Unternehmen & Märkte

FABRIKVERKAUFSZENTREN | 07.10.2012

FOC-Flut: Sorge um die Innenstädte

Die Zahl der Designer Outlet Center wird sich Schätzungen zufolge in den kommenden fünf Jahren verdoppeln. Einzelhandelsexperten beobachten den jüngsten Boom der Center in Deutschland und dem grenznahen Ausland mit Sorge.

Foto: Designer Outlet Soltau

Dorfplatzatmosphäre: Das Designer Outlet Soltau öffnete Ende August.

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Luxusmode zwischen künstlichem Fachwerk, Zinnen und bunten Türmchen zum Schnäppchenpreis. Zwischen Ostsee und Alpen locken immer mehr Outletdörfer zum günstigen Einkauf. Allein in den vergangenen Wochen öffneten gleich drei solcher Fabrikverkaufszentren in Ochtrup, Soltau und zuletzt bei Neumünster in Norddeutschland.

Dort bieten knapp 70 Geschäfte auf rund 15.000 Quadratmetern Designerklamotten und Sportartikel an. Bundesweit gibt es derzeit gut zehn solcher Konsumtempel. In den kommenden fünf Jahren soll sich ihre Zahl nach bisherigen Planungen verdoppeln. Einzelhandelsexperten befürchten eine Verschärfung des Wettbewerbs.

Kleine kitschige Dörfer


Die meisten Outletcenter liegen im Einzugsgebiet großer Ballungsgebiete, oft verkehrsgünstig in der Nähe von Autobahnen. Die Betreiber bauen sie als kleine kitschige Dörfer mit pittoresken Klinkerhäuschen und fast mediterran anmutenden Plätzen. Vielerorts karren auch Reiseunternehmen kauflustige Besucher an. Der Trend kommt eigentlich aus den USA. Dort gibt es solche Freiluft-Malls schon lange.

Für die Hersteller sind sie ein zusätzlicher Vertriebskanal, über den sie günstig Markenware der letzten Saison oder mit kleinen Fehlern verhökern können. Ihr einstiges Schmuddelimage haben die Outletgeschäfte schon längst abgestreift. Und auch für die Ladenbetreiber ist das Geschäft lukrativ: Sie müssen nur wenig in den Ladenbau und Personal investieren. Meist ist Selbstbedienung angesagt.

In Deutschland ist erst seit kurzem ein Boom zu beobachten. Lange leisteten die Kommunen Widerstand aus Angst, ihre Innenstädte könnten durch die Konkurrenz auf der grünen Wiese veröden. Daher entstanden in den vergangenen Jahren auch viele Outletcenter in den Grenzgebieten der Nachbarländer - unter anderem in Tschechien, Frankreich, der Schweiz und Österreich, berichtet das Handelsinstitut EHI in Köln. "Die Betreiber setzen dort auf die kaufkräftigen Deutschen", betont Trendforscher Marco Atzberger.

Besucher geben im Schnitt 300 Euro aus


Nach Einschätzung von Experten locken die Outletdörfer pro Jahr jeweils zwischen 1,5 und 3 Millionen Besucher an. Auch wenn nicht alle zum Einkaufen kommen - die Schnäppchenjäger geben im Schnitt gut 300 Euro in den Läden aus. Allein ins "Wertheim Village" in Baden-Württemberg kamen im vergangenen Jahr gut 2,2 Millionen Menschen. Das Outletcenter im bayerischen Ingolstadt gilt als besonders beliebt bei Einkaufstouristen aus den arabischen Emiraten.

"Deutschland ist viel dichter besiedelt als beispielsweise die USA", erklärt Michael Reink vom Handelsverband HDE. Er befürchtet einen noch härteren Wettbewerb - vor allem im Textilhandel - zu Lasten der Geschäfte in den Stadtzentren. Schon die jetzt bestehenden Outletcenter machten sich gegenseitig Konkurrenz. Das liege auch an ihrem riesigen Einzugsbereich mit einem Radius von um die 100 Kilometer. Angesichts der Planungen frage man sich, woher die ganze Kaufkraft noch kommen soll. "Der Euro wird nur einmal ausgegeben", sagt Reink.

Doppelt soviel Einkaufsfläche wie Großbritannien


Nach Berechnungen des EHI hat Deutschland schon jetzt mit gut 1,3 Quadratmetern pro Kopf fast doppelt soviel Einkaufsfläche wie beispielsweise Großbritannien. Viel Kaufkraft werde zudem von den teils ebenfalls vor den Stadttoren angesiedelten Shoppingcentern abgeschöpft. Derzeit gebe es bundesweit 444 solcher Einkaufszentren mit einer Gesamtverkaufsfläche von 14 Millionen Quadratmetern. Die derzeit zehn Outletdörfer haben zusammen eine Fläche von 160.000 Quadratmetern.

Nach HDE-Angaben werden neue Fabrikverkaufzentren unter anderem am Hermsdorfer Kreuz in Ostdeutschland, in Montabaur in Rheinland-Pfalz, in Selb in Bayern sowie in Duisburg und Remscheid geplant. Im schleswig-holsteinischen Neumünster hat der Betreiber des neuen Outletcenters, McArthurGlen, rund 5,9 Millionen Konsumenten aus dem Umkreis im Visier. Zudem sollen die zahlreichen Ost- und Nordseeurlauber dorthin gelockt werden.

dpa

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