Finanzen & Karriere

SCHLECKER-INSOLVENZ | 02.10.2012

Edeka Südwest macht Schlecker-Frauen Angebot

Noch immer sucht das Gros der ehemaligen Mitarbeiter von Schlecker neue Jobs. Die Idee, Verkäuferinnen zu Pflegepersonal umzuschulen, greift nicht. Hoffnung macht dafür ein anderer Handelsbetrieb.

Schlecker, Foto: Crescenti

Schlecker: Edeka sucht Mitarbeiter

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Edeka Südwest ist dringend auf Suche nach neuem Personal - und umwirbt daher auch frühere Verkäuferinnen von Schlecker. "Wir sind bereit, die Leute auszubilden, auch wenn sie über 50 sind", sagte Harald Rissel, Chef der Handelsgesellschaft, der "Stuttgarter Zeitung".

Da im Einzelhandel derzeit Vollbeschäftigung herrsche sei es schwer, neue Mitarbeiter zu finden. Doch Edeka suche händeringend Personal.

Rissel sagte zudem, dass Edeka Südwest erheblich von der Insolvenz der früheren Drogeriekette Schlecker profitieren würde, sagte Rissel. Seit dem Ende des schwäbischen Discounters habe Edeka zwölf Prozent mehr Drogerieartikel verkauft.

81 von 23.000 haben eine Fortbildung absolviert


Weniger erfreulich verläuft hingegen die Umsetzung des Plans von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, aus Schlecker-Mitarbeitern, Fachkräfte für Pflegeheime und Kindertagesstätten zu machen. Kaum eine der 23.300 arbeitslosen Schlecker-Frauen hat sich bislang für diesen Weg entschieden. Bis Ende September hätten bundesweit lediglich 81 der früheren Beschäftigten der Drogeriemarktkette überhaupt eine Aus- oder Fortbildung absolviert.

Nur ein Bruchteil davon wiederum lasse sich derzeit zur Erzieherin oder Altenpflegerin umschulden, teilte ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag mit und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der "Süddeutschen Zeitung".

Die Idee von der neuen beruflichen Perspektive


Nach dem Aus der insolventen Drogeriemarktkette hatte sich vor allem von der Leyen dafür stark gemacht, den arbeitslosen Schlecker-Frauen eine neue berufliche Perspektive in Pflegeheimen und Kindertagesstätten zu bieten. Die Arbeitsagenturen würden den Frauen vollwertige Umschulungen in diesen Mangelberufen anbieten, hatte die Ministerin zusammen mit BA-Chef Frank-Jürgen Weise im Juni in Berlin angekündigt. Eine solche Beschäftigung böte vor allem vor Schlecker-Frauen in strukturschwachen Gebieten einen Neuanfang.

Nach Angaben der Bundesagentur erschweren derzeit vor allem gesetzgeberische Hürden den Ausbildungsstart arbeitsloser Schlecker-Frauen. Die Fachschulausbildungen zur Erzieherin und zur Altenpflegerin dauerten drei Jahre. "Nach dem Sozialgesetzbuch III dürfen Arbeitsagenturen aber nur maximal zweijährige Ausbildungen fördern", erläuterte ein BA-Sprecher. Ausbildungswillige ehemalige Schlecker-Beschäftigte müssten also das dritte Jahr ihrer Ausbildung aus der eigenen Taschen bezahlen, wozu anscheinend nur wenige Frauen bereit seien.

Wer übernimmt die Kosten?


Derzeit werde geklärt, ob unter Umständen die Bundesländer die Kosten für das dritte Ausbildungsjahr übernähmen. Dazu hätten sich bislang bereits drei Bundesländer - Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz - bereiterklärt. Zudem gibt es nach Angaben des BA-Sprechers Überlegungen, die von Fachschulen angebotenen dreijährigen Ausbildungen für bestimmte Bewerber auf zwei Jahre zu verkürzen. Diese neuen Ausbildungsgänge müssten aber erst noch von den Länder zertifiziert werden, bevor sie angeboten werden könnten.

Von den ursprünglich 23.300 arbeitslos gemeldeten früheren Schlecker-Mitarbeiterinnen sind bundesweit noch immer 14.000 auf Arbeitssuche. Eine neue Stelle hatten nach Bundesagentur-Angaben bis Ende September 7.100 gefunden. Dies sind 1200 mehr als noch Ende August. Weitere 2.100 hätten sich aus anderen Gründen, etwa wegen Krankheit, Rentenbezug oder aus familiären Gründen nicht länger arbeitslos gemeldet.

Viele der noch unvermittelten Schlecker-Beschäftigten sind nach Informationen aus dem BA-Verwaltungsrat älter als 50 Jahre, hätten keine abgeschlossene Ausbildung oder seien alleinerziehend.

dpa

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