Unternehmen & Märkte

KAUFHOF-VERKAUF | 13.11.2011

Gruppe um Ex-Karstadt-Chef will Kaufhof übernehmen

Ein Konsortium um Ex-KarstadtQuelle-Chef Wolfgang Urban will für Kaufhof mitbieten. Derweil dämpft Metro-Chef Cordes Erwartungen, wonach der Verkauf schon dieses Jahr stattfinden könnte.

Kaufhof-Filiale: Bieterrennen wird immer spannender. Foto: Kaufhof

Kaufhof-Filiale: Bieterrennen wird immer spannender. Foto: Kaufhof

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Als Chef von KarstadtQuelle hat Wolfgang Urban legendäre Auftritte bei Pressekonferenzen hingelegt: Seine im Stakkato vorgetragenen Reden verkündeten oft ausschweifende Umsatzpläne für mehrere Jahre, auf kritische Fragen der Journalisten reagierte er oft barsch und fast beleidigt.

Nun ist Urban wieder da: Neben Karstadt-Investor Nicolas Berggruen und dem österreichischen Immobilienunternehmer René Benko will auch ein Konsortium um den Ex-KarstadtQuelle-Chef die 109 Waren- und 15 Sporthäuser erwerben. Dies meldete die "Bild am Sonntag".

Ein Metro Sprecher bestätigte die Nachricht gegenüber dpa: "Herr Urban hat uns das Angebot eines deutschen Konsortiums zukommen lassen", sagte er. Vergangene Woche habe Urban ein Übernahmeangebot für die 2,4 Milliarden Euro schwere Kaufhof-Kette eingereicht.

Urban nannte der Zeitung erste Details: "Das Angebot stammt von einem Konsortium großer deutscher Unternehmerfamilien. Wir wollen 51 Prozent von Kaufhof übernehmen, bei Bedarf auch 100 Prozent". Die Metro AG könne laut Urban mit 49 Prozent Minderheitsgesellschafter beim Kaufhof bleiben.

Wolfgang Urban ist ein alter Bekannter, denn er hat seine Karriere beim Kaufhof begonnen. 1995 stieg er zum Vorstandssprecher auf, 1998 wechselte er dann zur Holding des Versandhauses Quelle, die ein Jahr später mit Karstadt verschmolz. 2000 wurde er Vorstandsvorsitzender von KarstadtQuelle. Aus "gesundheitlichen Gründen", wie es damals hieß, räumte der Manager er 2004 vorzeitig seinen Posten.

"Sitzen noch nicht am Verhandlungstisch"


Kaufhof wird jedoch nach Einschätzung des scheidenden Metro-Chefs Eckhard Cordes voraussichtlich nicht mehr in diesem Jahr den Besitzer wechseln. "Wir sind dabei, die Angebote zu prüfen. Wir sitzen aber noch nicht am Verhandlungstisch", sagte Cordes in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Mit Interessenten für den Kaufhof gebe es viele Detailfragen zu klären, beispielsweise die Eigentumsverhältnisse bei den einzelnen Häusern. "Das müssen sie alles wissen, bevor sie überhaupt zum Geld kommen", verdeutlichte Cordes die Sicht von Interessenten.

Die Metro AG ihrerseits müsse als Verkäuferin sicher sein, dass Erwerber den Kaufpreis in Milliardenhöhe stemmen werden, und dies auch schriftlich bestätigt erhalten.

Berggruen-Interesse macht Verkauf komplizierter


Der Kaufhof-Verkauf sei auch deshalb nicht einfach, weil mit Berggruen ein direkter Konkurrent auf den Plan getreten sei. In dem Verkaufsverfahren gehe es immerhin um sehr intime Unternehmensdaten bis hin zu Zahlen einzelner Standorte.

"Ich sage nicht, dass wir mit Berggruen keinen Deal machen können, aber wir sollten erst dann volle Transparenz und Einsicht in unsere Bücher geben, wenn wir sicher sind, dass wir mit ihm auch einen Deal machen können", meinte der Metro-Chef.
Mit Signa sei man ebenfalls im Gespräch und habe der Gruppe um Signa-Gründer und Mehrheitsaktionär René Benko eine "gewisse Transparenz" in Bezug auf den Kaufhof gewährt.

Es habe nicht nur zu Benko, sondern auch zu Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking Kontakte gegeben, der einem Pressebericht zufolge im Fall der Kaufhof-Übernahme durch Signa in den Aufsichtsrat der Warenhauskette einziehen soll.

Cordes "nicht unter Zugzwang"


Beim Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof seien Einschnitte in die Filialnetze zu erwarten. Die Metro habe 2010 beim Interesse an einem Teil der Karstadt-Filialen geprüft, ob in der Folge auch einige Kaufhof-Filialen zu schließen gewesen wären, sagte Cordes im Rückblick.

Eine Kombination habe damals Sinn ergeben. Metro gehe es aber heute nur noch um einen Verkauf, nicht mehr um weitergehende Überlegungen.

Unter Zugzwang sieht sich der Vorstandschef, der Beobachtern zufolge noch in diesem Jahr bei der Metro ausscheiden könnte, nicht. "Der Kaufhof wird auch 2011 ein Ergebnis über dem des Vorjahres haben", betonte er.

dpa, mar

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