Technik & Web

MOBILE PAYMENT | 25.09.2012

Apples Passbook revolutioniert mobiles Marketing

Mit dem neuen Betriebssystem iOS 6 kommt Passbook auf das iPhone. Berater sehen ein Milliarden-Potenzial für mobile Gutscheine und virtuelle Kundenkarten. Die Flut von Passbook-Anwendungen rollt bereits an.

Foto: Apple

Mit Passbook stellt sich Apple für mobile Gutschein- und Ticketinglösungen auf.

+

"Es ist nicht klar, ob die Near Field Communication irgendein aktuelles Problem löst", begründete Apple-Marketingchef Phil Schiller gegenüber dem amerikanischen Technik-Blog "All Things D" lapidar, warum das iPhone 5 auf die NFC-Technologie verzichtet. "Passbook bietet alles, was der Kunde heutzutage braucht."

Für manche Beobachter war es eine Enttäuschung, dass Apple auch die neue Gerätegeneration seines Smartphones nicht mit der NFC-Chips ausstattet. Hätte der marktbewegende Player den standardisierten Nahbereichsfunk für Datenübertragungen in das iPhone 5 integriert, wäre der Hype um mobile Bezahllösungen noch einmal neu angefacht worden und der Markt hätte eine ganz andere Dynamik entfaltet.

Ohne iPhone wird die Funktechnologie weiter auf den Durchbruch warten müssen: "Die wenigen Handys, die derzeit mit NFC-Technik unterwegs sind, sind nicht der Rede wert", kommentierte jüngst etwa Riccardo Sperrle, CIO von Kaiser´s Tengelmann im Interview mit derhandel.de.

Apple setzt auf einen eigenen Lösungsweg


Statt sich dem internationalen NFC-Standard anzupassen, setzten die Entwickler aus Cupertino mit Passbook mal wieder auf einen eigenen Lösungsansatz. Die Unternehmensberater von Mücke, Sturm & Company schwärmen bereits von einem Marktpotenzial in von Höhe 12,3 Milliarden US-Dollar für Gutschein- und Tickettransaktionen mit Passbook schon im kommenden Jahr.

"Wenn Apple Passbook zum zentralen mobilen Archiv und Managementsystem für alle mobilen Tickets und Coupons entwickelt haben wird, steht auch dem Payment-Markt eine Schockwelle bevor. Die Zukunft des Mobile Commerce ist jedenfalls um eine strategische Option reicher", urteilt Achim Himmelreich, Partner bei Mücke, Sturm & Company (MS&C), darüber hinaus.

Grafik: Mücke, Sturm & Company

MS&C rechnet Passbook-Potenzial anhand von Groupon-Zahlen hoch.

+

Passbook ist integraler Bestandteil des neuen Betriebssystems iOS 6 für iPhones und steht damit nicht nur für das mittlerweile 5 Millionen mal verkaufte iPhone 5 zur Verfügung, sondern seit vergangener Woche auch für die älteren Modelle des Smartphones. Die potenzielle Reichweite der Anwendung wird von MS&C auf weltweit 250 Millionen Nutzer geschätzt.

Man kann Passbook als vorinstallierte Container-App beschreiben, die ihrerseits Apps für digitale Gutscheine, Kundenkarten und Tickets aufnimmt und mit zeit- und ortsbasierten Informationen anreichert. Mit Hilfe dieser Daten lässt sich eine orts- oder zeitbezogene Kundenansprache für Couponinganbieter oder Kundenkartenprogramme realisieren. Als Übertragungsmedium vom Smartphone zur Kasse dient ein QR- oder Barcode.

Der Kaffeeshop um die Ecke kann seinen Stammkunden auf diese Weise einen kostenfreien Keks zum Kaffee anbieten, der Fashionshop dem vorbeigehenden Flaneur einen 20 Prozent-Rabatt-Gutschein. Geburtstagskinder erhalten eine Restauranteinladung auf das Smartphone oder einen Coupon für eine kleine Aufmerksamkeit aus der Parfümerie ihres Vertrauens - sofern sie solche Angebote denn in Anspruch nehmen wollen.

