Technik & Web

MOBILE PAYMENT | 24.08.2012

Smartphone wird zum Kartenterminal

Wer heute beim Pizzaboten oder dem Kiosk um die Ecke mit Karte bezahlen will, kann dies meistens vergessen. Zwei Firmen wollen das nun ändern - mit Einsteckmodulen für Smartphones und Tablets.

Foto: SumUp

Mit SumUp und Payleven versuchen sich zwei neue Player im Markt.

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Zwei neue Startups wollen in Deutschland die Kartenzahlung auch im Kleingewerbe etablieren. Die Firma Payleven aus dem Umfeld der Samwer-Brüder und der Anbieter SumUp bieten seit Donnerstag Einsteck-Module an, mit denen Smartphones und Tablet-Computer teure Kassengeräte ersetzen können.

Das Payleven-Angebot nutzten in einer Testphase in den vergangenen Wochen fast 1.000 Händler und Dienstleister in Berlin: Unter anderem Friseure, Bäckereien, Restaurants, Anbieter von Hauskrankenpflege und IT-Schulungen.

Zum Jahresende soll die Zahl der Partner im "vielfachen Tausender-Bereich" liegen, wie Mitgründer und Geschäftsführer Alexander Zumdieck der Nachrichtenagentur dpa sagte. Payleven startet zeitgleich auch in Brasilien, Großbritannien und den Niederlanden.

Ein Projekt aus der Klonfabrik Samwer & Co.


Hinter Payleven steht die Berliner Startup-Schmiede Rocket Internet der Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer. Das Unternehmen übernimmt häufig Geschäftsmodelle aus den USA für eigene Aktivitäten in Deutschland und anderen Ländern und passt sie auf die Gegebenheiten der lokalen Märkte an. Auch für Payleven gibt es ein konkretes US-Vorbild: die Firma Square des Twitter-Mitgründers Jack Dorsey.

Square wurde 2009 gegründet und wickelt nach jüngsten Angaben pro Tag Zahlungen von rund vier Millionen Dollar ab. Zuletzt machte das Unternehmen Schlagzeilen durch eine Partnerschaft mit der Kaffeehauskette Starbucks. Laut Medienberichten wurde Square beim Starbucks-Einstieg mit 3,25 Milliarden Dollar bewertet.

Payleven will die Gewerbetreibenden mit einer niedrigen Einstiegshürde gewinnen. Pro Transaktion werden 9 Cent plus 2,95 Prozent des Betrags fällig - ohne die sonst bei Kartenterminals üblichen Langzeitverträge oder monatliche Gebühren. Ab einem Euro können Kartenzahlungen angenommen werden.

Akzeptanz für EC-Karte und Mastercard - zunächst


Über Payleven kann man derzeit mit einer EC-Karte sowie Kreditkarten von Mastercard bezahlen. Visa und American Express sollen demnächst folgen. Es gehe um einen potenziellen Markt von zwei, drei Millionen Kleinunternehmen in Deutschland, sagte Zumdieck. Payleven habe ganz klar die Marktführerschaft im Visier.

SumUp verspricht noch etwas günstigere Konditionen: Eine Gebühr von 2,75 Prozent des Betrags ohne weitere Kosten. Der Dienst startete nach einer viermonatigen Testphase in Deutschland, Österreich, Großbritannien und Irland. Die Geldgeber sind die Wagniskapitalfirma Shortcut Ventures aus Hamburg, die Schweizer Beteiligungsgesellschaft b-to-v Partners sowie Tengelmann Ventures und der Technologie-Investor Klaus Hommels.

SumUp unterstützt Zahlungen per Mastercard, Visa und EC-Karte. Die Apps beider Dienste sind für die Apple-Plattform iOS und das Google-Betriebssystem Android verfügbar.

Payleven und SumUp sind ist nicht die ersten Anbieter solcher Einsteckmodule in Europa. In Deutschland ist bereits streetpay mit einem ähnlichen Dienst in einer "offenen Beta-Phase" präsent. Der Website zufolge wurden bisher gut 9.800 Cardreader reserviert. In Großbritannien, Finnland, Schweden, Norwegen und Dänemark ist der Konkurrent iZettle aktiv.

"Mich persönlich fasziniert die Square-Erfolgsstory auch", sagte der Payleven-Geschäftsführer zum US-Vorreiter. Das sei auch eine Motivation, so etwas in Deutschland anzubieten. "Gleichzeitig ist Deutschland aber in vielerlei Hinsicht anders als die USA, sodass man das Modell keineswegs eins zu eins übernehmen kann."

Keine Rivalität mit anderen Zahlungsanbietern


Eine Rivalität zu klassischen Zahlungsabwicklern mit ihren deutlich höheren Tarifen sieht Zumdieck nicht. Letztlich gehe Payleven in einen Bereich, in dem die bisherigen Anbieter derzeit kein Geschäft hätten. Zudem werden die Transaktionen selbst von mehreren großen Zahlungsabwicklern durchgeführt.

"Die haben damit kein Problem, sondern sehen ein zusätzliches Geschäft: Da sind eine Menge Kleinunternehmen, die Umsätze machen, aber bisher hatten sie nichts davon, weil mit Bargeld bezahlt wurde", betont Zumdieck.

Bisher seien weniger Sicherheitsbedenken der Verbraucher festgestellt worden als erwartet. "In den Tests gab es kaum Leute, die eine Transaktion abgebrochen haben, weil der Händler die Karte durch ein iPhone ziehen wollte", sagte Zumdieck. "Ich kann guten Gewissens behaupten, dass Payleven sicher ist und dass sich da keiner Sorgen machen muss."

Der Kartenzahlungsspezialist Conradis bietet seit Anfang 2011 eine App für das iPhone an, mit der Kreditkartenzahlungen im so genannten Mail-Order-Verfahren möglich sind. Der Kunde muss hierzu die Kreditkartennummer, Ablaufdatum und Sicherheitsnummer der Kartenrückseite in das Smartphone des Händlers eingeben.

Die deutschen Sparkassen wollen noch in diesem Jahr eine Android-App für die mobile Akzeptanz der kontaktlosen Geldkarte girogo herausbringen. Die Deutsche Telekom und PayPal (PayPal here) verfolgen vergleichbare Projekte.

dpa, DH

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