Technik & Web

MOBILE PAYMENT | 07.07.2012

Telekom: "Wir schaffen eine neue Welt des Zahlens"

Über die Ziele und Hintergründe der neuen Partnerschaft von Mastercard und Deutsche Telekom sprach derhandel.de mit den zuständigen Managern Peter Vesco und Christian Stolz.

Telekom und Mastercard wollen die Geldbörse auf das Smartphone bringen. Foto: Deutsche Telekom

Telekom und Mastercard wollen die Geldbörse auf das Smartphone bringen.

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Am Montag dieser Woche gaben die Deutsche Telekom und der Kreditkartenanbieter Mastercard eine europaweite Zusammenarbeit bekannt, um das Bezahlen mit dem Smartphone zu forcieren. derhandel.de interviewte Christian Stolz, General Manager Deutschland von Mastercard und Peter Vesco, Leiter der Payment-Geschäfte der Deutschen Telekom AG, zu dem gemeinsamen Vorhaben.

Im Juli 2011 startete Google Wallet in den USA, seither gab es unzählige Ankündigungen von Kooperationen und Projekten für mobile Zahlungslösungen. Was ist das Besondere an der von Ihnen verkündeten "strategischen Partnerschaft"?
Peter Vesco: Die Telekom bietet nicht nur eine Wallet. Unser Ziel ist es, mit unseren Angeboten die gesamte Wertschöpfungskette des Zahlungsverkehrs abzudecken. Mit unserem Partner Mastercard werden wir dazu Bezahlkarten an unsere Kunden ausgeben - in Form von NFC-Stickern für das Smartphone, auf der SIM-Karte von NFC-fähigen Geräten oder als virtuelle Karte für Transaktionen im Internet. Gleichzeitig wollen wir am anderen Ende der Wertschöpfungskette aktiv werden und gemeinsam mit dem Handel und anderen Akzeptanzstellen die Infrastruktur für die NFC-Technologie ausbauen und gestalten.

Die Wallet ist dabei das Herzstück unserer Strategie. Unsere Kunden erhalten mit ihr die Möglichkeit, alle für sie relevanten Zahlkarten, Bonusprogramme, Bahn-, Flug- und Konzerttickets sicher auf ihrem Smartphone abzulegen. Das Konzept ist als offene Plattform konzipiert, die unterschiedliche Banken, Kreditkartenorganisationen, Mobile-Commerce- und Couponing-Anbieter sowie Betreiber von Loyalty-Programmen für ihre Angebote nutzen können.

Christian Stolz: Als Kreditkartenorganisation geht es uns darum, den Bargeldanteil in Europa weiter zu reduzieren und den Konsumenten Lösungen für mobile Zahlungen anzubieten, die marktfähig und smart sind. Wir wollen, dass das Smartphone auch zum "Smart Payment" genutzt werden kann.

Mit einem großen Parkhausbetreiber hat die Telekom bereits einen Akzeptanzpartner unter Vertrag genommen. Wollen Sie den etablierten Netzbetreibern für das bargeldlose Bezahlen Konkurrenz machen?
Vesco: Wir werden auch als kaufmännischer Netzbetreiber agieren, aber nicht im klassischen Sinn. Wir wollen unseren Geschäftskunden vielmehr Komplettlösung für den bargeldlosen Zahlungsverkehr aus einer Hand bieten. Händler, die ein stationäres Geschäft und einen Onlineshop betreiben, können beispielsweise unsere Leistungen als Payment-Service-Provider und Netzbetreiber in Anspruch nehmen.

Foto: Mastercard

"93 Millionen Telekom-Kunden in 12 europäischen Ländern", Christian Stolz, Deutschlandchef von Mastercard.

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Darüber hinaus können wir aufgrund der E-Money-Lizenz der ClickandBuy Handelsunternehmen auch die Ausgabe von Co-Branding-Kreditkarten anbieten. Wir können also dem Handel ermöglichen eigene NFC-fähige Kundenkarten mit Zahlungsfunktion über uns herauszugeben. Wir stellen also nicht nur Kartenterminals am POS auf, sondern kümmern uns um das gesamte Projektgeschäft.

