Technik & Web

MPAYMENT | 05.12.2013

Rewe startet "still" mit Yapital-Handybezahlung

Die Rewe Gruppe hat die mobile Zahlungslösung Yapital in allen konzerneigenen Filialen freigeschaltet. Einkäufe können dort per QR-Code-Scanning mit dem Smartphone bezahlt werden.

Foto: Hanno Bender

Der Kunde soll entscheiden: Per Smartphone oder mit Karte bezahlen.

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Das Kassenpersonal weiß noch nichts von den neuen Möglichkeiten: "Nein, bei uns können Sie nicht mit dem Handy bezahlen", entgegnet die freundliche Kassiererin am frühen Freitagmorgen in einer Frankfurter Rewe-Filiale. Auch dem Kollegen von der Nachbarkasse sagt das Wort "Yapital" nichts.

Umso größer ist das Erstaunen der Beiden, als es dennoch funktioniert. Die Kassiererin muss lediglich eine Kartenzahlung initiieren, woraufhin der Kunde am Kartenlesegerät selbst per Knopfdruck entscheiden kann, ob er mit einer Karte oder mit "Yapital mobile" per Smartphone bezahlen will.

Auf dem kleinen Display des "Artema Hybrid"-Terminals erscheint in diesem Fall ein QR-Code mit dem Zahlbetrag und der Aufforderung "bitte scannen". Der Kunde muss dazu die Yapital-App auf seinem Handy aufrufen, eine PIN eingeben und dann den QR-Code vom Display einscannen, was selbst bei ungeübten Kandidaten recht rasch zum Erfolg führt: "Zahlung bestätigen", bittet die App zum Abschluss.

Rewe rechnet mit niedrigem Prozentsatz an mobilen Zahlungen


In sämtlichen Regiebetrieben der Rewe ist das mobile Paymentverfahren der Otto Group seit einigen Tagen funktionstüchtig. "Aktuell haben wir mit einer 'stillen Einführung' alle konzerneigenen Filialmärkte technisch aufgeschaltet", bestätigt Rewe-Sprecher Raimund Esser auf Anfrage von derhandel.de. "Der Roll out von Yapital bei den selbständigen Rewe-Kaufleuten steht noch aus, soll aber im nächsten Jahr starten."

Aus diesem Grund halten sich die Kölner mit einer aktiven externen Kommunikation auch noch zurück. Man rechne mittel- bis langfristig - gemessen am Gesamtvolumen der Zahlungstransaktionen - mit einem "niedrigen einstelligen Prozentsatz" von Zahlungen, die per Smartphone geleistet werden. 

"Grundsätzlich wird im Lebensmittelhandel unverändert in erster Linie mit Bargeld bezahlt", erläutert Esser. "Wir testen alternative Bezahlsysteme wie Yapital auf ihre Alltagstauglichkeit und vor allem auf die Akzeptanz durch unsere Kunden". Letztlich gehe es darum, zu erproben, ob und welche Alternativen die Kunden beim Bezahlen wünschen.

Foto: Hanno Bender

Der QR-Code auf einem herkömmlichen Artema Hybrid

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Für die QR-Code-Variante habe man sich entschieden, weil diese auf Softwarebasis mit den bestehenden, heterogenen Kassensystemen der Rewe ohne nennenswerte Investitionen und ohne zu erwartende technische Probleme überall realisiert werden kann, so Esser.

Technischer Dienstleister, der die Integration von Yapital an den Rewe-Kassen bewerkstelligt, ist POSPartner Gesellschaft für Kassensysteme mbH, die einen entsprechenden Showcase für PayPal- und Yapital-Zahlungen an Software- und Kartenterminals bereits im Frühjahr auf der EuroCIS zeigte (siehe dazu auch ein Video auf unserer Facebook-Seite).

Die Einführung einer neuen Kassenlösung im Weihnachtsgeschäft ist ungewöhnlich und lässt vermuten, dass das System bereits sehr robust läuft. Üblicherweise gilt die Zeit ab Ende November an den Kassen im Handel als "frozen zone" in der keinerlei Systemveränderungen durchgeführt werden.

Noch keine Kundenbasis für Yapital


Mit einem großen Ansturm an Kunden, die unbedingt mit Yapital im Supermarkt zahlen wollen, ist allerdings auch noch nicht zu rechnen. Das "Multichannel-Zahlverfahren", mit dem die Otto Group der ebay-Tochter PayPal Konkurrenz machen möchte, ist bislang weitgehend unbekannt und verfügt noch nicht über eine breite Kundenbasis.

Foto: Hanno Bender

Nach dem QR-Code-Scannen bestätigt die App die Bezahlung.

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Die Anzahl der registrierten Nutzer belief sich in der vergangenen Woche noch auf "weniger als 2.000", wie derhandel.de aus unternehmensnahen Kreisen erfuhr. Wer sich bei der Yapital-Hotline mit einem einigermaßen ungewöhnlichen Vornamen meldet, hat daher gute Chancen, gleich freundlich mit seinem Nachnamen begrüßt zu werden. Wettbewerber PayPal, der jüngst in Berlin mit dem iPad-Kassensystem Orderbird den Schritt an Restaurantkassen wagte, kann in Deutschland auf 12 Millionen angemeldete Kunden verweisen.

Am Donnerstag der kommenden Woche wird zudem Vodafone gemeinsam mit der Kreditkartenorganisation Visa den Start der "Vodafone Wallet" in Deutschland bekanntgeben. Die Konkurrenz im Wettlauf um mobile Paymentlösungen schläft also nicht. Nur auf den lang angekündigten Deutschlandstart von "MyWallet" der Telekom wartet die Branche bislang vergeblich. 

Hanno Bender


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