Unternehmen & Märkte

KARSTADT-INSOLVENZ | 15.05.2010

Karstadt-Mitarbeiter fürchten, ein zweites Mal "zu bluten"

Während der Bieterpoker um Karstadt weitergeht, machen sich die Mitarbeiter überall in der Republik Sorgen um ihre Arbeitsplätze. Die Gewerkschaft Verdi geht davon aus, dass das Personal weitere Abstriche machen muss.

Protest von Karstadt-Mitarbeiter in Berlin 2009: Foto: S. Engelhardt

Protest von Karstadt-Mitarbeiter in Berlin 2009: Freude über aufmunternde Bemerkungen

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Irgendwann platzte den Karstadt-Mitarbeitern in Duisburg den Kragen - und sie gingen auf die Straße, um zu protestieren. Sie schimpften lauthals über die Entscheidung der Stadt, keinen Steuererlass für Karstadt zu gewähren. Sprüche wie "Duisburg schafft neue Arbeitslose" waren auf den Plakaten der erzürnten Belegschaft zu sehen.

Der Karstadt-Insolvenzplan hängt am seidenen Faden: Weigern sich 15 Kommunen weiterhin, auf die Gewerbesteuer des Unternehmens zu verzichten, platzt der Deal des Insolvenzverwalters mit dem Interessenten Triton. Dann droht dem Unternehmen die Zerschlagung.

Während die Mitarbeiter in Duisburg ihren Unmut Luft machten, bangen die Belegschaften anderer Häuser im Stillen um die Arbeitsplätze. Die Stimmung ist gedrückt - etwa in Münster, wo die zuständige Verdi-Funktionärin nach einer Betriebsversammlung der Lokalzeitung sagte, dass der Belegschaft klar sei, dass "auch die nächsten Tage und Wochen nicht einfach werden."

"Werden nochmals bluten müssen"


"Vielleicht werden wir ein weiteres Mal bluten müssen, obwohl wir schon einschneidende Tarifkürzungen haben hinnehmen müssen", sagte Michael Richter, Betriebsratsvorsitzender der Filiale in Harburg, dem "Hamburger Abendblatt". Diese Einschätzung teilen viele seiner Kollegen.

Die Beschäftigten haben im Rahmen des Insolvenzplans bereits Konzessionen in Höhe von 150 Millionen Euro gemacht, weitere Zugeständnisse kamen hinzu. Der potenzielle Käufer Triton will dem Vernehmen nach trotzdem bis zu 5.000 Jobs streichen.

Die Gewerkschaft Verdi lehnte weitere Opfer der Karstadt-Beschäftigten ab. Doch Triton will die Senkung der Gehälter um 8 Prozent länger im laufenden Sanierungstarifvertrag beibehalten. Zudem will der Investor die Gehälter erfolgabhängig bezahlen. Auf der anderen Seite sollen jährlich 10 bis 15 Millionen Euro in die Schulung und Qualifikation der Mitarbeiter investiert werden.

Warten und Bangen


Das Warten auf eine Entscheidung fällt der Belegschaft schwer. Viele Karstadt-Mitarbeiter würden sich in dieser Situation über eine aufmunternde Bemerkung der Kunden freuen, sagte der Betriebsratsvorsitzende der Essener Karstadt-Filiale, Detlef Find, auf einer Kundgebung.

Das klingt recht unbeholfen und drückt die Ohnmacht der Betriebsräte aus. Doch viel mehr als Hoffen und Bangen bleibt ihnen derzeit nicht.

Eine Chronik der Karstadt-Krise finden Sie hier.

mar

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