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LOYALTYPROGRAMME | 28.09.2012

Payback plant Passbook-Integration

Das größte deutsche Bonusprogramm Payback arbeitet an einer Passbook-Anwendung. Händler hegen jedoch auch Bedenken gegen das mächtige Marketingtool von Apple - und planen ein eigenes Bezahlverfahren.

Foto: Screenshot

Payback wird eine App speziell für Passbook herausbringen.

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Viele iPhone-Nutzer stolpern in diesen Tagen nach dem Update auf das Betriebssystem iOS 6 über ein neues Icon auf dem Bildschirm ihres Smartphones. Nicht jedem erschließt sich auf Anhieb, wozu die App mit den Kartensymbolen in Blau, Gelb und Grün gut sein soll.

Platz für Board-, Eintritts-, Kundenkarten und Coupons bietet die Anwendung, wenn man sie öffnet. Doch zunächst bleibt sie leer und funktionslos.

Der Nutzer muss die digitale Brieftasche erst einmal füllen, um sie einsetzen zu können. Noch steht erst eine handvoll von Anwendungen für den jüngsten Coup aus Cupertino zur Verfügung.

Starbucks hat eine App für Passbook in den USA angekündigt, der amerikanische Händler Target bereits eine veröffentlicht. Die Lufthansa ist mit Boardkarten dabei, und mehrere kleinere Anbieter von Loyalty-Apps haben die Marketingchance ergriffen, ganz vorne auf den Zug aufzuspringen.

Payback will Passbook für Couponing nutzen


Dennoch wird Passbook von Beratern bereits im kommenden Jahr ein Milliarden-Potenzial für Transaktionen mit Gutscheinen, Kundenkarten und Tickets zugetraut. Und die Welle von Applikationen für Passbook rollt langsam an: Auf Anfrage von derhandel.de bestätigt das Bonuskartenprogramm Payback, an der Entwicklung einer App für Passbook zu arbeiten. Da man sich noch in der Entwicklungsphase befinde, könnten noch keine konkreteren Angaben gemacht werden, heißt es aus München.

Für das Kundenbindungsprogramm würde es Sinn ergeben, die bestehende Payback-App mit der Passbook-Pass zu verküpfen und beispielsweise digitale Gutscheine auszugeben, die die Orts- und Zeitangaben von Passbook nutzen. So könnte etwa der treue Aral-Kunde an der Tankstelle am Morgen per eCoupon mit einem Croissant zum Frühstück beglückt werden oder mit einer vergünstigten Autowäsche am Montag, wenn die Waschstraße ohnehin nicht ausgelastet ist.

Passbook-Pässe bieten mehr Möglichkeiten als eine herkömmliche App


Dank Geolokalisierung könnte der Gutschein auf dem Sperrbildschirm des Handys erscheinen und mit einem passenden Geräusch auf sich aufmerksam machen, sobald das Auto die Tankstelle ansteuert. So wie die Lufthansa-Boardkarte sich automatisch am Flughafen in den Vordergrund schiebt und einen Countdown zum Boarding einblendet. Passbook bietet als Bestandteil des Betriebssystems mehr Möglichkeiten als eine herkömmliche App. Die Pässe gelangen als Dateiformat (".pkpass") ins Smartphone per App, E-Mail oder Download am heimischen PC.  

Payback ist mit rund 20 Millionen aktiven Bonuskarten (Unternehmensangabe) das größte branchenübergreifende Bonusprogramm in Deutschland. Die Handelspartner, bei denen die Kunden Bonuspunkte sammeln können, reichen von Apollo Optik und Aral über Depot und dm-drogeriemarkt bis hin zu Kaufhof, real, Sixt und WMF, darüber hinaus gehören rund 500 Onlineshops zum Partnerportfolio von Payback.

