Technik & Web

MULTICHANNEL | 06.02.2013

ElectronicPartner steigt wieder in den Onlinehandel ein

Exklusiv: Jörg Ehmer, Sprecher des Vorstands von ElectronicPartner, erläutert im Interview die neue Onlinestrategie der Verbundgruppe und warum stationäre Händler den Kindle von Amazon verkaufen.

ElectronicPartner-Chef Jörg Ehmer. Foto: EP:

EP-Chef Jörg Ehmer im Gespräch über die Onlinestrategie der Verbundgruppe.

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Nachdem der EP:-Netshop im Jahr 2009 eingestellt wurde, wollen Sie nun wieder im Onlinehandel aktiv werden. Woher der Sinneswandel?
Wir beschäftigen uns permanent mit der Frage, wie wir zum Wohle aller Mitglieder am wachsenden Marktvolumen des E-Commerce partizipieren können. Eine Teil-Antwort darauf war die Minderheitsbeteiligung an Notebooksbilliger.de im vergangenen Jahr, eine andere war der Start der Internetplattform Plusanschluss.de im Dezember, mit der wir unseren Fachhändlern ermöglichen, ihr Serviceangebot im Netz zu vermarkten. Parallel dazu haben wir intensive Diskussionen in unseren Mitgliedsgremien darüber geführt, ob und auf welche Weise wir unter der Marke EP: wieder in den Onlinehandel einsteigen wollen. Gemeinsam mit Aufsichtsrat und Regionalbeiräten haben wir schließlich ein Grundkonzept erarbeitet, das allen EP:-Markenhändlern Ende 2012 in einer "Roadshow" vorgestellt wurde. Im Ergebnis haben wir eine sehr breite Zustimmung für die neue Lösung erhalten.

Und wie sieht diese Lösung konkret aus?
Wir werden anders vorgehen als beim Netshop, der ein zentraler Ansatz war, mit zentral festgelegtem Sortiment und Preisen. Stattdessen stellen wir interessierten EP:-Mitgliedern einen fertigen Onlineshop mit allem was heute dazugehört zur Verfügung. Jeder teilnehmende Händler entscheidet eigenständig über Sortiment und Preise in seinem Webshop. Das gewährleistet unseren Mitgliedern die größtmögliche unternehmerische Freiheit und die Möglichkeit, einen Internetauftritt zu entwickeln, der am besten zu ihrem individuellen Geschäft passt.

Wie viele der rund 700 EP:-Markenhändler werden Ihrer Einschätzung nach einen Onlineshop eröffnen?
Nach der ersten Resonanz gehe ich davon aus, dass es die überwiegende Mehrheit sein wird. Auf unserer Frühjahrsmesse werden wir einen Mustershop präsentieren und im Sommer werden die ersten Shops live gehen. Es wird aber auch Händler geben, die sagen: In meinem regionalen Markt brauche ich keinen Webshop. Und es wird Händler geben, die ihre Ware nicht versenden wollen und den Shop als virtuelles Schaufenster im Internet nutzen. Dort kann der Kunde sich dann Preise und Ware anschauen und gegebenenfalls online reservieren. Mit einem solchen Reservierungsservice machen wir bei unserer Fachmarktlinie Medimax bereits gute Erfahrungen.

Die Media-Saturn-Holding (MSH) und die Verbundgruppen Euronics und Expert sind im vergangenen Jahr mit Onlineshops gestartet, während Sie immer wieder mit der Aussage "Multichannel funktioniert nicht" zitiert wurden ...
Ich habe immer gesagt: Es gibt europaweit in unserer Branche kein Unternehmen, das stationär wie online gleichgewichtige Geschäftssäulen wirtschaftlich erfolgreich betreibt. Das sehe ich nach wie vor so. Gleichzeitig habe ich aber auch immer betont, dass wir den Markt sehr genau beobachten und im Fall des Falles schnell reagieren werden. Der Verkauf über das Netz ist für mich auch lediglich ein Aspekt unserer Onlinestrategie. Die Nutzung von Social Media, die Verlagerung der werblichen Kommunikation in das Internet oder das Angebot von Plusanschluss.de gehören ebenso dazu.

Warum aber sollte ein stationär erfolgreicher Fachhändler einen Onlineshop eröffnen und sich in Konkurrenz zu Amazon, redcoon und anderen Pure Playern stellen?
Um den veränderten Konsumentengewohnheiten Rechnung zu tragen. Der Kunde erwartet zunehmend auch von mittelständischen, regionalen Händlern, dass er sich außerhalb der Geschäftszeiten vom Sofa aus über Preise und Warenangebot informieren kann. Dazu sollen die EP:-Onlineshops in erster Linie dienen - zur Abrundung des stationären Angebots und Leistungsversprechens. Händler, die in diesem Spannungsfeld ihre Kernkompetenz aus dem Blick verlieren, werden vermutlich scheitern. Beim Großteil unserer Mitglieder wird der stationäre Handel ganz klar das Schwergewicht bleiben.