Welche Zielgruppe fassen Sie dabei ins Auge, kleine und mittlere Handelsunternehmen oder eher internationale Konzerne?
Vesco: Im Fokus stehen für uns nicht nur Händler, sondern auch Automatenaufsteller und Verkehrsbetriebe. Der sogenannte Tickteting-Bereich ist aus zweierlei Hinsicht wichtig. Zum einen, um den Konsumenten an das neue Zahlverfahren zu gewöhnen. Zum anderen, weil der Bedarf auf der Seite der Automatenaufsteller sehr groß ist. Das Cashhandling ist in diesem Bereich ein teueres Geschäft. Gleichzeitig haben wir als multinationales Unternehmen natürlich die Möglichkeit, Handelskunden länderübergreifend in ganz Europa zu begleiten und zu betreuen - wie dies ein nationaler Netzbetreiber nicht leisten kann. Wir sprechen mit großen internationalen Handelsketten, die Interesse an unserer Lösung zeigen.

Wir wollen aber auch Händler gewinnen, die bislang noch gar keine bargeldlosen Zahlungen akzeptieren. Hierzu werden wir eine mobile Kartenakzeptanz mit Hilfe von Zusatzgeräten für das Smartphone anbieten - wie man es von Square oder PayPal-Here kennt. Das ist insbesondere für Bäckereien, Taxibetriebe und Handwerker interessant, die sich kein Terminal aufstellen. Diesen Kunden ermöglichen wir eine mobile Zahlungsakzeptanz.

Und dieses Gerät kann dann neben Kredit- und auch EC-Karten verarbeiten?
Vesco: Unser Fokus liegt aktuell zunächst auf unserer Partnerschaft mit Mastercard, aber theoretisch kann man mit diesen Aufsteckgeräten alle relevanten Zahlkarten akzeptieren.

Welche Partner sind für die Wallet-Lösung konkret vorgesehen? Die Lebensmittel-Zeitung berichtete von Gesprächen mit der Deutschen Bahn und Lufthansa...
Vesco: ...das will ich nicht kommentieren. Die Wallet lebt natürlich von den richtigen Partnern, weil erst dadurch ein Mehrwert für den Kunden entsteht. Denn die Zahlungsfunktion allein bringt kaum Zusatznutzen. Wir reden mit mehreren internationalen Partnern über eine Zusammenarbeit.

Nun können Sie ja schon aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht zig verschiedene Handelsunternehmen in die Wallet bringen. Sprechen Sie mit branchenübergreifenden Bonusprogrammen?
Vesco: Wir verfolgen ein europäisches Projekt und eine unserer Stärken ist, dass wir in den lokalen Märkten zu Hause sind, im Gegensatz etwa zu großen amerikanischen Anbietern, die mit Mobile-Payment-Lösungen experimentieren. Wir haben die Kompetenz zu sagen, wer die interessanten Partner im jeweiligen Land sind. Es gibt Länder, in denen wir sehr lokal vorgehen werden und andere, in denen wir mit multinationalen Partnern arbeiten werden. Wenn man in Tschechien, Albanien oder Mazedonien unterwegs ist, sind dort natürlich andere Loyalty-Partner relevant als in Deutschland oder Polen.

Müssen die Anbieter dafür bezahlen, in der Wallet aufgenommen zu werden?

Vesco: Es wird sehr unterschiedliche, individuelle SIM-Hosting-Fees geben. Je nach Geschäftsmodell des Dienstes sind Einmal-Gebühren, monatliche Kosten oder transaktionsbezogene Entgelte denkbar.

Wie viele Karten - respektive Sticker - wollen Sie im kommenden Jahr herausgeben?
Vesco: Wir wollen noch keinen Zahlen nennen. Da bitte ich um Verständnis.

Foto: Deutsche Telekom

"Wir wollen End-to-End-Anbieter im Zahlungsverkehr werden", Peter Vesco, Deutsche Telekom AG.

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Sie starten in Kürze in Polen, Deutschland und weitere europäische Länder sollen sukzessive folgen. Nach welchem Muster wollen Sie vorgehen?
Vesco: Der Roll-Out der Wallet wird abhängig von der NFC-Infrastruktur auf Handels- und Konsumentenseite in den jeweiligen Ländern sein. Wir starten demnächst in Polen, Deutschland soll im ersten Halbjahr 2013 folgen. Wir setzen aber nicht ausschließlich auf die NFC-Technologie. Es wird auch Länder geben, in denen wir mit alternativen Zahlmethoden wie dem Scannen von QR-Codes arbeiten werden. Dort wo der NFC-Roll-Out noch lange dauern wird, werden wir den Markt mit adäquaten Brückentechnologien erschließen.

