Donnerstag 09.02.2012

Technik & Web

JUBILÄUM | 22.06.2010

Ein Faulpelz, der das mechanische Gehirn erfand

Der Erfinder des Computers wäre heute 100 Jahre alt geworden. Das Deutsche Museum widmet dem Technikpionier Konrad Zuse eine Sonderausstellung. Mehr Fakten, weniger Legende, ist der Anspruch.

Foto: Deutsches Museum

Konrad Zuse vor dem ersten Computer der Welt, der Z3

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Faulheit ist doch manchmal für etwas gut: Weil dem Ingenieur Konrad Zuse die statischen Berechnungen im Bauingenieurwesen zu monoton und mühselig waren, kam er auf die Idee, diese zu automatisieren. In seinem Tagebuch notierte er im Juni 1937: "Seit etwa einem Jahr beschäftige ich mich mit dem Gedanken des mechanischen Gehirns."
 
1941 baute Zuse dann die legendäre Z3, die heute als erster funktionstüchtiger Computer der Welt gilt: Ein vollautomatischer, in binärer Gleitkommarechnung arbeitender Rechner mit einem Speicher und einer Zentralrecheneinheit aus einem Telefonrelais, auf dem Berechnungen programmiert werden konnten. 

Sonderaussstellung in München


Am heutigen Dienstag, den 22. Juni, wäre der 1995 verstorbene Erfinder 100 Jahre alt geworden. Noch bis zum 22. August dieses Jahres widmet ihm das Deutsche Museum in München eine Sonderausstellung: Anhand ausgewählter Originaldokumente gibt die Schau erstmals einen umfassenden Einblick in den Lebensweg und das Wirken des Computerpioniers, Unternehmers und Künstlers Zuse.

Neben den wichtigsten Rechenanlagen Zuses besitzt das Museum seit einigen Jahren nämlich auch seinen umfangreichen schriftlichen Nachlass. Der SAP-Mitgründer Klaus Tschira hatte ihn der Familie Zuse abgekauft und dem Museum mit der Auflage übergeben, den Nachlass wissenschaftlich aufzuarbeiten.

26 Regalmeter Dokumente


Nun warten rund 26 Regalmeter Dokumente auf die Bearbeitung durch die Historiker - und könnten mit der von Zuse selbst begonnenen Legendenbildung rund um sein Leben und seine Erfindungen brechen: Die bisherige Darstellung seines Lebensweges ist stark von seiner 1968 geschriebenen Autobiografie geprägt.

"Die Sonderausstellung zeichnet anhand von Originaldokumenten aus dem Nachlass den Lebensweg und das Schaffen Zuses nach. Dokumente und Zeichnungen erläutern seine ersten Rechner und sein Wirken als Unternehmer nach dem Krieg", sagt Wilhelm Füßl, Leiter des Archivs des Deutschen Museums. "Aber auch seine Stellung im Nationalsozialismus wird kritisch untersucht."

In anderen Dokumenten trete die Person Zuse anschaulich vor Augen. Beispielsweise in den Zeichnungen und Zeugnissen des Schülers sowie durch ein Blatt Papier, auf dem der Vater in den unmittelbaren Nachkriegsjahren den Gesundheitszustand seiner Kinder schriftlich festhält.

Maschinen auch in München


"Konrad Zuse gilt als einer der Erfinder des Computers und als Schöpfer der ersten höheren Programmiersprache. Seine wichtigsten Maschinen stehen heute bei uns in der Abteilung Informatik", freut sich Professor Wolfgang M. Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums. Mit seinen Rechenautomaten Z3 und Z4 baute er noch vor 1945 die frühesten frei programmierbaren programmgesteuerten Rechner im binären Zahlensystem mit Gleitkommarechnung.

Trotz erheblicher Verluste im Zweiten Weltkrieg hätten sich im Nachlass Zuses, der heute im Archiv des Deutschen Museums aufbewahrt wird, die zentralen Dokumente zu den vielfältigen Aktivitäten Konrad Zuses erhalten, betont der Museumsleiter.

Das Archiv


Das Archiv des Deutschen Museums zählt zu einem der bedeutendsten Spezialarchiven zur Geschichte der Naturwissenschaft und der Technik. Ein Schwerpunkt beschäftigt sich mit der Sammlung historischer Dokumente zur Rechentechnik und Informatik.

Sybille Wilhelm

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