Foto: Screenshot

Mit Plusanschluss.de will EP Serviceangebote im Netz vermarkten.

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Im Internet zählt vor allem der günstigste Preis, der Rest - schnelle Lieferung, breites Angebot, unkomplizierte Retour - ist aus Kundensicht eine Selbstverständlichkeit. Können die EP:-Händler in diesem Wettbewerbsumfeld mithalten?
Man muss mit unserem Ansatz, dass der Onlinehandel ein zusätzliches, flankierendes Angebot zum stationären Geschäft ist, nicht der preisaggressivste Anbieter im Markt sein. Dem Preisvergleich mit Onlinehändlern muss sich der stationäre Fachhändler heute ohnehin stellen, die Preistransparenz ist eine Tatsache. Wir werden zudem Qualitätsstandards definieren, die alle EP:-Onlineshops gewährleisten müssen - wie wir dies auch im stationären Handel praktizieren.

Die MSH erntete in der Fachwelt Spott und Hohn, weil ihre lang angekündigten Webshops nicht den Erwartungen entsprachen. Wie wollen Sie dies verhindern?
Wir haben nicht den Anspruch, den bestmöglichen Onlineshop zu bauen, sondern wollen unseren Mitgliedern einen Shop zur Verfügung stellen, der ihre Bedürfnisse bestmöglich erfüllt. Die größtmögliche Reichweite erzielt man mit einem zentralen Shop - also mit zentralen Prozessen, einheitlichen Preisen und Sortimenten. Unser primäres Ziel ist ein anderes. Wir möchten, dass der einzelne Fachhändler profitiert, indem er sein individuelles Angebot ins Internet verlängert. Diese unternehmerische Freiheit macht das Wesen einer Verbundgruppe aus.

Stehen schon Dienstleister fest, mit denen Sie etwa beim Shopdesign, im Fulfillment oder im Zahlungsverkehr zusammenarbeiten wollen?
Nein. Wir haben die Grundsatzentscheidung getroffen, wieder in den Onlinehandel einzusteigen und uns auf ein Grundkonstrukt geeinigt. Nun definieren wir die Details und treiben die Realisierung voran. Auch über die Finanzierung wird intern noch diskutiert, wobei für uns als Verbundgruppe nicht der Gewinn, sondern eine gerechte Kostenverteilung im Vordergrund steht.

Wie passt die Minderheitsbeteiligung an Notebooksbilliger.de in Ihre Onlinestrategie?
Wir haben jüngst die kartellrechtliche Genehmigung zu der Beteiligung erhalten und gehen jetzt in die Gespräche mit unserem neuen Partner und der Industrie, um die beabsichtigten Einkaufsvorteile zu realisieren.

EP:-Händler und Notebooksbilliger.de machen sich doch künftig alle untereinander Konkurrenz ...
Das findet doch heute auch schon statt, ob ein EP:-Händler einen Webshop hat oder nicht. Ich glaube nicht, dass dieser Wettbewerb nun eine neue Dimension erfahren wird. Der Kunde kommt schon heute in das Geschäft und kennt die Preise aus dem Internet, damit muss ein Fachhändler professionell umgehen können.

War es auch die richtige Entscheidung, den Kindle über den Fachhandel zu verkaufen - das "trojanische Pferd von Amazon", wie mancher Beobachter meint?
Es war noch nie eine gute Idee, dem Kunden erklären zu wollen, was er kaufen darf und was nicht. Mittlerweile haben sich ja auch andere stationäre Händler dazu entschieden, den Kindle anzubieten. Und wie so oft: Diejenigen, die am Anfang kritisch waren, können nun gar nicht genug bekommen. Wir könnten mehr verkaufen, wenn Amazon besser liefern könnte.

Interview: Hanno Bender


Zum Unternehmen

Die Verbundgruppe ElectronicPartner hat in Deutschland rund 3.000 Mitglieder. 700 davon treten als EP:-Markenfachhändler auf, die -übrigen als EP:-Servicepartner oder unter eigener Marke. Darüber hinaus betreibt ElectronicPartner derzeit über 110 Medimax-Fachmärkte und vereinigt unter dem Dach comTeam IT-Systemhändler. Bereits 1999 eröffnete die Verbundgruppe als Multichannel-Pionier den EP:-Netshop, der 2009 eingestellt wurde. Im Dezember 2012 startete ElectronicPartner das Portal Plussanschluss.de, auf dem Endverbraucher Serviceleistungen buchen können. 1.000 Mitglieder haben sich für den Service bereits angemeldet. Dr. Jörg Ehmer (46) ist seit 2009 Sprecher des Vorstands von ElectronicPartner.

Dieses Interview ist in der Februar-Ausgabe des Wirtschaftsmagazin Der Handel erschienen. Ein kostenfreies Probeexemplar erhalten Sie hier.

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