Technik & Web

E-PAYMENT | 06.04.2012

PayPal: "Wir wollen in allen Branchen präsent sein"

Die Redaktion von derhandel.de sprach mit Arnulf Keese, Deutschlandchef von PayPal, über die Expansionsstrategie des Zahlungsdienstleisters, mobile Payment und die Zauberformel "demand generation".

Foto: PayPal

"Wir sind flexibel", Arnulf Kesse, Geschäftsführer der PayPal Deutschland.

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Im vergangenen Jahr haben Sie angekündigt, dass PayPal an den Point of Sale (POS) will. Wie weit sind Sie gekommen?

Wir sind im März in den USA, Canada, Australien und Hongkong mit "PayPal Here" gestartet, um kleinen Händlern die Kartenakzeptanz per Smartphone zu ermöglichen. In Deutschland gibt es mit dem Apple-Händler mStore in Berlin eine erste Lösung für den POS auf Basis von QR-Codes. In Kürze werden mehrere namhafte Händler diese Lösung in Deutschland an der Ladenkasse pilotieren.

PayPal experimentiert bei der mobilen Zahlung mit QR- und Barcodes, Karten und numerischen Autorisierungen. Andere schwören auf die NFC-Technologie. Welche Technik wird sich durchsetzen?
Es werden aktuell viele Ideen im Markt ausprobiert. Niemand kann sagen, was sich durchsetzen wird. Der QR-Code hat für den Handel den Vorteil, dass er im Schaufenster, in Prospekten oder auf dem Kassenterminal abgebildet werden kann. Und für den Verbraucher ist das Einscannen fast schon ein gelerntes Prinzip. Wir sind da flexibel und probieren alles aus. Auch NFC oder die Autorisierung per Handynummer und PIN haben ihre Vorteile. Letzteres praktizieren wir bereits mit Home Depot in den USA, in Deutschland wird es hierzu noch in diesem Jahr einen Praxistest geben. Am Ende setzen sich die Verfahren und Anbieter durch, die Kunden und Händlern den meisten Nutzen bringen.

In welchen Branchen des stationären Handels wollen Sie aktiv werden - etwa auch im Lebensmittelhandel, der bekanntlich in Deutschland sehr dünne Margen hat?
Grundsätzlich wollen wir in allen Branchen präsent sein, das ist unser strategischer Ansatz. Zahlungsverkehrsanbieter, die sich in einer Nische bewegen, bleiben dort auch verhaftet, weil der Kunde sich merkt, dass sie nur für spezielle Anwendungen genutzt werden können. Wir sind heute online in allen Branchen aktiv und wollen auch offline in allen Branchen vertreten sein. Ich gebe ihnen aber recht, die Probleme, die dabei zu lösen sind, sind ganz anderer Natur.

Will PayPal im stationären Handel denn die gleichen Gebühren wie im Onlinehandel realisieren?
Wir werden nicht in einen Preiswettbewerb eintreten. Es ist auch nicht unser Ziel, ein herkömmliches Zahlungsverfahren zu ersetzen. Wir wollen dem stationären Handel zusätzliche Services und Umsätze erschließen, die unseren Preis rechtfertigen - so sind wir auch im E-Commerce erfolgreich. Das Zusammenspiel zwischen Online- und Offlinehandel mit den mobilen Endgeräten des Kunden eröffnet eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung, zu neuen Services oder zur Bedarfsweckung. Auch hier können wir noch gar nicht absehen, welche Angebote die Kunden wirklich nutzen werden, wir wollen aber das Innovationstempo mitgehen. Händler, die sich dieser Herausforderungen ihrerseits stellen, werden Wettbewerbsvorteile haben.

Können Sie die "neuen Möglichkeiten" mit einem Beispiel konkretisieren?
Jeder Händler hat ein anderes Problem zu lösen und unterschiedliche Zielgrößen im Kopf. Home Depot etwa will die Verweildauer in den Baumärkten verkürzen und den Kunden die Orientierung erleichtern. Hierbei kann die Instore-Navigation per Handy helfen. Pizza Express in Großbritannien arbeitet dagegen mit uns zusammen, weil sie die Durchlaufgeschwindigkeit erhöhen wollen. Die Kunden können ihre Pizza auf dem Handy vorbestellen und direkt bezahlen. Wenn ein Supermarkt seinen Kunden Self-Scanning anbietet, ist die Bezahlung mit dem Handy nur konsequent. Der stationäre Handel kann und will das Internet nutzen, um Frequenz und Umsätze in den Laden zu holen, darauf beruht der Erfolg von Unternehmen wie Groupon. Auch wir sehen hier viele Ansatzpunkte für demand generation - etwa indem wir lokale Inventarbestände online für den Kunden sichtbar machen.

Vor rund einem Jahr wurden die Apps für das mobile Bezahlen mit PayPal freigeschaltet. Wie sind die Erfahrungen, gibt es M-Commerce tatsächlich?
Gut die Hälfte unserer Händlerbasis erzielt Umsätze auf dem mobilen Kanal. Die Händler wissen dies oft selbst nicht, das findet einfach statt. Kunden surfen per Smartphone im Webshop und nutzen PayPal Express-Check-Out, damit sie nicht mühselig Kontoverbindung oder Kreditkartennummern eintippen müssen. Rund fünf Prozent der Umsätze von PayPal Deutschland werden bereits über mobil erlöst. Weltweit erwarten wir in diesem Jahr mobile Umsätze in Höhe von sieben Milliarden US-Dollar, im vergangenen Jahr waren es vier Milliarden US-Dollar.

Interview: Hanno Bender

Zur Person:
Arnulf Keese sammelte Erfahrungen bei AOL Deutschland, QLX ­ricardo und dem Zahlungsdienstleister ­giropay, bevor er 2006 zur eBay-Tochter PayPal kam. Im März 2011 übernahm Keese die Geschäftsführung von PayPal Deutschland. Der Internet-­Zahlungsdienstleister hat in Deutschland nach eigenen ­Angaben rund 16 Millionen Nutzer. Weltweit ist PayPal nach eigenen Angaben in 190 Ländern aktiv, mit mehr als 100 Millionen Kundenkonten. Die Konzernmutter eBay investierte 2011 laut Geschäftsbericht rund 1 Milliarden US-Dollar in Innovationen.

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