Technik & Web

E-COMMERCE | 08.07.2012

Zalando bringt Schuhbranche unter Zugzwang

Aus dem Nichts zur ernsthaften Konkurrenz: Erst vier Jahre auf dem Markt, setzt Onlinehändler Zalando Branchengrößen wie Otto gehörig unter Druck. Jetzt wird die erste Umsatzmilliarde angepeilt.

Zalando-Werbespot. Foto:Zalando

Zalando-Werbespot: Die Kunden sind glücklich, die Konkurrenten besorgt.

+

Im ersten Halbjahr 2011 erzielte die Verkaufsplattform, hinter der die Samwer-Brüder als Investoren stehen, bereits mehr als 200 Millionen Euro Nettoumsatz. Bei Zahlen ist das Unternehmen zurückhaltend - erst recht, wenn es um Gewinne oder Verluste geht.

Mit rund 3.000 Mitarbeitern ist Zalando aber schon in halb Europa präsent, unter anderem in Frankreich, Italien, Spanien und den Niederlanden. Im Juli stehen Polen, Norwegen und Dänemark auf dem Expansionsplan. Angeblich peilt das Unternehmen jetzt die erste Umsatzmilliarde an.

Mit 15 Mitarbeitern gestartet


Im Oktober 2008 war Zalando mit 15 Beschäftigten in einem kleinen Berliner Büro gestartet. Mittlerweile werden online gut 100.000 Artikel und 1.300 Marken vertrieben, vorwiegend immer noch Schuhe. Mit Bekleidung und Heimtextilien wurde die Angebotspalette bereits erweitert.

Anfang 2013 ist in Erfurt die Eröffnung eines weiteren, 100 Millionen Euro teuren Lagers geplant. Schon in der ersten Ausbaustufe soll es eine Kapazität für mehr als acht Millionen Produkte haben.

Die Expansion neuer Mitspieler wie Zalando sorgt für Wirbel in der Versandhandelsbranche - auch der Platzhirsch, die Hamburger Otto Group, musste reagieren und will nun die Kosten und die Preise senken.

Auch Amazon will Schuhe verkaufen


Wie konnte Zalando aus dem Nichts zur ernsthaften Konkurrenz werden? "Wir betreiben relativ viel Aufwand, um immer alle relevanten Marken im Sortiment zu haben", heißt es offiziell. Im Hintergrund stehen freilich die Millionen der Samwer-Brüder, die Zalando mit einem überdimensionierten Marketingbudget zum Erfolg führen wollen.

Dass gerade Schuhe vor dem Kauf gerne anprobiert werden, scheint kein Nachteil für das Geschäft im Netz zu sein. Im Gegenteil: Der Kauf per Mausklick wird ausgerechnet bei klassischen Einzelhandelsprodukten wie Schuhen und Kleidung immer beliebter. Der Nachteil: hohe Retouren.

Im ohnehin schwierigen Schuhhandel wird der Wettbewerb ständig angeheizt. Im Online-Verkauf mischt seit Mai vergangenen Jahres auch der weltgrößte Internet-Händler Amazon mit. Mit einem ganzen Jahr Rückgabefrist und einer zweiwöchigen Tiefpreisgarantie sowie einem schnellen kostenlosen Versand versucht der US-Konzern, mit seinem neuen Shop Javari.de zu punkten.

Deichmann vertraut auf Multichannel


Dagegenhalten müssen die Traditionsunternehmen: Europas größter Schuhhändler Deichmann startete nach eigenen Angaben zwar schon im Jahr 2000 als erster mit einem Online-Shop. Im vergangenen Jahr musste das Essener Familienunternehmen aber sein Wachstumstempo insgesamt drosseln. Der Umsatz stieg zwar noch um fünf Prozent auf 4,13 Milliarden Euro - ohne neue Filialen hätte sich aber ein leichtes Umsatzminus ergeben.

Anders als Zalando und die anderen reinen Internet-Anbieter glaubt Deichmann weiterhin an den Vorteil der Filiale: "Der Kunde kann zwischen stationärem und dem Angebot im Internet pendeln", erklärt Sprecher Ulrich Effing. "Das heißt, er kann in einem der 1.200 Läden prüfen und schauen und anschließend online bestellen."

International betreibt Deichmann acht Onlineshops, vier weitere in Europa und den USA sollen in diesem Jahr folgen. Der Umsatz im Netz mache aber immer noch nur einen Bruchteil aus. Das Thema habe sicher Potenzial, sagt Effing, "allerdings setzen wir auch auf die sinnliche Erfahrung des Schuhkaufs, die vor allem weibliche Kunden lieben."

Onlinehandel wächst ungebremst


Von einem erneut zweistelligen Umsatzwachstum beim Onlinehandel insgesamt geht der Bundesverband des Deutschen Versandhandels aus. Wurden 2011 im E-Commerce fast 22 Milliarden Euro umgesetzt, könnten es in diesem Jahr mehr als 25 Milliarden Euro sein. 

Neue Impulse bekommt der Onlinehandel durch die Verbreitung von Smartphones, die immer häufiger zum "mobilen Einkaufen" benutzt werden. Das Kölner Handelsinstitut EHI rechnet damit, dass der Online-Umsatzanteil am gesamten Einzelhandel 2025 mehr als ein Viertel betragen könnte.

dpa/DH

Lesen Sie auch auf dem E-Commerce-Blog etailment: Hans-Otto Schrader, Otto Group - Gegen Zalando braucht es keine gesonderte Strategie

Anzeige

 


Diesen Artikel verlinken:
Twitter Facebook
LinkedIn

Impressum | Datenschutz | Kontakt

Copyright: Deutscher Fachverlag GmbH; Anregungen & Kommentare an info@derhandel.de
Credits: Konzept & Layout SamArt Gbr
Credits: Konzept, Projektmanagement, Programmierung und technische Realisation dfv Internet-Service

Twitter

Anzeige

 

Anzeige

 

Printausgabe

Der Handel 12/2014

Die neue Ausgabe vom Wirtschaftsmagazin Der Handel ist erschienen!

zum Inhalt »
Infos zum Abo »

 

RETAIL ROADSHOW 2015

Retail Roadshow

Erleben Sie die Local Heroes des
New Yorker Handels gemeinsam mit uns
vom 22-26. März 2015.
Infos und Anmeldung »

 

Weiterbilden. Netzwerken. Horizont Erweitern




Management-Kurse mit Hochschulzertifikat - praxisnah, auf wissenschaftlichem Qualitätsniveau

Zum Kursangebot »



Das Premium-Seminar zu aktuellen Themen der Branche - mit Hochschulzertifikat

Mehr Informationen »

 

Zahl des Monats