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KREDITKARTEN | 24.01.2013

Visa-Chef: "Mobile Payment gehört die Zukunft"

Visa-Deutschlandchef Ottmar Bloching im Interview mit derhandel.de über Mobile Payment, die Wallet-Lösung V.me und die Interchange-Diskussion.

Foto: Visa

Visa-Deutschlandchef Ottmar Bloching im Interview.

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Wie sind Sie mit dem Verlauf des abgelaufenen Geschäftsjahres zufrieden?

2012 war für Visa Europe ein gutes Jahr, wir sind trotz des schwierigen Marktumfelds gewachsen. Europaweit wird mittlerweile jeder 7. Euro mit Visa bezahlt. Wir konnten unseren Marktanteil ausbauen und bei der Anzahl der Karten, den Transaktionen und bei den Umsätzen im Handel weiter zulegen. Unser größter Wachstumstreiber ist der Bereich E-Commerce. Im vergangenen Jahr wurden europaweit Zahlungen mit einem Volumen von 200 Milliarden Euro im Internet abgewickelt. Auch in Deutschland wuchsen die Umsätze mit Visakarten im Netz um 16 Prozent. Nach Großbritannien ist die Bundesrepublik der zweitgrößte Internetmarkt für Visa Europe. Zufrieden sind wir auch mit der Ergebnisentwicklung: zum zweiten Mal konnten wir mehr als 1 Milliarde Euro einnehmen. Wenn Sie diese Summe aber in Relation setzten zu den mit Visa abgewickelten Umsätzen von 1,9 Billionen Euro sehen Sie, dass wir gar nicht so teuer sind, wie immer behauptet wird.

Das sieht die EU-Kommission offenbar anders, sie will die Interchange-Gebühren noch in diesem Frühjahr regulieren. Das EU-Parlament fordert, die Interbankentgelte sogar gänzlich abzuschaffen...
Sie werden Verständnis dafür haben, dass ich die Absichten und Vorhaben von Kommission und Parlament nicht kommentieren kann. Wir werden Ende Januar gegenüber der EU-Kommission eine Stellungnahme zu den Beschwerdepunkten abgeben, die an uns gerichtet wurden. Dem will ich nicht vorgreifen. Wir sind an einem konstruktiven Dialog mit der Kommission und an einer verträglichen Lösung für alle Beteiligten interessiert - und arbeiten daran. Unsere Herausforderung ist der Balanceakt für die kartenausgebenden Banken, die Verbraucher und die kartenakzeptierenden Händler attraktiv zu sein. Das gelingt uns wie die Zahlen zeigen, ganz gut, elektronisches Bezahlen ist weiter auf dem Vormarsch.

Auf dem Vormarsch sind auch unzählige Akteure, die das Bezahlen mit dem Smartphone ermöglichen wollen. Wie ist Visa diesbezüglich aufgestellt?
Man muss niemanden mehr davon überzeugen, dass dem mobilen Bezahlen die Zukunft gehört. Voraussetzung dafür ist die kontaktlose Infrastruktur auf Basis der Near Field Communication Technologie (NFC). Europaweit wurden inzwischen 50 Millionen NFC-fähige Visakarten herausgegeben und die Transaktionen haben sich im vergangenen Jahr vervierfacht. In Deutschland haben wir 500.000 payWave-Karten im Markt und Zusagen für 1,5 Millionen weitere in diesem Jahr. Banken und auch der Handel sind auf einem guten Weg, eine breite NFC-Infrastruktur zu schaffen, die es den Kunden ermöglicht, mit dem Smartphone oder der Kreditkarte im Vorbeigehen an der Ladenkasse zu bezahlen. Die Douglas Holding und die Star-Tankstellen sind bereits dabei, die payWave-Akzeptanz in ihren Filialen einzuführen, und es gibt zahlreiche Piloten wie etwa bei der Bäckereikette Kamps. Was uns noch Bauchschmerzen bereitet, ist die geringe Anzahl der in Deutschland zugelassenen NFC-Terminals. Visa Europe hat inzwischen mehr als 70 Lesegeräte zertifiziert, doch in Deutschland sind erst drei Terminaltypen von der Kreditwirtschaft für payWave zugelassen - das ist zu wenig.

Neben der NFC-Technik setzt Visa auch auf eine digitale Geldbörse mit Namen „V.me". Was verbirgt sich dahinter?
Das Smartphone kann zum Bezahlen auf zwei Wegen eingesetzt werden: Wenn der Verbraucher mit dem Smartphone am POS einkauft, dann ist der Chip im Handy das Sicherheitselement - entsprechend dem EMV-Chip auf der herkömmlichen Karte. Sobald das Handy jedoch für Einkäufe im oder via Internet genutzt wird, ist das Smartphone lediglich der Browser, mit dem auf eine Sicherheitsinfrastruktur im Netz zugegriffen wird. Für diese zweite Variante hat Visa V.me als „digitales Wallet" entwickelt. Der Kunde registriert sich dazu einmalig mit seinen Kartendaten, vergibt einen Benutzername und ein Passwort und kann mit diesen Zugangsdaten dann künftig überall im Netz oder am POS bezahlen, wo V.me akzeptiert wird.

Was unterscheidet V.me von PayPal und anderen Wallet-Lösungen?
Wir wollen dem Kunden das Bezahlen noch einfacher und bequemer machen. Onlinehändler zeigen sich an dieser Lösung sehr interessiert und versprechen sich geringere Abbruchquoten. Im Gegensatz zu Wettbewerbern bleibt der Händler bei der Bezahlung immer im Vordergrund und verschwindet nicht von der Bildfläche. Wir sind mit V.me bereits in Spanien, Frankreich und England aktiv und starten dieses Jahr in Irland und Polen. In Deutschland werden wir 2014/15 mit V.me live gehen.

Sind Sie damit nicht viel zu spät am Markt?
Davon gehe ich nicht aus. Der Mehrwert, den Visa mitbringt, ist unser Distributionsnetz - und zwar auf beiden Seiten des Marktes. Für die Banken ist wichtig, dass 75 Prozent aller deutschen Onlinehändler einen Visa-Akzeptanzvertrag besitzen. Vorteil für Händler ist, dass unsere Banken über eine Kundenbasis verfügen, die nicht erst akquiriert werden muss.

Mit iZettle, Payleven, Streetpay, SumUp & Co. drängt eine Vielzahl von Anbietern in den Markt, um eine Kartenakzeptanz mit dem Handy zu ermöglichen. Wie bewertet Visa diese Lösungen?
Eine breitere Akzeptanzbasis ist natürlich in unserem Interesse und wird auch von uns unterstützt. Für Handwerker und Betriebe mit wenigen Transaktionen muss es eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung für die Kreditkartenakzeptanz geben. Aus unserer Sicht müssen dabei aber zwei Voraussetzungen zwingend erfüllt sein: Wo Visa draufsteht, muss auch Visa drin sein - dass heißt, es müssen auch alle Visa-Karten akzeptiert werden, damit der Konsument nicht verunsichert wird. Und es darf keine Zweiklassengesellschaft beim Thema Sicherheit geben. Alle Anforderungen, die etwa an einen Supermarkt gestellt werden, müssen auch von den mobilen Akzeptanzmethoden erfüllt werden.

Interview: Hanno Bender

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