Technik & Web

M-PAYMENT | 19.04.2013

Edeka Fitterer testet das Bezahlen mit dem Handy

Exklusiv: In Baden-Baden können Edeka-Kunden ihre Einkäufe mit dem Smartphone bezahlen. Die dort pilotierte QR-Code-Lösung "GO4Q" steht auch anderen Händlern offen.

Foto: it-werke

Edeka-Fitterer: Per QR-Code zur mobilen Bezahlung.

+

Mobilfunkunternehmen, Kreditkartenanbieter, Banken und Internetgrößen wie PayPal und Google wollen am Zukunftsmarkt "mobile Payment" partizipieren. Doch trotz zahlreicher Ankündigungen und Allianzen hat es noch kein Anbieter in nennenswertem Umfang an die Ladenkassen geschafft.

Mit der Lösung "GO4Q" des Unternehmens it-werke tritt nun ein vergleichsweise kleiner, aber handelserfahrener Kandidat im Rennen um Zahlungslösungen für das Handy an die Startlinie. Und im Gegensatz zu den virtuellen Wallets der global Player kann mit der GO4Q-App bereits im deutschen Lebensmittelhandel bezahlt werden.

Edeka-Händler testet mobile Payment mit QR-Code-Lösung


Der Edeka-Händler Fitterer in Baden-Baden testet seit Neustem das Bezahlen mit dem Smartphone auf Basis von QR-Codes. "Wir wandeln den Kassenbon in einen Payment Code um", erklärt Inhaber Andreas Fitterer. "An der Kasse scannt der Kunde den GO4Q-Payment Code ein und autorisiert die Zahlung mit seiner persönlichen Sicherheits-PIN. Mehr ist nicht erforderlich", erläutert der selbstständige Edeka-Kaufmann, der insgesamt vier Supermärkte in der Region betreibt.

Die Lösung "GO4Q mobile shopping" wurde von der badischen Firma it-werke entwickelt, die bereits das Bezahlen mit dem Fingerabdruck bei rund 80 Edekanern und weiteren mittelständischen Händlern realisiert hat. Neben Fitterer setzt auch ein Textilhändler in Baden-Baden die händlerübergreifende Lösung ein. Weitere Handelsunternehmen und Edeka-Filialen sollen laut it-werke-Geschäftsführer Ulrich Kipper alsbald hinzukommen.

Einmalige Registrierung durch den Kunden erforderlich


Der Nutzer muss sich für GO4Q einmalig online registrieren und eine gewünschte Zahlart - Lastschrift, Kreditkarte oder Paypal - auswählen. Danach kann er bei jedem teilnehmenden Händler mit dem Smartphone bezahlen. An der Kasse wird dazu auf einem Display ein QR-Code erzeugt, der vom Handy des Kunden eingescannt wird. Im Anschluss wird die Bezahltransaktionen mit einer PIN autorisiert, die der Kunde frei wählen kann.

"Wir haben festgestellt, dass es schneller geht, wenn der Kunde den Code vom Display einscannt", erläutert Kipper im Gespräch mit derhandel.de. "Der gesamte Zahlprozess dauert 18 bis 20 Sekunden, wenn man im Umgang mir QR-Codes ein wenig Übung hat", sagt der Ingenieur, der weiß, dass es an der Supermarktkasse um Sekunden geht.

Die notwendigen Displays für die Anzeige des QR-Codes gehören bei vielen Edeka-Händlern bereits zur Standardkassenausrüstung. Darüber hinaus gibt es für kleinere Händler oder mobile Anwender wie Pizzaboten auch eine App (iOS und Android), um den Bezahlvorgang von Handy zu Handy oder von Handy zu Tablet abzuwickeln.

"Auf eine Darstellung der QR-Codes auf handelsüblichen Kartenterminals haben wir aus Sicherheitsgründen verzichtet", betont Kipper. Der GO4Q-Code enthalte über die bloßen Transaktionsdaten hinaus Details wie Zeitstempel und andere Sicherheitstools, die Hackern das Leben schwer machen sollen. Im Gegenzug allerdings eine komplexe Verpixelung erfordern. Für die mobile Bezahlung mit PayPal und Yapital gibt es vom IT-Dienstleister POSPartner eine technische Lösung, die die QR-Code Abbildung auch auf einem klassischen Kartenzahlungsterminal ermöglicht.

