Technik & Web

E-PAYMENT | 03.10.2012

Onlinehändler schätzen Vielfalt an der Kasse

Onlineshops passen die Bezahloptionen an der virtuellen Kasse immer wieder an. Neue ­Verfahren werden rasch integriert, um die Kunden nicht zu verprellen.

Onlinehändler passen die Bezahloptionen immer wieder an.

Onlinehändler passen die Bezahloptionen immer wieder an.

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An der Kasse wird es kritisch. Nicht erst seit der Einführung der "Button"-Lösung entscheidet der letzte Klick, ob der Besuch im Webshop auch mit einem Kaufabschluss beendet wird und der Rubel rollt.

Die Auswahl der Bezahllösungen ist daher ein entscheidendes Erfolgskriterium im E-Commerce. Händler sind sich dessen bewusst und überprüfen ihr Portfolio an Zahlungsoptionen regelmäßig nach Akzeptanz und Effizienz. Nur 40 Prozent der Onlinehändler haben in den vergangenen zwei Jahren keine Veränderungen bei den Zahlungsverfahren durchgeführt. Das zeigt eine Umfrage des Forschungsinstituts ibi research.

"Wenn neue Zahlungsverfahren hinzugenommen wurden, handelte es sich häufig um PayPal, Sofortüberweisung.de und den Kauf auf Rechnung in Zusammenarbeit mit einem Dienstleister", erläutert Georg Wittmann, Projektleiter bei ibi research.

Der Kauf auf Rechnung im Onlineshop


Um den bei Kunden beliebten Rechnungskauf für den Händler abzusichern, treten inzwischen eine ganze Reihe spezialisierte Dienstleister mit unterschiedlichem Hintergrund an. Sie heißen Klarna, Billsafe, Paymorrow, Ratepay oder Billpay. Und gehören mal zum Otto Konzern (Ratepay) oder zu PayPal (Billsafe), sind unabhängig (Paymorrow) oder Teil einer Unternehmensgruppe, die bereits in anderen Ländern in diesem Geschäftsfeld aktiv ist (Klarna).

Freilich ist der Bonitätscheck im Eigenbau, beispielsweise durch die Implementierung von Schnittstellen zu den herkömmlichen Auskunfteien oder die Auswertung der eigenen Kunden­datei, kostengünstiger. Die Einbindung eines externen Spezialisten ist jedoch einfacher, sagt sich eine immer größer werdende Schar von Onlinehändlern. Allerdings müssen Shops, die den Rechnungskauf einführen, in der Regel mit einem erhöhten Retourenaufkommen rechnen, wie die Praxis immer wieder zeigt.

Sofortüberweisung.de etabliert sich zunehmend als Bezahlangebot


Grafik: Christel Klein; Quelle ibi research

Vielfalt an der virtuellen Kasse.

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Mittlerweile 25.000 Internetshops setzen nach Unternehmensangaben auf die Dienste von Sofortüberweisung.de, das sich damit zum zweitgrößten Internetzahlverfahren im Schatten von PayPal entwickelt. "Händler lieben uns", freut sich Marketingvorstand ­Georg Schardt über den wachsenden Zuspruch. "Wir sind für die Händler ein sicheres, schnelles und kostengünstiges Verfahren."

Die Kreditwirtschaft freute sich bislang weniger über den Erfolg des Onlineüberweisungsverfahrens, das auf ihrer Zahlungsverkehrsinfrastruktur aufsetzt und mit PIN und TAN aus dem Onlinebanking arbeitet. Sogar Gerichtsverfahren strengten die Banken an, um die missliebige Konkurrenz ihres eigenen Onlineüberweisungsverfahrens Giropay zu unterbinden. Dies rief jedoch das Bundeskartellamt auf den Plan, und seither herrscht Waffenstillstand vor Gericht.

"Unser Verhältnis zu den Banken entspannt sich zusehends", betont Schardt im Gespräch mit Der Handel. "Die Banken erkennen, dass ihre wirklichen Gegner eher im Lager von PayPal oder mobilen Wallet-Lösungen zu suchen sind." Während der Zahlungsverkehr bei Sofortüberweisung.de über die Konten der Banken laufe, drohe die Kreditwirtschaft bei anderen Anbietern die Hoheit über den Liquiditätsfluss gänzlich zu verlieren.

Rund 1,5 Millionen Zahlungen wickelt das Unternehmen mit Sitz in Gauting für Shops wie redcoon, Conrad Electronic oder Flyeralarm ab. Zielmarke für dieses Jahr ist ein Transaktionsvolumen von 1,5 Milliarden Euro, was eine Steigerung von 50 Prozent im Jahresvergleich bedeuten würde. In acht Ländern ist Sofortüberweisung.de derzeit aktiv, Ende 2013 will man laut Schardt "in allen relevanten Euro-Märkte und den großen europäischen Nicht-Euro-Märkten" vertreten sein.

Die Konkurrenz von sofortüberweisung.de, das von Sparkassen, Volks- und Raiffeisen sowie der Postbank getragen giropay, spielte aufgrund höherer Gebühren und des begrenzten Nutzerkreises bislang eine untergeordnete Rolle im E-Paymentmarkt. Mit geänderten Entgeltstrukturen und der Giro Solutions als spezialisiertem Acquirer soll nun aber Boden gut gemacht werden. Als neuer Bankpartner konnte jüngst die Direktbank Comdirect hinzugewonnen werden, deren Kunden das Onlineüberweisungs-Verfahren nun ebenfalls offen steht.

Wie das Bargeld ins Internet kommt


Die Hauptmotivation für Händler, neue Zahlverfahren in ihr Checkout-Portfolio aufzunehmen, ist die Verbreitung und die Nachfrage durch Kunden, wie aus der Umfrage von ibi research hervorgeht. Erst an dritter Stelle steht der Schutz vor Zahlungsausfällen.

Auf ein erhöhtes Interesse bei den Kunden könnte eine neuartige Bezahlart für das Internet stoßen, die im stationären Handel noch immer der Marktführer ist: das Barzahlen.

Neben der herkömmlichen, teuren Nachnahmen bieten zwei neue Dienstleister Onlineshops die Möglichkeit, an der virtuellen Kasse bar zu kassieren. Der Anbieter Barzahlen.com sorgte bislang in erster Linie durch seinen Beirat, dem namhafte Internetgrößen angehören, sowie durch den schillernden AWD-Gründer Carsten Marschmeyer als Kapitalgeber für Aufsehen.

Der Konkurrent Barpay verfügt über eine Kooperation mit dem Großhändler Lekkerland nach eigenen Angaben bereits über ein Netzwerk von mehr als 18.000 stationären Verkaufsstellen - insbesondere Tankstellen und Kiosken - an denen der Onlinekunde seine Einkäufe bar bezahlen kann. Rund 30 Shops nutzten das in diesem Sommer gestartete Zahlverfahren BarPay bereits unter anderen der Shop von Bild.de.

Hanno Bender

Dieser Artikel wurde im Sonderheft Online Handel (2/2012) des Wirtschaftsmagazins Der Handel veröffentlich und stellenweise aktualisiert. Ein kostenfreies Probeexemplar von Der Handel erhalten Sie hier.

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