Technik & Web

INTERNET | 21.07.2009

Wenn Händler twittern

140 Zeichen und schneller als jede Nachrichtenagentur: Rund 30.000 Deutsche sollen schon "twittern". Und auch immer mehr Handelsunternehmen kommen auf den Geschmack.

Fressnapf twittert

Fressnapf twittert, Otto auch.

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Als der Softwareentwickler Jack Dorsey in San Francisco im März 2006 "Twttr" für den internen Gebrauch in der Podcasting-Firma Odeo programmierte, hat er vermutlich nicht damit gerechnet, dass die maximal 140 Zeichen langen Mitteilungen, die via Web oder Handy geschrieben und empfangen werden können, so populär werden würden.

Heute nutzen Prominente wie auch Unbekannte die Twitter-Plattform, um Details aus ihrem Privatleben an ihre "Abonnenten", die sogenannten Followers, zu übermitteln. Die ungefilterte Nachrichtenübertragung ist allerdings umstritten, denn Falschmeldungen und Gerüchte können per Twitter leicht multipliziert werden.

Otto twittert, Fressnapf auch


Gesicherte Nutzungsstatistiken über den Kurznachrichtendienst liegen nicht vor. In Deutschland sollen jedoch derzeit rund 30.000 Personen und Unternehmen auf Twitter aktiv sein. Offensichtlich genug, dass hierzulande auch immer mehr Händler auf den Twitter-Geschmack kommen.

Die Otto Group etwa nutzt den Dienst, um über freie Stellen im Konzern zu informieren. Die Shopping-Gemeinschaft Smatch.com stellt über Twitter neue Produkte vor und berichtet, wie der Tagesablauf in dem Web-Startup aussieht.

Beim Onlinehändler MyMuesli.de tauschen sich die Kunden per Twitter über gute Müslimischungen aus und bekommen Gutscheine für einen Gratis-Cappuccino in dem neu eröffneten Geschäft in Passau.

Kommunikationsforum für Kunden


Auch der Händler für Haustierbedarf Fressnapf twittert seit Anfang Mai: „Wir haben die Eröffnung unseres 1.000. Fressnapf-Marktes zum Anlass genommen, unsere 1.000 Preisaktionen auch über Twitter zu kommunizieren", erläutert Sandra Berlinecke, die den Dienst bei Fressnapf aufgebaut hat und betreut.

"Wir wollen da sein, wo unsere Kunden sind. Und die sind sehr rege im Internet, wie wir an den Foren und Blogs auf fressnapf.de sehen", sagt Berlinecke Der "Testballon" wurde schon nach kurzer Zeit gut angenommen, hat sie beobachtet: "Wir hatten recht schnell rund 500 Followers, das ist für den Anfang recht ordentlich."

Badekappen für Hunde


Sandra Berlinecke versteht Twitter allerdings nicht nur als weiteren Marketingkanal, sondern will über das Medium mit den Kunden direkt kommunizieren: "Unsere Kunden haben großen Gesprächsbedarf, das Thema Tier ist ja auch sehr emotional", so die Fressnapf-Expertin für Neue Medien.

Das kann dann auch schon mal lustiger werden. "Wir hatten beispielsweise eine Diskussion, ob es Badekappen für Hunde gibt", berichtet Sandra Berlinecke. "Aber genau das wollen wir ja. Man muss nur offen sein für die Kommunikation, die sich ergibt, und auf die Fragen und Anregungen der Kunden eingehen. Dann ist Twitter ein idealer direkter Draht zum Kunden - und dabei nicht einmal besonders aufwendig."

Sybille Wilhelm

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