Das App-Prinzip: Viele Goldgräber, ein Minenbesitzer


Große Unternehmen wie Target und Starbucks in den USA, die Lufthansa, der Hotelbuchungsservice HRS, aber auch Nischenanbieter wie die Kassenbon-Archivierungs-App Reposito (Euronics) oder die App für mobile Stempelkarten 10stamps haben bereits Passbook-Anwendungen veröffentlicht. Und das ist erst der Beginn einer Welle von Apps, die speziell für Passbook konzipiert werden. Die amerikanische Kosmetikkette Sephora etwa vermeldet euphorisch mehr als 20.000 Downloads ihrer frisch veröffentlichten Passbook-Anwendung innerhalb von 24 Stunden.

Mit Passbook überträgt Apple das erfolgreiche App-Prinzip auf die mobile Couponing- und Loyaltywelt: Viele Goldgräber, ein Minenbesitzer. Ein geschlossenes, abgesichertes System bietet eine offene Plattform für interessierte Unternehmen und Entwickler. Der Kunde entscheidet letztlich, welche Anwendungen er auf sein Gerät lädt und tatsächlich nutzt.

"Innerhalb kürzester Zeit sind mit PassTools, PassRocket, Passdock, PassSource, PassK.it, Passshop und Passwallet zahlreiche Anbieter in den Markt eingetreten, mit deren Hilfe Händler, Restaurants und Dienstleister eigenständig Pässe für Passbook erstellen können", beobachtet der Zahlungsverkehrsexperte Himmelreich. "Das Geschäftsmodell ist sowohl für große als auch für kleine Unternehmen interessant."

Passbook als erster Schritt in Richtung mobile Payment zur iWallet


Quelle: Mücke, Sturm & Company

So sieht die Unternehmensberatung Mücke, Sturm & Company Apples "Mobile Payment Roadmap"

+

Passbook könne elektronischen Tickets, Loyalty-Karten sowie mobilen Coupons zum Durchbruch verhelfen, schätzt der Berater. Auch so genannte Push-Benachrichtigungen für mobile Werbung könnten einen größeren Verbreitungsgrad erlangen. "Gutscheinportale wie Groupon, Daily Deal & Co geraten durch Passbook hingegen unter Druck", so Himmelreich.

Auch Jochen Freese, Geschäftsführer der easycash Loyalty Solutions, sieht im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Der Handel (Oktober-Ausgabe) Potenzial in Passbook-Anwendungen: "Passbook bietet Händlern eine kostengünstige Möglichkeit, mit virtuellen Kundenkarten ein strategisches Kundenbindungsprogramm aufzubauen oder bestehende Loyaltyprogramme um eine mobile Variante zu bereichern", so Freese.

Für den MS&C-Berater Himmelreich ist Passbook ein strategischer Schritt von Apple, um sich den Weg in den mobilen Payment Markt zu ebnen: "Da bis zur Marktreife der NFC-Technologie noch massive Investitionen in Infrastruktur und Kundenakzeptanz notwendig sind, setzt Apple auf die schon heute weit verbreiteten QR-Codes", meint Himmelreich.

Passbook diene dabei der Heranführung der Kunden an mobile Bezahlverfahren und könnte in den nächsten Schritten voraussichtlich zu einer "mobile Wallet" mit Bezahlfunktion ausgebaut werden.

Hanno Bender

Anzeige

 


Diesen Artikel verlinken:
Twitter Facebook
LinkedIn

Impressum | Datenschutz | Kontakt

Copyright: Deutscher Fachverlag GmbH; Anregungen & Kommentare an info@derhandel.de
Credits: Konzept & Layout SamArt Gbr
Credits: Konzept, Projektmanagement, Programmierung und technische Realisation dfv Internet-Service

Anzeige

 

Anzeige

 

Printausgabe

Der Handel Ausgabe 04/2014

Die neue Ausgabe vom Wirtschaftsmagazin Der Handel ist erschienen!

zum Inhalt »
Infos zum Abo »

 

Weiterbilden. Netzwerken. Horizont Erweitern




Management-Kurse mit Hochschulzertifikat - praxisnah, auf wissenschaftlichem Qualitätsniveau

Zum Kursangebot »



Das Premium-Seminar zu aktuellen Themen der Branche - mit Hochschulzertifikat

Mehr Informationen »