Unternehmen & Märkte

DROGERIEMÄRKTE | 19.10.2012

Die Jagd nach Schlecker-Kunden

Nach der Pleite von Schlecker und IhrPlatz ist die Drogeriebranche mächtig in Bewegung. Drogerie- und Supermärkte wollen die Schlecker-Kunden an sich binden.

Schlecker ist Geschichte, nun wird um die Ex-Kunden gekämpft. Foto: Marcelo Crescenti

Schlecker ist Geschichte, nun wird um die Ex-Kunden gekämpft.

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Mit der Pleite von Schlecker und IhrPlatz ist auf dem Markt für Drogerieartikel jede Menge Freiraum entstanden. Von fünf nationalen Drogeriemarktketten sind jetzt mit dm, Rossmann und Müller nur noch drei am Start.

Bei ihrem Buhlen um die Kunden der früheren Konkurrenz werden sie flankiert von Supermärkten und Discountern, die auch ihren Teil vom Kuchen haben wollen. Im Moment sieht es so aus, als ob alle Beteiligten profitieren können - nicht zuletzt auch die Kunden.

Nach Einschätzung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) werden sich die ehemaligen Schlecker-Umsätze nach der Faustregel 40-40-20 verteilen. "40 Prozent der Kunden wandern zu anderen Drogeriemärkten ab, 40 Prozent zu Supermärkten und Fachhändlern wie Apotheken und Parfümerien und 20 Prozent zu Discountern", erläutert Handelsexperte Wolfgang Adlwarth.

Discounter und Supermärkte hätten bereits reagiert und ihr Drogerie-Sortiment deutlich aufgestockt.

Rossmann hat die Nase vorn


Schlecker hatte nach Ansicht von Adlwarth kaum Stammkunden, die nun eine neue Heimat suchen. "Die meisten haben dort nur im Vorbeigehen eingekauft, deshalb waren es oft auch nur kleine Bon-Summen."

Diese Kunden schätzt er als preisorientiert ein. "Deshalb wird wohl Rossmann stärker als dm von ihnen profitieren und die Discounter stärker als die Supermärkte", prognostiziert der GfK-Fachmann.

So schätzt auch Rossmann-Sprecher Stephan-Thomas Klose die Chancen beim "Buhlen um das wandernde Schlecker-Volk" ein. Deswegen hat das Unternehmen auch das Gesamtpaket IhrPlatz gekauft. Das bedeutet etwa hundert zusätzliche Filialen.

Rund 2.000 Mitarbeiter des früheren Konkurrenten wurden übernommen. Mit 1.760 Standorten ist Rossmann damit schon stärker in der Fläche vertreten als der Platzhirsch dm mit 1.345.

Beim Umsatz liegt Rossmann allerdings noch eine halbe bis eine Milliarde Euro hinter dm zurück. Mit der Neuordnung des Marktes könnte sich das allerdings ändern.

Noch hält Firmenchef Dirk Roßmann an seiner Devise fest, dass er gar nicht Branchenprimus werden will. "Es reicht mir, wenn die Nummer eins unseren Atem im Nacken spürt." Doch nach dem Ende des langjährigen Zweikampfs zwischen dm und Schlecker kündigt sich eine neue Zuspitzung in der Branche an.

dm bleibt gelassen


Die Nummer eins reagiert gelassen, kann der Vorsitzende der dm-Geschäftsführung, Erich Harsch, doch bereits die ersten Erfolge des "Schlecker-Effekts" vorweisen.

Das Unternehmen hat in den Monaten nach der Pleite des Konkurrenten Zuwächse bis zu 20 Prozent erzielt und den Umsatz in Deutschland über die Marke von fünf Milliarden Euro gehievt.

Unter den knapp 3.700 neuen Mitarbeitern sind etwa 800, die von Schlecker und IhrPlatz gekommen sind. Von den Filialen des ehemaligen Konkurrenten hat sich Harsch eine Handvoll Filetstücke herausgepickt, denn nur die großen Innenstadt-Läden sind für ihn interessant. Weitere will er mit Hilfe von Vermietern aus dem Rossmann-Paket herauslösen.

Preiswettbewerb weiter angeheizt


Von der GfK-Theorie der Schnäppchensucher hält Harsch nicht viel. "Wir waren bei vielen Produkten günstiger als Schlecker, also kann der Preis allein nicht entscheidend gewesen sein."

Auch Rossmanns Angriffslust macht ihn nicht nervös. "Unsere mengenstärksten Wettbewerber sind und waren schon immer Aldi und Kaufland. Erst dann folgen mit etwas Abstand die Lidl-Märkte und Rossmann."

Der Kampf um Marktanteile wird den Wettbewerb weiter zuspitzen, ist sich Kai Falk vom Handelsverband Deutschland (HDE) sicher. "Nach der Schlecker-Pleite verschieben sich die Gewichte sowohl innerhalb der Branche als auch zwischen den verschiedenen Anbietern."

Wer als Sieger vom Platz gehen wird, ist für Falk bislang offen. Einen Gewinner gibt es für ihn jedoch bereits: die Kunden. "Bei solchen Verteilungskämpfen gehen die Preise oft in den Keller."

Ingo Senft-Werner, dpa

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