Technik & Web

ZAHLUNGSVERFAHREN | 16.03.2012

PayPal ermöglicht die Zahlung per Zuruf

Mit "PayPal Here" ermöglicht die eBay-Tochter kleinen und mobilen Händlern Kreditkarten zu akzeptieren. Das Smartphone als Bezahlterminal kann aber auch mit der PayPal-App des Kunden korrespondieren und das Zahlen per Zuruf ermöglichen.

Foto: PayPal

Der Kopfhörerstecker wird zur Schnittstelle des Zahlungsterminals.

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"Wenn wir etwas machen, dann machen wir es auch richtig. Wir denken in globalen Zusammenhängen", sagte John Donahoe, Chef von eBay und PayPal, sinngemäß, bevor er am gestrigen Donnerstag mit "PayPal Here" die neueste Innovation des Zahlungsdienstleisters vorstellte.

PayPal Here soll kleinen und mobilen Händlern, Gastronomen und Dienstleistern die Kreditkartenakzeptanz per Smartphone ermöglichen. Dazu wird ein dreieckiges Hardware-Dongle in den Kopfhörereingang des iPhones oder Android-Smartphones gesteckt. Mit der zugehörigen App kann der Nutzer dann die Kreditkarten seiner Kunden entgegennehmen und den Kassenbon per E-Mail versenden.

Ausweitung auf Europa beabsichtigt, Deutschland-Pläne offen


Das Angebot startete gestern mit ausgewählten Händlern in den USA, Canada, Australien und Hong Kong, wie das Technik- und SocialMedia-Blog Mashable berichtet. "Eine Ausweitung auf Europa ist geplant, ob PayPal Here auch nach Deutschland kommt, dazu können wir noch keine Angaben machen", erfuhr derhandel.de auf Anfrage von der PR-Agentur, die PayPal in Deutschland betreut.

PayPal Here kann zunächst als klarer Angriff auf Square gewertet werden, einen vergleichbaren Payment-Dienst des Twitter-Gründers Jack Dorsey, über den jährlich rund 4 Milliarden Dollar in den USA abgewickelt werden. Die Händlergebühren liegen bei PayPal Here mit 2,70 Prozent vom Umsatz um 0,05 Prozentpunkte unter denen von Square. Durch die Nutzung einer PayPal-Debitkarte kann die Gebühr auf 1,7 Prozent reduziert werden. Der Hardware-Dongle selbst wird kostenfrei zur Verfügung gestellt.

In Deutschland werden die Sparkassen für die girogo-Geldkarten ab Juni 2012 ebenfalls eine App für die mobile Kartenakzeptanz für Android-Smartphones herausbringen. Allerdings muss das Smartphone über einen NFC-Reader verfügen, um Abbuchungen von der kontaktlosen SparkassenCard durchführen zu können. Auch der Zahlungsdienstleister Concardis bietet seit längerem bereits eine iPhone-App für die mobile Kreditkartenakzeptanz im so genannten Mail-Order-Verfahren.

In der nun vorgestellten, amerikanischen Variante dürfte PayPal Here kaum mit dem in Europa inzwischen weit verbreiteten EMV-Sicherheitsstandard für Kreditkarten (Chip und PIN) vereinbar sein, dennoch ist der neue Dienst ein weiterer Beleg dafür, wie Ernst die eBay-Tochter ihre Ankündigung meint, Zahlungslösungen für den POS etablieren zu wollen.

Das Zusammenspiel der PayPal-App von Händler und Kunde


Richtig interessant wird PayPal Here, wenn der Kunde ebenfalls die mobile PayPal App nutzt. Für diese App stellte Donahoe am gestrigen Donnerstag ebenfalls eine Reihe von Neuerungen vor, die deutlich machen, welche Dynamik PayPal enfalten kann, wenn beide Seiten - stationärer Handel und Kunde - den Dienst als Zahlungsmethode nutzen. Der Kunde erhält beispielsweise eine Übersicht, welche Händler in seiner Umgebung PayPal am POS akzeptieren. Für den Händler eröffnet sich ein neuer Marketingkanal zum Kunden.

Auch die Zahlung per Sprachsteuerung soll auf diese Weise ermöglicht werden. Der Kunde meldet sich mit der App im Restaurant seiner Wahl an und weist sein Smartphone per Sprachbefehl zur Zahlung über PayPal an.

"Die Kunden ändern ihre Art einzukaufen und zu bezahlen", zitiert Mashable den eBay-CEO, "Händler suchen ein Technologie-Unternehmen, dem sie vertrauen können und das sind wir", so das Credo von Donahoe.

Die große Frage bei den Bemühungen von PayPal, ein übergreifendes Zahlungsverfahren für stationäre, mobile und Online-Zahlungen zu werden, ist allerdings, wie lange die etablierten Player, über deren Systeme die Transaktionen letztlich abgewickelt werden, dem Treiben zuschauen. Denn im Grunde wickelt PayPal im Hintergrund klassische Kreditkartenzahlungen oder Lastschriften ab. Ob die Kreditkartenorganisationen diese Form des Subacquirings dauerhaft dulden, ist ebenso fraglich wie das Stillhalten der Banken in punkto Lastschrifteinzug.

Angreifer und Verteidiger im Markt für Zahlungsverkehr


Auf dem CIBI Innovationstag des Forschungsinstituts ibi research am gestrigen Donnerstag in Münchnen diskutierten unter anderem der PayPal-Deutschlandchef Arnulf Keese und Wolfgang Adamiok, Leiter Kartenstrategie beim Deutschen Sparkassen und Giroverband (DSGV), über Angreifer und Verteidiger in der Welt des Zahlungsverkehrs.

"Ein Wettrennen, bei dem ich den Gegner auf den Schultern tragen muss, kann ich nicht gewinnen", kommentierte der Vertreter der Sparkassenorganisation die aktuelle Wettbewerbssituation. Es sei eines der größten Fehler der deutschen Kreditwirtschaft, für Lastschrift keine Gebühren zu erheben. Dies müsse jedoch kein Dauerzustand sein, wenn sich die Marktanteile im Zahlungsverkehr zu Lasten der Banken verschieben, so Adamiok.

Nach Schätzungen von Branchenkennern wickelt PayPal in Deutschland rund 90 Prozent aller Transaktionen über Lastschriften ab und zieht dafür vom Händler im Schnitt Gebühren in Höhe von 2 Prozent vom Umsatz ein.

Laut Arnuf Keese ist PayPal derzeit in 190 Ländern mit 25 verschiedenen Währungen aktiv und hat mit 106 Millionen aktiven Kunden im vergangenen Jahr eine Transaktionsvolumen von 118 Milliarden US-Dollar abgewickelt - 4 Milliarden davon für mobile Zahlungen.

In Deutschland hat PayPal rund 16 Millionen Kunden, jeder fünfte Euro im E-Commerce wird nach Unternehmensangaben von der eBay-Tochter abgewickelt. Zu PayPal Here konnte Keese auf der CIBI noch nichts verraten, da die Amerikaner eine Sperrfrist bis Donnerstagabend 20 Uhr verhängt hatten.  

Hanno Bender

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