Mittwoch 23.05.2012
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Wer lädt sich Karstadt auf? Das Bieterrennen ist nach wie vor offen
Die Frist dafür war bereits mehrfach verlängert worden. Nach einem Rückzug Berggruens bliebe den Karstadt-Mitarbeitern nur noch die Hoffnung auf den italienischen Warenhaus-Betreiber Maurizio Borletti, der weiterhin Interesse an einer Übernahme zeigt.
Brüderle fordert "soliden Deal"
Die Bundesregierung erhöhte am Wochenende nochmals den Druck auf die Beteiligten, schließt aber eine Einmischung des Staates weiter aus. "Vermieter und Mieter müssen jetzt ihre Hausaufgaben machen und sich einigen. Das ist deren Verantwortung", sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) der Zeitschrift "Wirtschaftwoche".
Berggruen und Highstreet dürften nicht weiter die Nerven der Mitarbeiter strapazieren, sondern müssten zu einem "soliden Deal" kommen. "Der Staat kann und wird nicht Teil dieses Deals sein", betonte Brüderle.
Der Minister betont stets, dass sich die Politik aus der Karstadt-Rettung heraushalten solle. Darüber zerstritt er sich regelrecht mit seiner Kabinettskollegin und Ursula von der Leyen (CDU). Die Bundesarbeitsministerin engagiert sich seit Monaten stark für den Erhalt des insolventen Warenhauskonzerns.
Ein Berggruen-Sprecher sagte der "Bild am Sonntag", er rechne mit einem "professionellen Abschluss der Transaktion". Die Gewerkschaft Verdi fordert Highstreet mit einer Flugblatt-Aktion auf, "endlich grünes Licht für die Zukunft von Karstadt" zu geben.
Unterstützung aus NRW
Nach Informationen der "Wirtschaftswoche" erwägt der neue nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD), bei den beteiligten Banken zu intervenieren. Investor Berggruen hatte hier mehrfach die Politik um Vermittlung gebeten.
Hinter dem Highstreet-Konsortium stehen unter anderem die US-Investmentbank Goldman Sachs und die Deutsche Bank. Deren Vorstandsmitglied Jürgen Fitschen hatte nochmals Unterstützung der Bank für Berggruens Konzept zugesichert und sich für eine Einigung optimistisch gezeigt.
Berggruen hatte zuvor die Rolle der Bank in dem nicht enden wollenden Verfahren kritisiert und ihr undurchsichtige Interessen vorgehalten. Allerdings hatte der Investor auch Erfolge in Gesprächen mit verschiedenen Gläubigern des Immobilienkonsortiums vermeldet. So erzielte er mit der Valovis-Bank eine Einigung.
Keine Socken, mehr Schmuck
Berggruens Widersacher Borletti legte in der vergangenen Woche ein geringfügig verändertes Angebot vor, das bei Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg jedoch auf wenig Begeisterung stieß. Der Italiener will 100 Millionen Euro für die Warenhauskette zahlen, sollte der Deal mit Berggruen doch noch scheitern.
Der Unternehmer aus Mailand sagte der Tageszeitung "Die Welt", Teil seiner Strategie für die Karstadt-Warenhäuser sei es, die Erdgeschosse von Koffern und Socken zu befreien und dort mehr auf Schmuck, Kosmetik und Produkte für Gelegenheitskäufe zu setzen.
Er werde sowohl eigenes Geld investieren als auch wohlhabende Familien mit ins Boot holen. Borletti hatte erst nach Abschluss des offiziellen Bieterverfahrens sein Interesse bekundet.
Der Warenhausbranche insgesamt stehen nach Einschätzung des Kölner Marktforschungsunternehmens IBH Retail Consultants schwere Jahre bevor. Bis 2015 rechnen die Experten laut dem Bericht der "Wirtschaftswoche" bestenfalls mit einer Stagnation.
Im schlechtesten Fall könnte der Branchenumsatz auf 10,7 Milliarden Euro sinken - sechs Milliarden Euro weniger als noch im Jahr 2000.
dpa/ges
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