Technik & Web

UE-BRANCHE | 29.08.2012

Markt für Unterhaltungselektronik schwächelt

Die europäischen Konsumenten gaben im 1. Halbjahr 2012 weniger Geld für Unterhaltungselektronik und Fotoartikel aus. Nur die Deutschen zeigen sich krisenfest und ausgabefreudig, so die GfK. 

Foto: IFA / Internationale Funkausstellung

Ab Freitag zeigt die Branche auf der IFA in Berlin ihre Neuigkeiten

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Die Konsumenten in den sechs großen westeuropäischen Ländern Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande und Spanien investieren laut GfK im ersten Halbjahr 2012 weniger Geld in Unterhaltungselektronik, meldet das Konsumforschungsunternehmen GfK. Der Umsatz lag demnach zehn Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Einzige Ausnahme ist demnach Deutschland: Hier setzten Händler insgesamt 8,5 Prozent mehr mit Fernsehern & Co um.

Trotz der Fußball-Europameisterschaft gaben die Westeuropäer insgesamt 9 Prozent weniger Geld für Fernseher aus als im ersten Halbjahr 2011. Einen deutlichen Schub hat die EM mit einem Umsatzplus von 14 Prozent einzig dem deutschen TV-Markt verliehen. Jedoch stieg in allen sechs Ländern jeweils kurz vor Beginn die Nachfrage merklich an. Als Grund nennen die GfK-Forscher zahlreiche günstige Angebote, die das Geschäft ankurbelten.

Der TV-Gerätetrend geht demnach zu größeren Formaten und besseren Ausstattung, allerdings wird der größte Umsatz (22 Prozent) weiterhin mit 32-Zoll-Geräten erzielt. Sehr gefragt waren in den ersten sechs Monaten zudem internetfähige Fernseher, deren Umsatz um 31 Prozent auf 4,13 Milliarden Euro stieg. Das gleiche gilt für 3D-Fernseher, auf die bereits rund 39 Prozent aller Umsätze entfallen. Die GfK prognostiziert für das Jahr 2012 in Westeuropa 38 Millionen verkaufte Fernseher, allein gut 10 Millionen davon in Deutschland.

Weniger DVD- und Blu-ray-Player


Der Markt für DVD- und Blu-ray-Player und -Recorder ist in Westeuropa im ersten Halbjahr 2012 zurückgegangen. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist das Minus in Deutschland mit 8 Prozent eher gering, während die Umsätze in Spanien und Italien mit jeweils rund 30 Prozent einbrachen. Die Konsumenten kaufen demnach statt DVD-Playern mittlerweile lieber Blu-ray-Geräte: Am stärksten nahmen die Verkäufe in Deutschland mit einem Plus von 42 Prozent zu, insgesamt waren es der Studie zufolge in den sechs untersuchten westeuropäischen Ländern 25 Prozent mehr verkaufte Geräte. Allerdings seien die Umsätze der Händler auf Grund sinkender Preise lediglich um 6 Prozent gestiegen.

Einen leichten Umsatzrückgang von 3,6 Prozent mussten hingegen Hifi- und Home-Theatre-Produkte hinnehmen. Eine Sonderstellung haben demnach Frankreich und Deutschland, wo die Konsumenten jeweils rund 4 Prozent mehr in das Heimkino-Erlebnis investierten als noch im ersten Halbjahr 2011. Unterdessen wurden in allen Ländern mehr Lautsprecher verkauft, was zu einem Umsatzplus von 15 Prozent führte. Besonders gut verkauften sich weiterhin so genannte Soundbars, die den schlanken LED-Fernsehern einen besseren Klang verleihen.

Konkurrenz MP3/MP4-Playern und Handys


Weiterhin mit Problemen kämpft der Markt für tragbare Audiogeräte – im ersten Halbjahr 2012 ging der Umsatz um 17 Prozent zurück. Der Grund liege in der starken Konkurrenz durch Handys, insbesondere Smartphones, die MP3- und MP4-Player für viele Konsumenten überflüssig machen. Insgesamt wurden 17 Prozent weniger Geräte verkauft, was zu einem Umsatzminus von 22 Prozent führt. Händler und Hersteller versuchen sich den Konsumforschern zufolge mit niedrigeren Preisen gegen die Entwicklung zu stemmen: Der Durchschnittspreis ging im Vergleich mit dem ersten Halbjahr 2011 von 90 auf 84 Euro zurück.

Etwas differenzierter zeigte sich demnach der Markt für "traditionelle" tragbare Audiogeräte wie portable Radios, Radiowecker oder Radiorecorder und der neueren Gruppe von Dockinglautsprechern. Lichtblicke gebe es bei tragbaren Radios, vor allem Internetradios. Noch eine untergeordnete Rolle spielten Digitalradios. Seitdem allerdings im vergangenen August in Deutschland DAB+ eingeführt wurde, steige die Nachfrage rasant an. Der Umsatz mit Dockinggeräten, über die Musik von Smartphones, Tablets oder MP3/MP4-Playern abgespielt werden können, stieg insgesamt um 8 Prozent. Mit einem Umsatzplus von 24 Prozent ist Deutschland der Studie zufolge der am stärksten wachsende Markt.

