Unternehmen & Märkte

ANWR-CHEF ALTHAUS | 28.12.2015

Die Maschine empfiehlt den Preis

"Im Handel der Zukunft geht es um Daten, Daten, Daten", sagt Günter Althaus, Vorstandschef der ANWR Group. Mit ihm sprachen wir über seine digitale Strategie, schwankende Schuhpreise wie an Tankstellen und seine neue Spielwiese Mücke.

28.12.2015
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Neue Digitalstrategie: Online funktioniert in der Verbundgruppe, sagt Günter Althaus, ANWR-Vorstandschef. Foto: Torsten Silz

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Herr Althaus, 2014 hat ANWR den Filialisten Mücke übernommen, die Integration ist längst nicht abgeschlossen. Warum haben Sie Mücke gekauft?

Mücke war bereits Mitglied bei uns. Die Regelung der Nachfolge war offen. Aufgrund der Größe des Unternehmens mit rund 120 Millionen Euro Jahresumsatz ließ sich das Ganze nicht einfach im Kreis der Mitglieder regeln. Weil wir Mücke auf keinen Fall verlieren wollten, haben wir selbst zugegriffen. Zudem bot das Geschäftsmodell von Mücke aus unserer Sicht viel Potenzial für die Weiterentwicklung der gesamten Unternehmensgruppe.

Wie soll die Integration Ihrer ersten eigenen Tochter konkret ablaufen?
 
Wir entwickeln ein Beteiligungsmodell in Form einer Aktiengesellschaft. In den ersten Monaten 2016 können sich die Mitglieder dazu erklären, ob sie Aktien der Mücke Beteiligungs AG kaufen wollen. Die neue Gesellschaft soll im Sommer 2016 entstehen, die Aktien werden Anfang 2017 ausgegeben.

Vor welche Herausforderungen stellt Sie die Integration von Mücke?
 
Stellen Sie sich einen beliebigen Ort vor, in dem es zehn Schuhgeschäfte gibt. Davon gehören statistisch gesehen sieben zu uns. Wenn wir uns bei einem dieser Händler engagieren, wie jetzt bei Mücke, treten wir gleichzeitig in den Wettbewerb zu unseren anderen Mitgliedern. 

Wie lässt sich dieser Konflikt lösen?
 
Durch das Beteiligungsmodell. Damit werden Händler zu direkten Miteigentümern von Mücke.

Was haben Sie denn mit Mücke vor?
 
Mücke ist im bestverstandenen Sinne unsere Spielwiese, ein Testfeld für neue Prozesse. Wir können Neues ausprobieren, um es im Erfolgsfall unseren Mitgliedern zu empfehlen.

Ein Unternehmen als Spielwiese, was kann man sich darunter vorstellen?
 
Kürzlich haben wir in Scheßlitz bei Bamberg unser neues Logistikzentrum in Betrieb genommen, nachdem wir mit dem Fraunhofer Institut neue Logistikprozesse für den Schuhhandel entwickelt hatten. Das Ganze haben wir bereits bei Mücke umgesetzt.

Was ist denn das Besondere an diesem neuen Logistikzentrum?
 
In Kalifornien haben wir uns die Zentrallogistik der US-Schuhherstellers Skechers angesehen. Von dort kann binnen eines Tages ganz Amerika beliefert werden. Diesem Vorbild folgen wir hier.

Lässt sich das auf Ihr Geschäft übertragen?
 
Ja. Zunächst geht es um die Bestandsaufnahme der Ware in der Zentrale und in den Läden. Es passiert extrem selten, dass ein Paar Schuhe in gleicher Farbe und Größe am selben Tag verkauft wird. Warum also sollte eine Filiale fünf identische Paare vorrätig haben? Wenn nun der Schuh in der einen Filiale fehlt, wird er üblicherweise aus einer anderen bezogen und geht dann zunächst an die Zentrale. So kann es passieren, dass der Schuh bis zu 14 Tage aus dem Markt ist.

Und diesen Umweg sparen Sie sich?
 
Ja. Habe ich in jeder Filiale nur ein Stück und bin in der Lage, binnen eines Tages von der Zentrale aus nachzuliefern, spare ich den ganzen Umweg und habe immer rechtzeitig die richtige Ware auf der Fläche. Das ist das Grundmodell der neuen Logistik. Der Warenbestand wird zentral gesteuert.

Ist nicht auch dort viel neue Technik nötig?
 
Wir arbeiten intensiv daran, die Warenprozesse anders zu steuern. Dazu gehört ein verstärkter Einsatz der Radiowellen-Technik RFID. Weiter


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