Wie sieht es mit den Kosten aus? Bekommen die Kunden Wallet und Karte im Bundle mit dem Handyvertrag?
Vesco: Unser Interesse ist es, eine höchstmögliche Penetration in schnellstmöglicher Zeit zu erreichen, daher werden wir die Eintrittsbarrieren für die Kunden so niedrig wie möglich halten. Eine digitale Karte könnten wir auch kostenfrei abgeben. Der Sticker aber wird zumindest eine Schutzgebühr kosten, damit wir sicher sein können, dass der Kunde auch ein Interesse daran hat. Auch hier werden wir aber in verschiedenen Märkten unterschiedlich vorgehen, mit Blick auf die jeweilige Wettbewerbssituation.

Was hat Mastercard von der Kooperation?
Stolz: Die Partnerschaft mit einem so wichtigen Markteilnehmer im mobilen Bereich wird die Entwicklung dieses neuen Zahlungssystems, auch in Deutschland massiv vorantreiben. Wir profitieren von den Zahlungstransaktionen, die über Mastercard-Produkte abgewickelt werden. Für uns ist es nicht relevant, ob die Zahlung über die Karte erfolgt oder über das Smartphone.

Foto: Mastercard/Telekom

Kooperation auf höchster Ebene: René Obermann, CEO Deutsche Telekom und Ajay Banga, CEO Mastercard.

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Wie viele Paypass-Akzeptanzstellen gibt es denn in Deutschland derzeit, neben den Filialen der Douglas Holding und den Aral-Tankstellen?

Stolz: Auch in Deutschland beschränkt es sich heute schon nicht mehr auf die Filialen der Douglas Holding und Aral-Tankstellen, aber die genannten Unternehmen sind richtig. Für die lokalen Märkte kommunizieren wir keine Zahlen. Weltweit gibt es mittlerweile rund 400.000 Paypass-Akzeptanzstellen. Darüber hinaus wächst die NFC-Infrastruktur im Handel ständig, die neuen Generationen von Kartenterminals haben die Funktion bereits integriert. Durch die strategische Partnerschaft wollen wir effektive und effiziente Mobile-Payment-Lösungen für über 93 Millionen Telekom-Kunden in 12 Ländern liefern. Diese Partnerschaft wird dazu beitragen, unsere klassischen Bankpartner noch besser bei der Anpassung an neue Verbraucherverhalten und die sich verändernde Marktdynamik zu unterstützen.

Und wie sieht es mit der NFC-Fähigkeit von Smartphones aus, ohne die die Wallet ja nur sehr eingeschränkt nützlich ist?
Vesco: Auch hier wird das Angebot immer breiter. Neben dem Galaxy Nexus und Geräten von Blackberry und Nokia gibt es das aktuell sehr attraktive Galaxy S III und schon im nächsten Jahr werden die Kunden sicher noch zahlreiche Geräte von verschiedenen Herstellern in unterschiedlichen Preisklassen zur Verfügung haben.

Wie sieht es mit dem iPhone aus, das ja kein ganz unbedeutendes Smartphone ist? Denken Sie an eine Lösung für Passbook oder setzen Sie darauf, dass die nächste iPhone-Generation mit NFC-Technik ausgerüstet ist?
Vesco: Kein Kommentar dazu.

Die Telekom verfolgte gemeinsam mit Vodafone und O2 das Projekt mpass für Online- und mobile Zahlungen. Bedeutet die Kooperation mit Mastercard das Ende von mpass?
Vesco: Nein, die Payment-Strategie der Deutschen Telekom ist ein europäisches Projekt. Deshalb wollten wir mit Mastercard einen Partner haben, der uns technologisch und von der Akzeptanzseite her weiterhilft. Wir sind in den USA mit ISIS unterwegs und kooperieren in England mit Orange UK bei „Everything Everywhere". Wir verfolgen Initiativen in Tschechien und vieles mehr. Unsere Basisstrategie, in den Zahlungsverkehrsmarkt vorzudringen, wird Land für Land angepasst. Wir sehen daher keinen Grund dafür, mpass in frage zu stellen. 

Interview: Hanno Bender

Zur Person:
Peter Vesco verantwortet das Geschäftsfeld Payment der Deutschen Telekom AG; hierzu gehört auch der Onlinebezahldienst ClickandBuy. Das Unternehmen fungiert künftig als Herausgeber der Telekom-Mastercard. Zuvor war Vesco President & Managing Director Northern Europe beim Terminalhersteller Hypercom. Zu weiteren beruflichen Stationen zählen seine Tätigkeit als Geschäftsführer (CEO) D-A-CH und Italien der FirstData sowie als Chief Operating Officer D-A-CH und Italien bei Atos Worldline.

Christian Stolz ist seit März 2012 General Manager Germany von Mastercard Germany. Zuvor war Stolz bei Mastercard in der Schweiz und Österreich tätig.

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