Für Kopfhörer gaben die Konsumenten in Westeuropa von Januar bis Juni 2012 insgesamt 11 Prozent mehr aus, da sie mehr Geräte und zu einem höheren Preis kauften. Nur in Spanien und Italien ging der Kopfhörermarkt leicht zurück. Weiterhin dynamisch entwickelten sich Kopfhörer mit Kabel und Kopfbügel mit 26 Prozent mehr Umsatz und 15 Prozent Plus bei der Stückzahl. Ähnlich positiv sei die Situation bei digitalen Funkkopfhörern.

Hochwertige Digitalkameras im Trend


Wie auch die Unterhaltungselektronik ging der Markt für Digitalkameras in den ersten sechs Monaten in Westeuropa zurück. Mit einem Minus von 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr war die Entwicklung hier jedoch etwas besser. Dies sei vor allem auf die positive Entwicklung bei den hochwertigen Digitalkameras zurückzuführen: Konsumenten interessierten sich weiterhin für Kompaktsystemkameras. Diese stellten für viele Kunden offensichtlich einen guten Kompromiss zwischen leichten Kompaktkameras und großen Spiegelreflexkameras dar. Hinzu komme eine Vielzahl von neuen Modellen in diesem Frühjahr.

Dementsprechend stieg der Gesamtumsatz von Kameras mit austauschbaren Objektiven von Januar bis Juni um rund drei Prozent, im Juni sogar um 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu. Mittlerweile werde jeder zweite Euro mit den hochwertigen Digitalkameras umgesetzt. Bei den Kompaktsystemkameras stieg die Nachfrage im ersten Halbjahr um 50 Prozent. Dennoch verbuchten klassische Spiegelreflexkameras mit 87 Prozent immer noch die höchsten Umsätze bei Kameras mit Wechselobjektiven. Von dieser Entwicklung profitierten demnach auch die Verkäufe von Objektiven, die im ersten Halbjahr um 8,8 Prozent zulegen. Ebenso wie bei den Kameras mit Wechselobjektiven kauften Kunden verstärkt teurere Produkte.

Im Gegensatz dazu gingen im ersten Halbjahr deutlich weniger Kompaktkameras mit festem Objektiv über den Ladentisch. Insgesamt verkauften Händler 16 Prozent weniger Geräte und erzielten damit 15 Prozent weniger Umsatz. Jedoch entschieden sich in dem Bereich immer mehr Konsumenten für eine Kamera, die mehr als 300 Euro kostet. Deren Anteil stieg von knapp 25 Prozent im Vorjahreszeitraum auf gut 30 Prozent im ersten Halbjahr 2012. Verlierer sind demnach günstigere Kompaktkameras: Wer ein Smartphone mit guter Kamera besitzt, benötigt anscheinend zusätzlich keine günstige Digitalkamera mehr.

Smartphones verdrängen Navigationsgeräte


Die Konsumenten in Westeuropa kaufen auch immer weniger Elektrogeräte fürs Auto. Im ersten Halbjahr 2012 musste der Markt für In-Car-Elektronik ein Umsatzminus von 19 Prozent verkraften, wobei sich Großbritannien (minus 5 Prozent) im Gegensatz zu Italien (minus 30 Prozent) vergleichsweise robust zeigte.

Im Bereich der Autoradios kauften die Westeuropäer nicht nur weniger Geräte, sondern auch noch zu einem deutlich günstigeren Preis. Daher ging der Umsatz um 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück, obwohl nur 17 Prozent weniger Autoradios verkauft wurden. Im Trend liegen der GfK zufolge hingegen Produkte, über die sich problemlos Musik von Handys, MP3/MP4-Playern oder USB-Sticks abspielen lässt. Dazu gehören unter anderem so genannte Mechaless-Radios, die kein mechanisches Laufwerk mehr für CDs oder DVDs besitzen, sondern über Schnittstellen für Bluetooth, USB oder MP3/MP4-Player. Sie gewannen deutlich mehr Kunden, die für ein Umsatzwachstum von 11 Prozent sorgten.

Eine große Konkurrenz haben tragbare Navigationsgeräte durch Smartphones bekommen. Mittlerweile werden Navigations-Apps teilweise bereits kostenfrei angeboten. Dies führte zu einem weiteren Umsatzeinbruch von 20 Prozent im ersten Halbjahr – und das bei spürbar reduzierten Preisen. Der größte Markt ist nach wie vor Deutschland, wo 31 Prozent der Navis in Westeuropa verkauft werden.

wim

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