Die Betreibergesellschaft Loyalty Partner ist neben Deutschland auch in Polen, Indien und seit Neustem auch in Mexico aktiv; dort unter anderem mit der Comercial Mexicana, einer der größten Lebensmittelhändler des Landes, sowie 7-Eleven und den Petro7-Tankstellen. Im Jahr 2010 wurde Loyalty Partner für 500 Millionen Euro von der Kreditkartengesellschaft American Express gekauft, die ihrerseits heute einen Pass für Passbook zur Kontoübersicht veröffentlicht hat.

Das zweite große Bonusprogramm der Bundesrepublik, die Deutschlandcard, hat noch keine Entscheidung über eine Passbook-Integration getroffen: "Im Rahmen unserer Mobile-Strategie 2013 prüfen wir aktuell entsprechende Optionen", teilt das Betreiberunternehmen, eine Bertelsmann-Tochter, auf Anfrage von derhandel.de mit. "Generell ist der Bereich Mobile aber für uns von großer Bedeutung", betont Sprecherin Martina Heinrich.

"Apple ist ein Trojaner", warnen Händler. Branchenlösung gesucht


Handelsunternehmen reagieren allerdings auch mit Skepsis auf den Hype um Passbook: "Apple ist ein Trojaner, der sich zwischen Händler und Kunden schiebt und sämtliche Daten aufsaugt", warnt der IT-Chef eines großen Handelskonzern, der nicht namentlich zitiert werden will. "Ich wundere mich über die Naivität, mit der manche Unternehmen ihre Kundenbeziehungen an Apple Preis geben wollen".

Die Händler sollten begreifen, dass der Datenhunger der großen vier - Apple, Amazon, Google und eBay - sich langfristig zu einer Gefahr für die eigene Existenz auswachse. "Erst werden sie zum bloßen Logistiker degradiert, später wird auch diese Leistung nicht mehr benötigt", so der Top-Manager.

Um die eigenen Daten den "Big Four" nicht völlig kampflos zu überlassen, tagte am Donnerstag (27.9.) ein illustrer Kreis von Entscheidern und Zahlungsverkehrsexperten der Handelsbranche im vierten Stock des Mercedes Benz Centers in Köln, um über die Möglichkeiten und Chancen zum Aufbau eines händlereigenen Bezahlsystemens zu diskutieren. Die großen US-Retailer haben mit der MCX eine ähnliche Initiative ins Leben gerufen.

In Köln durfte sich das Yapital-Projekt der Otto-Group erstmals einem größeren Fachpublikum präsentieren, aber auch andere Konzepte und Ansätze für Bezahlverfahren in Eigenregie des Handels wurden vorgestellt und diskutiert. Eingeladen hatten der Handelsverband Deutschland (HDE), das EHI Retail Institute und die GS1 Germany - gewichtige Organisationen, die in der Branche etwas bewegen können.

"Es gab keine konkreten Ergebnisse, Entscheidungen oder Marschrichtungen, aber wir werden die Sache weiter verfolgen", sagte ein Teilnehmer gegenüber derhandel.de. "Ich würde es begrüßen, wenn es gelänge, eine weitgehend autarke Branchenlösung zu etablieren, die ohne Trittbrettfahrer in der Wertschöpfungskette auskommt", so der hochrangige Handelsmanager. Man will im Gespräch bleiben, auch das ist ja schon mal ein Ergebnis.

Hanno Bender

Update (29.9.):
Genregerecht twittert der offizielle Service-Account der Deutsche Bahn AG (@DB_Bahn) heute auf eine Kundenanfrage hin, dass noch feststehe, ob sich die Bahn an Passbook beteiligt. Verkehrsbetriebe dürften jedoch grundsätzlich ein starkes Interesse an virtuellen Fahrkarten-Lösungen haben. Laut Schätzungen sollen im ÖPNV je nach Betriebsgröße und Infrastruktur bis zu 20 Prozent des Fahrpreises für das Ticketing (Automaten, Wartung, Papier, etc.) aufgewendet werden.

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