Technik & Web

FACEBOOK-WERBUNG | 17.05.2012

Wie wirkungsvoll ist Werbung auf Facebook?

Die Diskussion um die Wirkung von Anzeigen in sozialen Netzwerken ist voll entbrannt. Angaben über Hobbys oder Musikgeschmack garantieren keine gelungenen Anzeigen, warnen Experten.

Facebook-Firmenschild: Was sind Werbekampagnen in sozialen Netzwerken wert? Foto: Facebook

Facebook-Firmenschild: Was sind Werbekampagnen in sozialen Netzwerken wert? Foto: Facebook

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Facebook gilt als "El Dorado" für die Werbewirtschaft, doch an dem Modell regen sich nun Zweifel. Die Plattform lockt zwar mit 901 Millionen Mitgliedern und unzähligen Details über deren Leben, Interessen und Vorlieben. Aber das bedeutet noch nicht automatisch bessere Bedingungen für Werbung.

Nach Angaben von Branchenkennern haben sich schon manche Firmen enttäuscht von Facebook abgewendet, weil der erhoffe Werbeeffekt ausblieb. So erklärte etwa Zooplus-Chef Cornelius Patt auf dem Deutschen Online-Handelskongress in Frankfurt, Facebook-Werbung mache sich aus seiner Sicht  nicht bezahlt.

Im vergangenen Jahr hat Facebook nach eigenen Angaben 85 Prozent seines Geldes mit Werbung verdient. Bald soll das Unternehmen an die Börse gehen. Daher wird das Modell derzeit besonders genau unter die Lupe genommen.

Lieber chatten als Werbung gucken


In sozialen Netzwerken wollen die Menschen offenbar viel lieber mit Freunden und Gleichgesinnten chatten als auf Werbung klicken.

Die Nutzer sind nicht so empfänglich für Werbung, sagt der Mitgründer des Berliner Unternehmens madvertise, Carsten Frien. Suchmaschinen wie Google seien hier im Vorteil - "weil der Kunde zu Google geht, um etwas zu suchen und dann auch eher bereit ist, auf die Werbung zu klicken."

Bei Facebook wollten die Nutzer sich hingegen in erster Linie mit Freunden austauschen. "Das ist ein echtes Risiko im Facebook-Geschäftsmodell", so Frien.

Dabei klingt das Prinzip von Facebook einleuchtend. Anzeigen lassen sich gezielt auf potenzielle Kunden ausrichten, wirbt Facebook auf seiner Seite. Wie viele der Nutzer aber auf eine Anzeige klicken, bleibt offen. Aktuelle Zahlen zu Klickraten von Werbung werden nicht rausgegeben.

Mund-Propaganda im Web


„Bei Facebook wird der Zielgruppe ungefragt Werbung vorgehalten", sagt der Geschäftsführer der Internet-Agentur Youcom, Manuel Mattern. "Penetrante und plakative Werbung funktioniert nicht auf Facebook." Um erfolgreich zu sein, müssten Unternehmen ihre Kampagnen auf Facebook gut betreuen.

Große Unternehmen könnten damit auch gute Erfolge erzielen. Aber nicht für alle lohne der Einsatz: "Für kleine Unternehmen ist es nicht sinnvoll, so einen Aufwand zu betreiben", sagt Werbeexperte Mattern.

Facebook hat noch einen Trumpf im Ärmel: Sozialer Kontext. "Wir sind der Überzeugung, dass die Empfehlungen von Freunden einen starken Einfluss auf Interessen und Kaufentscheidungen haben", schreibt Facebook in seinem Börsenprospekt.

Mund-Propaganda soll auf das Internet übertragen werden. Und genau dafür biete Facebook die richtige Plattform - eine Funktion, mit der Suchmaschinen kaum aufwarten können.

Ganz so einfach ist es jedoch nicht, denn Nutzer können sich auf Facebook auch gegen ein Unternehmen wenden. Das mussten schon einige deutsche Firmen erfahren.

Beispielsweise wollte die Deutsche Bahn im Oktober 2010 Nutzer mit einem Sparangebot auf ihre Facebook-Seite locken, erntete aber massenhaft Kommentare mit Ärger über verspätete Züge.

Mobiles Werbegeschäft im Visier


Auch auf einen anderen Bereich richten sich die Blicke vieler Unternehmen vor dem Börsengang: Anzeigen auf Smartphones und Tablets. Bislang verschont Facebook seine mobilen Nutzer mit Werbung.
488 Millionen Mitglieder nutzen die Plattform schon jetzt mobil, wie Facebook in seinem Börsenprospekt schreibt. Und genau auf sie schielen viele Werbefachleute. Der Grund: "In Sozialen Netzwerken sind die Klickraten sehr niedrig - beim mobilen Werben sind sie sehr viel höher", sagt Frien.

Besonders interessant sei Werbung, die auf den Ort der Kunden zugeschnitten sei, betont Frien. Anzeigen könnten die Nutzer direkt ansprechen, beispielsweise mit einem Hinweis auf das Sonderangebot vom Café nebenan. Genau dafür biete Facebook schon jetzt die richtige Technik. Es sei kein besonders großer Schritt, das auch für Werbung zu nutzen.

Frien prognostiziert: "Das wird jetzt nicht noch ein halbes Jahr dauern." Facebook schweigt jedoch darüber, ob und wann mobile Werbung zum Einsatz kommen soll.

dpa / DH

Diskutieren sie mit - auf dem E-Commerce-Blog etailment.de: Im Tal der Tränen - der Irrtum mit der Facebook-Werbung.

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