Kipper, der mit dem biometrischen Bezahlsystem "DigiProof" Erfahrungen an der Ladenkasse sammelte, legt bei seinem Konzept nach eigenen Angaben großen Wert auf die Datensicherheit: Alle relevanten Benutzer-, Konto- und Transaktionsdaten befinden sich ausschließlich im abgesicherten GO4Q-Rechenzentrum und werden erst dort zusammengeführt", versichert der it-werke-Geschäftsführer. "Auf dem Smartphone liegen keine sensiblen Daten".

Kosten zwischen Kreditkarten- und Girocard-Gebühren


Die Kosten für die Händler sollen sich laut Kipper zwischen Kreditkarten- und Girocard-Gebühren (0,3 Prozent vom Umsatz) bewegen. Auch für Händler genügt die einmalige Online-Registrierung, um GO4Q an der Kasse einsetzen zu können. "Wir wollten ein unkompliziertes Verfahren, das Verbrauchern und Handel gleichermaßen einen Mehrwert bietet und unmittelbar eingesetzt werden kann", sagt Kipper. "Da wir keine speziellen Handytypen oder NFC-Reader brauchen, ist GO4Q für Händler und Kunden sofort einsetzbar".

Die GO4Q-Codes können darüber hinaus auch in Schaufenstern oder Werbeanzeigen genutzt werden, um Produkte und Dienstleistungen online zu bestellen und zu bezahlen, wie man es vom PayPal-QR-Code-Shopping kennt.

Für die Edeka-Gruppe ist das Verfahren der it-werke bereits der dritte, parallele Ansatz, mobile Bezahlverfahren zu testen. Gemeinsam mit dem App-Entwickler Valuephone testet die Edeka Minden-Hannover in Berlin-Moabit und Strausberg das Bezahlen per Barcodescanning auf Basis von Lastschriften. Der zum größten deutschen Lebensmittelhändler gehörende Discounter Netto experimentiert darüber hinaus mit einer numerischen Autorisierung der mobilen Transaktion.

Auf dem EHI Kartenkongress kommende Woche in Bonn werden eine ganze Reihe von mobilen Zahlungslösungen aus Handelskreisen präsentiert. Das Rennen um den Zukunftsmarkt "mobile Payment" bleibt spannend.

Hanno Bender

Lesen Sie in der kommenden Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel welche Innovationen an der Ladenkasse relevant sind bei Bargeld, Kartenzahlung und im mobile Payment. In der Mai-Ausgabe beleuchten wir die aktuellen Trends beim Bezahlen im Handel von der Automatisierung des Bargeldhandlings über die Verhandlung der Girocard-Gebühren bis hin zu händlereigenen (mobilen) Bezahllösungen. Zum kostenfreien Probeexemplar geht es hier.

Anzeige

 


Diesen Artikel verlinken:
Twitter Facebook
LinkedIn

Impressum | Datenschutz | Kontakt

Copyright: Deutscher Fachverlag GmbH; Anregungen & Kommentare an info@derhandel.de
Credits: Konzept & Layout SamArt Gbr
Credits: Konzept, Projektmanagement, Programmierung und technische Realisation dfv Internet-Service

Twitter

Anzeige

 

Anzeige

 

Printausgabe

Der Handel 07-08/2016

Das führende Wirtschaftsmagazin für Handelsunternehmer

zum Inhalt »
Infos zum Abo »

 

Weiterbilden. Netzwerken. Horizont Erweitern




Management-Kurse mit Hochschulzertifikat - praxisnah, auf wissenschaftlichem Qualitätsniveau

Zum Kursangebot »



Das Premium-Seminar zu aktuellen Themen der Branche - mit Hochschulzertifikat

Mehr Informationen »