Prozent auf rund 1,8 Milliarden Euro. "Die sinkenden Umsätze bedeuten keine rückläufige Nutzung dieser Medien. Viel mehr deuten sie, ähnlich wie im Buchmarkt, auf veränderten Konsum hin", so Wenk-Fischer. "Abo- und auch Streaming-Dienste haben in kürzester Zeit die Nutzerherzen erobert und so ist es für Verbraucher heute nicht mehr wichtig Musik oder Hörbücher zu besitzen. Stattdessen reicht der Zugriff auf die Ware um sie zu konsumieren." Der Verband will deshalb künftig die Umsätze aus Abonnements und Streamingangeboten in unserer Studie verstärkt untersuchen.

Gute Geschäfte mit Möbeln, Lebensmittel und Tierbedarf


Die Kategorie Möbel, Lampen und Leuchten sowie Dekoration verzeichnet mit einem Umsatz von knapp 2,7 Milliarden Euro ein Plus von 15 Prozent und damit ihr prophezeites Wachstumspotential genutzt. Und auch das Umsatzvolumen der Warengruppe Lebensmittel legte um 19 Prozent zu – wenngleich das Umsatzvolum des Essens für Zweibeiner mit 736 Millionen Euro noch unter dem für Vierbeiner liegt. Denn der Umsatz im Warensegment Tierbedarf lag 2015 bei 842 Millionen Euro und verzeichnet mit einem Plus von 74 Prozent im Vergleich zu 2014 das größte Wachstum im gesamten E-Commerce.

"Möbel und Schnelldreher wie Lebensmittel oder Tierbedarf spiegeln die aktuellen aber auch künftigen Entwicklungen im E-Commerce am besten wieder", ist bevh-Präsident Gero Furchheim überzeugt. "Immer mehr Verbraucher beginnen, Waren des alltäglichen Bedarfs online zu kaufen, weil sie die Lieferung in die Wohnetage oder die entspannte Auswahl zu Hause schätzen." Zugleich denken Verbraucher seiner Meinung nach aber nicht mehr in einzelnen Kanälen. "So greifen gerade im Bereich der Möbel online und offline immer mehr ineinander. Vorabinformation im Netz oder Lieferung in die Filiale sind Beispiele für ein optimiertes Kauferlebnis."

Beliebte Marktplätze


Was die digitalen Vertriebswege angeht, läuft mit einem Volumen von 24,95 Milliarden Euro mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes im E-Commerce über Onlinemarktplätze. Im Vergleich zu 2014 lag das Plus bei 4 Prozent. Multichannelversender, die den Kunden über mehr als nur einen Kanal ansprechen, setzten mit 13,97 Milliarden Euro 27 Prozent mehr um als im Vorjahr. An dritter Stelle folgen die reinen Onlinehändler ("Internet Pure Player") mit einem Umsatzplus von 6 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro.

Für 2016 geht der bevh "konservativ geschätzt" von einem Plus von 4 Prozent auf 54,5 Milliarden Euro im Distanzhandel aus. "Mit Blick auf die Marktlage, die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und das noch nicht ausgeschöpfte Wachstumspotential bestimmter Warengruppen gehen wir weiterhin von einem überdurchschnittlichen Wachstum des Online- und Versandhandels gegenüber dem gesamten Einzelhandel aus. Denn das Volumen des Einzelhandels lässt noch wesentlich mehr E-Commerce zu", prognostiziert Wenk-Fischer.

wim

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