Technik & Web

E-COMMERCE | 13.10.2013

Karstadt mit kurzer Leitung

Webshops sind die Klassiker im Internethandel. Der Handel hat prüfen lassen, wie schnell und zuverlässig sich ausgewählte Modeläden im Netz aufrufen lassen. Dabei gab es einige Überraschungen.

Karstadt-Seite, Foto: Screenshot

Karstadt-Seite: Schnelle Ladezeit

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Vor 20 Jahren wurde das World Wide Web für die Öffentlichkeit freigegeben. In Deutschland sind nach Angaben des IT-Verbandes Bitkom inzwischen rund 78 Prozent der über 14-Jährigen online, das sind fast 55 Millionen Bundesbürger. Von diesen Internetnutzern kaufen heute immerhin neun von zehn online ein – und werden immer anspruchsvoller. Denn während Smartphone-Nutzer dem Webshop noch bis zu fünf Sekunden Zeit geben, bis er sich aufbaut, sind die Kunden am stationären PC heute kein bisschen geduldig. Sie erwarten vielmehr, dass sie direkt mit dem Mausklick in die Onlinewarenwelt des Händlers eintauchen.

Wie die Realität aussieht, hat der Softwarehersteller Compuware exklusiv für Der Handel getestet: Einen Monat lang wurden regelmäßig über den Tag hinweg die Startseiten ausgewählter Mode-Webshops in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München aufgerufen. Dazu wurden jeweils die Internetbrowser Firefox und Internet Explorer genutzt. Gemessen wurden die Ladezeit, die Verfügbarkeit, die in Prozent angibt, wie erfolgreich die Seitenaufrufe während des Beobachtungszeitraums waren, sowie die Varianz, die die Stabilität der Ladezeiten angibt, also die Standardabweichung der Antwortzeit von erfolgreichen Seitenaufrufen.

"Was die reine Ladezeit angeht, sind Karstadt und Bonprix die klaren Gewinner", erläutert Compuware-Studienleiter Günther Brutscher. "Zwar sieht man, dass die Shops, die sehr schnell sind, eine geringere Verfügbarkeit haben. Dennoch ist kein allgemeiner Zusammenhang zwischen der Ladezeit und der Verfügbarkeit herzustellen." Oft fänden sich sehr schnelle Seiten auch mit sehr guter Verfügbarkeit. "Die Messergebnisse betrachten immer nur einen bestimmten Zeitraum und viele verschiedene Faktoren beeinflussen die Verfügbarkeit. Besondere Ausreißer können dann aber sehr gezielt untersucht werden."

Entweder Ladezeit oder Verfügbarkeit


Das liegt an der grundsätzlichen Ausrichtung des Shops, erläutert Brutscher: "Wer auf die Geschwindigkeit setzt, hat seine Frontend-Gestaltung des Webshops dementsprechend optimiert, also die Seite, die der Kunde sieht. Die Verfügbarkeit hängt wiederum zahlreichen Faktoren auf Anbieter- wie auf Nutzerseite ab."

Während sich dementsprechend die Seiten von Karstadt und Bonprix schnell aufbauen, liegt ihre Verfügbarkeit unter dem Durchschnitt der getesteten Shops - wenn auch freilich mit 99 Prozent bei Schlusslicht Karstadt in kaum merkbarer Weise. Bei Ladezeit-Schlusslichtern Amazon mit 4,04 Sekunden und Zalando mit 3,82 Sekunden ist es hingegen genau umgekehrt.

Zalando.de ist mit einer Ladezeit von 7,74 Sekunden und einer Varianz von 10,79 Sekunden mit Abstand klarer Verlierer. Doch das lag nicht etwa an der Wahl des Internetbrowsers, stellte der Compuware-Experte fest, sondern an der Test-Stadt: Die Messungen über den Düsseldorfer Messpunkt zogen das Zalando-Gesamtergebnis deutlich nach unten.

"Zalando wie auch andere Händler versorgen ihre Webshops nicht unbedingt vollständig selbst aus einem zentralen Rechenzentrum heraus, sondern dezentral über andere, sogenannte Content Delivery Networks. Das führt in der Regel dazu, dass sich die Seiten schneller aufbauen, als wenn der Kunde klickt und die Anfrage beispielsweise von Hamburg erst nach Frankfurt und die angeforderten Inhalte dann zurück nach Hamburg geschickt werden", erläutert Brutscher. "Somit ist aber auch die regionale Leistungsfähigkeit recht unterschiedlich, denn jeder eingesetzte Server kann Probleme machen."

Zalando: Schneckentempo in Düsseldorf


Ausgerechnet in der Modestadt Düsseldorf passierte offenbar Zalando genau das: Dort gab es über einen längeren Zeitraum Verbindungsprobleme über Facebook, sodass die darüber angeforderten Seiten bisweilen rund 35 Sekunden für den Aufbau benötigten. Ein "echter" Kunde hat da vermutlich längst weggeklickt.

Der Vergleichbarkeit halber nahm der Studienleiter den Knotenpunkt Düsseldorf aus dem Test heraus. Doch: "Die Grundaussage bleibt die gleiche. Zalando ist eine der langsamsten Seiten, aber wenn sie sich aufgebaut hat, hochverfügbar", so Brutscher. Dass bei den Ergebnissen ohne Düsseldorf (siehe Grafik) auch Amazon auffällig große Schwankungen bei der Varianz hat, erklärt er sich damit, dass der weltgrößte Onlinehändler viele kleinteilige Produktangebote auf der ersten Seite platziert.

Dass die Größe der Internetseite allerdings nicht unbedingt für die Geschwindigkeit entscheidend ist, zeigt wiederum der Vergleich der Webshops von Karstadt und Otto. Der Teil, den der Kunde zunächst sieht, ist bei den Händlern ziemlich ähnlich: Beide nutzen große Aufmacherbilder und darunter kleinere Produktbilder oder Rubriken. Doch wenn man auf in der sogenannten Bildlaufleiste der Seite weiter nach unten geht (scrollt), sieht man die Größenunterschiede - Karstadt.de ist länger und bilderreicher. In Bytes ausgedrückt ist die Seite Karstadt.de, die in 1,9 Sekunden geladen ist, mit 1.884 Kilobyte gut drei Mal größer als die 607-Kilobyte-Seite Otto.de, die sich in 2,42 Sekunden lädt.

"Der Webshop von Otto ist reduziert, aber langsamer, der von Karstadt überladen, aber trotzdem schneller", so das Fazit von Butschke. "Wenn Geschwindigkeitssieger Karstadt seinen Webshop weiter optimiert, wird er vermutlich noch schneller." Wenigstens die Performance der Website des Warenhauskonzerns ist also top.

So wurde gemessen:


Im Analysezeitraum vom 12. August bis 9. September 2013 hat der Softwarehersteller Compuware mit stationären PCs in Berlin, Frankfurt, Hamburg und München auf Rechnern von Endanwendern regelmäßig über den Tag verteilt die Startseiten der nebenstehenden Webshops aufgerufen. Dazu wurden jeweils die Internetbrowser Firefox und Internet Explorer genutzt. Gemessen wurden die Ladezeit, die Verfügbarkeit und die Varianz des Seitenaufbaus der Modehändler.

Sybille Wilhelm

Dieser Artikel ist in der Oktober-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel erschienen. Zum kostenfreien Probeexemplar geht es hier.

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