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BUCHHANDEL | 16.06.2012

"Non-Books" kurbeln Buchhändler-Umsatz an

Mit Hundeleinen, Fotoalben und Picknickkörben wollen die klassischen Buchhändler rückläufige Buchumsätze ausgleichen. Internet und E-Book  machen der Branche schwer zu schaffen.

Auch Thalia verkauft viel mehr als nur Bücher. Foto: Thalia

Auch Thalia verkauft viel mehr als nur Bücher. Foto: Thalia

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Vorbei sind die Zeiten, in denen die Kunden im Buchhandel an den Kassen Schlange stehen: Nur noch gut die Hälfte der Bücher werden im Laden gekauft. Viele ordern sie lieber bequem vom Computer zu Hause. Die Buchläden versuchen jetzt mit immer mehr Angeboten jenseits des gedruckten Worts ihren Umsatz anzukurbeln.

"Thalia ist inzwischen dafür bekannt, dem Kunden nicht nur Lesestoff anzubieten", erläutert Sprecherin Mirjam Berle. "Wer bei uns den neuen Bestseller kauft, der kann auch gleich ein Spiel für seine Kinder mitnehmen, der Oma eine Lesebrille oder der Nachbarin die neue Gewürzmischung von Schuhbeck." Dennoch bleibe das Buch bestehen und "wird immer den größten Teil unserer Läden füllen".

Branche im Umbruch


Wie die gesamte Branche mit derzeit knapp 7.000 Buchhandlungen ist auch die zum börsennotierten Konzern Douglas gehörende Thalia im Umbruch. Der Ausbau der ergänzenden Non-Book-Angebote sei da nur einer der vielen Bausteine. Dieses Segment habe bereits einen Anteil von gut 20 Prozent.

Ähnliches gibt auch das mit Weltbild kooperierende Branchenschwergewicht Hugendubel an, beteuert aber, meist "buchnahe Artikel" wie DVDs, Hörbücher oder Kalender in die Regale zu stellen. Neuerdings werden auch Spielwaren verkauft.

"Wie die gesamte Branche erleben auch wir Umsatzrückgänge im Buchbereich, die wir durch den Erfolg bei den Non-Books sehr gut kompensieren können", betont die geschäftsführende Gesellschafterin Nina Hugendubel.

Allein im vergangenen Jahr sank der Umsatz in den klassischen Buchhandlungen insgesamt um etwa drei Prozent. Und der Trend setzt sich fort, fürchtet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Allein bis Ende Mai dieses Jahres sei ein Umsatzminus von 5,6 Prozent verzeichnet worden.

Kleine Spezialisten im Vorteil


Viele Buchhändler können sich die teuren Mieten für ihre Riesenflächen in den Innenstadtlagen nicht mehr leisten. Besonders trifft es die großen Anbieter wie Thalia und Hugendubel, die sich den stationären Buchhandel in Deutschland weitgehend aufteilen - Thalia mehr im Norden, Hugendubel im Süden. Unter dem Dach der Finanzholding von Hugendubel und Weltbild sind auch Habel, Jokers, Weiland und die Wohltat'sche Buchhandlung vereint.

Die kleinen Bücherstuben können sich dagegen ganz gut mit speziellem Sortiment und Beratung über Wasser halten. Sie sind oft im Kiez verankert und haben ihr Stammpublikum. "Insgesamt müssen sich aber alle aus ihren klassischen Fußstapfen herausbewegen", betont Börsenvereinssprecherin Claudia Paul.

Erste Schritte sind erkennbar: Im Online-Shop von Hugendubel gibt es mittlerweile mehr als 20 Millionen Artikel zu kaufen. Zudem seien rund 220.000 elektronische Bücher im Angebot. Auch Thalia vertreibt online gut sieben Millionen Artikel und mischt im E-Book-Geschäft kräftig mit.

Standorte werden überprüft


Die digitalen Aktivitäten retten nicht unbedingt die analogen Geschäfte: Hugendubel hat in den vergangenen fünf Jahren sechs Läden geschlossen. "Wir überprüfen alle Standorte regelmäßig auf ihre Rentabilität", heißt es.

Die Hugendubel-Filiale am Potsdamer Platz in Berlin werde im kommenden Januar aufgegeben. Zudem würden die Filialen von Buch Habel in Krefeld und Neustadt mit "Auslaufen der Mietverträge" schließen.

Auch bei Thalia sind die Zeiten der starken Expansion und großen Ladenflächen vorbei. 15 der rund 300 Buchhandlungen seien in den nächsten zwei Jahren möglicherweise von Schließung bedroht. Es würden noch Lösungen wie Untervermietung oder Shop-in-Shop-Konzepte geprüft, betont Sprecherin Berle. Gleichzeitig würden zwar neue Läden eröffnet - so in Marburg oder Frankfurt, allerdings weniger als vor Jahren.

Ganz anders aufgestellt sieht sich Dussmann in Berlin. Das zur gleichnamigen Dienstleistungsgruppe gehörende Kulturkaufhaus hat keine Filialen und profitiert schon lange von seinem Multimediakonzept mit Büchern, Noten, CDs und DVDs. "Unsere Umsätze konnten wir halten", betont Sprecherin Bianca Krömer.

Außerdem lockt das Haus - wie auch schon viele andere Buchhandlungen - mit kulturellen Veranstaltungen zusätzlich Kunden an. "Jeden dritten Tag gibt es bei uns eine Lesung, Diskussionsrunde oder Konzert - und das alles bei freiem Eintritt", berichtet Krömer.

dpa

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