Unternehmen & Märkte

DIY-BRANCHE | 25.10.2012

Praktiker verliert kostbare Zeit

Praktiker büßt weiterhin Umsätze ein und bleibt in den roten Zahlen. Wichtige Führungsämter sind noch immer unbesetzt, ein klares Konzept ist auch unter dem neuen Vorstandschef noch nicht erkennbar.

Foto: Prakitker AG

Das operative Geschäft bleibt liegen.

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Im dritten Quartal 2012 hat der Praktiker-Konzern einen Umsatz von 758,2 Millionen Euro erzielt, 10,2 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs. Das betriebliche Ergebnis (EBITA) belief sich auf ein Minus in Höhe von 17,3 Millionen Euro. Dies teilte der Konzern am heutigen Donnerstag in einer Presseerklärung mit.

In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres belief sich der Konzernumsatz danach auf 2,3 Milliarden Euro, was einem Umsatzminus von 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Das betriebliche Ergebnis summierte sich in den ersten neun Monaten auf minus 88 Millionen Euro (Vorjahr minus 153,6 Millionen Euro).

Das Management war mit anderen Dingen beschäftigt


"Der Geschäftsverlauf im dritten Quartal war beeinflusst von außerordentlich schwierigen Rahmenbedingungen", versucht Armin Burger, seit 15. Oktober Vorstandsvorsitzender der Praktiker AG, die schlechten Zahlen zu erklären. "Zum einen war die Aufmerksamkeit des Managements in dieser Zeit überwiegend auf die Restrukturierung des Konzerns und die Sicherung der Finanzierung gerichtet. Zum anderen beeinträchtigten die im Berichtszeitraum noch unklaren Zukunftsaussichten vorübergehend die Beziehungen zu Lieferanten, die Warenverfügbarkeit war erheblich eingeschränkt", räumt der neue Vorstandschef ein.

Der langjährige Generaldirektor der österreichischen Aldi-Tochter Hofer kam auf Betreibern der Großaktionäre um Isabella de Krassny im August in den Aufsichtsrat der Praktiker AG und löste im Oktober den glücklosen Kay Hafner als Übergangs-Vorstandsvorsitzenden ab. Er ist der dritte Praktiker-Chef seit der Demission von Wolfgang Werner im Juli 2011.

Unklarheit über den weiteren Kurs


Ursprünglich war der ehemaligen Obi-Manager Andreas Sandmann von de Krassny für den Chefposten vorgesehen. Er hatte sein mit Klaus Günther (ehemals EDE) erarbeitetes Sanierungskonzept in den vergangenen Wochen auch den Investoren präsentiert, die hinter dem neuen Finanzierungskonzept stehen. Seine Berufung zum Vorstandschef scheiterte dem Vernehmen nach jedoch an den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat.

Sandmann hatte sein Drei-Säulen-Konzept auch auf der Hauptversammlung im Juli dieses Jahres vorgestellt, es sieht unter anderem die Umwandlung kleinerer Standorte in Franchisebetriebe vor. Dies stößt schon im Vorfeld auf den Widerstand der Arbeitnehmerseite. Nun wird erwartet, dass Sandmann alsbald zum Vertriebsvorstand von Praktiker ernannt wird.

Die Großaktionäre und Investoren um die Österreicherin de Krassny haben im Zuge ihrer Palastrevolte bislang den neuen Aufsichtsratsvorsitzenden sowie weitere Aufsichtsratsmitglieder und einen neuen Vorstandsvorsitzenden ernennen können, durchregieren können sie im Konzern offenbar dennoch nicht.

Für Irritation bei den neuen Kapitalgebern sorgte bereits, dass Armin Burger seine Amtsgeschäfte erst in dieser Woche aufnahm, obwohl er bereits zum 15. Oktober offiziell zum Vorstand bestellt worden war. Ob er Sandmann tatsächlich an seine Seite in den Vorstand holt, wissen derzeit nicht einmal mit den Verhandlungen eng vertraute Kreise. "Wenn nicht bald Klarheit über den weiteren Kurs herrscht und die operativen Themen nicht endlich angepackt werden, könnte einer der Großinvestoren sein Angebot wieder zurückziehen", warnt ein Insider.

Viele Antworten bleibt der Vorstand immer noch schuldig


Im Rahmen  einer Telefonkonferenz für Analysten am heutigen Vormittag kündigte Praktiker-Finanzvorstand Markus Schürholz an, dass man im Jahr 2014 wieder mit schwarze Zahlen rechne. Genaue Angaben zu den Kosten der Umflaggung von Praktiker auf Max Bahr blieb Schürholz den Analysten allerdings schuldig.

Auch zur Bereinigung des Auslandsengagements machte der CFO keine Angaben. Vorstand und das gesamte Management seien in den vergangenen Monaten vollends mit der Klärung der Finanzierung befasst gewesen, erklärte Schürholz seine Sprachlosigkeit. Diesen Fragen wolle man sich nun mit dem neuen Team um CEO Burger und Thomas Heinitz, seit 1. Oktober Vorstand für Einkauf, Marketing und Logistik, widmen.

Der ohnehin gebeutelte Aktienkurs der Praktiker AG gab an der Frankfurter Börse nach Veröffentlichung der Bilanzahlnen um mehr als 7 Prozent nach.

hb

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