Technik & Web

MÖBELHANDEL | 20.10.2013

Home24: Vom Nischenshop zum Möbelladen

Angefangen hat Home24.de mit einem Sammelsurium von Webshops. Mitgründer Philipp Kreibohm erzählt, was die Möbelhändler nun noch so alles vorhaben.

Foto: Home24

Home24-Mitgründer Philipp Kreibohm suchte ein langfristiges Geschäftsmodell

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Den Managern der Start-Up-Schmiede Rocket Internet unterstellt man gerne eine gewisse Umtriebigkeit. Schließlich haben die "jungen Wilden" rund um die Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer mit Zalando den Schuh- und Modehandel gehörig aufgemischt.

Auch Philipp Kreibohm betreute bei Rocket Internet einige Jungunternehmen, bis er 2009 nach etwas Beständigerem suchte: "Bei Rocket Internet haben wir im alle zwei bis drei Monate neue Projekte gestartet", erläutert der Gründer von Home24. "Nach einigen Jahren haben wir uns nach einem langfristigen Vorhaben umgeschaut und untersucht, welche großen stationären Märkte im Internet noch nicht angemessen abgedeckt werden."

Lukratives Geschäft mit Couch&Co.


Auf diese Weise kam der frühere Berater der Boston Consulting Group auf das Sortiment Couch&Co.: "Das Volumen der Branche ist mit einem Umsatz von rund 30 Milliarden Euro jährlich sehr attraktiv. Aber nur wenige Händler sind derzeit in größerem Umfang online aktiv", beobachtet Kreibohm. "Zudem ist der Anteil des Onlinegeschäfts am Möbelhandel mit rund drei Prozent noch recht gering."

Also gründete er zusammen mit seinem Kollegen Felix Jahn und Rocket Internet das Unternehmen "FP Commerce". Die beiden schauten sich an, welche Produkte rund um Heim und Wohnen im Internet häufig nachgefragt wurden und eröffneten entsprechende Nischenshops wie etwa Lampen-Experte.de, Gartenmöbel-Experte.de und Kinderwagen-Experte.de.

Zwischenstation Moebel-profi.de


Dann integrierten die Gründer die Nischenshops unter der Dachmarke Moebel-profi.de: "Anfangs hatten wir nur Kommissionsware und haben die Artikel erst bestellt, wenn die Bestellung des Endkunden einging", berichtet Kreibohm. "Der Versand erfolgte häufig direkt vom Hersteller zum Kunden."

Foto: Home24

20.000 Artikel können innerhalb einer Woche geliefert werden.

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Dabei sah er noch viel Optimierungspotenzial: "Für die Kunden ist ein sauber strukturiertes Sortiment wichtig. Und um das auf- und auszubauen, musste ein Einkauf aufgebaut werden". Auch die Verfügbarkeit von Artikeln spielte eine Rolle. Zwar gibt es auch heute noch Kommissionsware, "aber das sind Artikel wie mal eine spezielle Couch, die wir so selten verkaufen, dass es sich nicht lohnen würde, sie im Lager vorrätig zu haben."

"Samstag wird zum  möbelhausfreien Tag"


Im April 2012 benannten die Gründer den Möbelshop in Home24.de um und warben damit, dass das Gedränge im Möbelhaus, das Schleppen und Transportieren endlich ein Ende habe: "Home24 krempelt den Möbelmarkt um und macht den Samstag zum möbelhausfreien Tag", versprachen die Onlinehändler, die das Zalando-Pendant für Möbel werden wollen.

Wie die Mode-Schwester bietet  Home24.de einen kostenlosen Versand und ein mit 30 Tagen länger als branchenübliches Rückgaberecht an. Auch ausgepackte und aufgebaute Möbel würden kostenlos abgeholt, versichert Kreibohm: "Trotzdem liegt unsere Rücksendequote unter zehn Prozent."

Im Herbst 2012 startete der Onli-ne-Möbelhändler zudem, wiederum  ähnlich wie Zalando, eine TV-Werbekampagne, deren Botschaft provokant - Kreibohm nennt es "klar und einfach" - lautet: "Das beste Möbelhaus ist bei Dir zuhause." Das Marketingbudget für Home24 bezeichnet der Manager als "angemessen" - auch und gerade für Onlinewerbung: "Das Internet ist unsere Spielwiese, da fühlen wir uns sehr wohl und kennen uns aus", erläutert Kreibohm.

Verkaufsrenner Betten und Polstermöbel


Insgesamt hat Home24 inzwischen mehr als 50.000 Artikel von rund 350 Herstellern aus den Bereichen Möbel, Lampen, Wohnaccessoires, Heimtextilien und Garten im Angebot - "davon etwa 20.000 mit einer Lieferzeit von bis zu einer Woche." Rund 40 Prozent des Onlinegeschäfts machen sperrige Produkte wie Polstermöbel und Betten aus. Das Durchschnittsalter der Käufer liegt bei 44 Jahren. Im August dieses Jahres feierte das Unternehmen seinen 500.000sten Kunden, inzwischen arbeiten rund 300 Mitarbeiter bei Home24 .

Aktuell beschäftigt die jungen Onlinehändler vor allem die Expansion:  Neben Deutschland ist der Onlinemöbelhändler auch in Frankreich, Österreich, den Nie-derlanden aktiv, als nächstes folgt die Schweiz.

Rewe Group ins Boot geholt


Für das Wachstum sammeln die Onlinehändler weiterhin Kapital. Kürzlich beteiligte sich die Rewe Group an Home24 und gesellte sich damit zu dem illustren Investorenkreis, der neben Mehrheitsgesellschafter Rocket Internet aus J.P. Morgan, Wursthersteller Reinhold Zimmermann, Holtzbrinck Ventures sowie Rocket Internets Hofinvestor Kinnevik aus Schweden besteht. Wie hoch die jeweiligen Beteiligungen sind, sagt Home24 allerdings nicht.

Noch schreibt das junge Online-Unternehmen keine schwarzen Zahlen. "Aber wir werden immer profitabler", sagt Kreibohm. "Wir wiegen derzeit noch Wachstum gegen Profitabilität ab." Mit Wachstumsraten von rund 60 Prozent sei der Möbelmarkt eines der am schnellsten wachsenden Segmente im E-Commerce: "Somit ist uns im Moment Wachstum wichtiger als Profitabilität. Aber das wird sich natürlich irgendwann ändern", so der Home24-Geschäftsführer.

Sybille Wilhelm

Dieser Artikel ist in der aktuellen Ausgabe Online Handel erschienen. Zum kostenfreien Probeexemplar geht es hier.

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