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MARKETING | 30.08.2012

Kultusministerium stoppt Rewe-Aktion

Rewe wollte heute eine Million Äpfel an Grundschüler austeilen und sie beim Reinbeißen fotografieren. Doch die Werbeaktion habe an Schulen nichts zu suchen, entschied das hessische Kultusministerium. 

Die Rewe-Apfelaktion an Grundschulen wurde untersagt. Foto: Rewe

Die Rewe-Apfelaktion an Grundschulen wurde untersagt. Foto: Rewe

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Eigentlich ist gegen die Idee gar nichts einzuwenden: Die Rewe-Supermärkte wollten am heutigen Donnerstag im Rahmen ihrer "Nachhaltigkeitswoche" rund eine Million Äpfel an deutsche Grundschüler austeilen und sie so für gesundes Obst begeistern.

Unter dem Slogan "Gemeinsam Gutes tun" sollten sie alle um 11 Uhr werbewirksam vor Fotografen ins Obst beißen – also mitten im Unterricht. Für jeden "angebissenen" Apfel wollte Rewe 10 Cent an SOS-Kinderdörfer in Ghana spenden.

Doch als die Eltern der Grundschüler aus Flugblättern von der Aktion erfuhren, wunderten sich einige über die Werbeaktion an Schulen. So auch Matthias Tampe-Haverkock aus Biebertal.

Haverlock sitzt für die Piratenpartei im Gießener Kreistag und schrieb einen Offenen Brief an die hessische Kultusministerin Nicola Beer (FDP), die Schulämter und den Landeselternbeirat. Kinder würden den Schulen "nicht als Werbeträger ausgeliehen", hieß es darin. Ministerin und Ämter sollten die Kampagne stoppen.

Kultusministerium stoppt Aktion


Das tat das hessische Kultusministerium auch: "Werbung hat an Schulen nichts zu suchen", bestätigte dessen Sprecher Christian Henkes der "Frankfurter Rundschau". Das Schulgesetz erlaube Sponsoring nur in engen Grenzen.

"Wir haben nichts gegen gesunde Ernährung, und dazu gehören auch knackige Äpfel. Aber morgens um 11 Uhr findet Unterricht statt. Ein Unternehmen kann nicht einfach eine Schulapfelpause einführen", so der Sprecher.

Bei der geplanten Rewe-Aktion habe laut den Juristen des Kultusministeriums trotz der "karitativen Begleitumstände" doch der "werbende Charakter eindeutig im Vordergrund" gestanden. Das sei mit dem Bildungs- und Erziehungsauftrag in den Paragrafen 2 und 3 des Hessischen Schulgesetzes nicht vereinbar.

Denn Schulleiter dürfen zwar geschäftliche Werbung zulassen, aber in sehr engen Grenzen: Wenn sie zum Beispiel erhebliche Zuwendungen von einem Unternehmen bekommen haben, dürfen sie darauf hinweisen. Aber darüber hinaus ist Produktwerbung ausdrücklich nicht zulässig.

Rewe: "Gezielte Negativkampagne"


Medienberichten zufolge hatten Leiter von rund 500 Schulen in der Bundesrepublik  der Aktion zugestimmt. Die Eltern sollten ihre Zustimmung auf dem Vorab-Blatt geben.

Rewe macht denn auch die "gezielte Negativkampagne der hessischen Piratenpartei" für das Scheitern der Aktion verantwortlich, die für Verunsicherung gesorgt habe. Deshalb finde das große Apfelessen nun den ganzen Tag in den Rewe-Märkten statt, aber nicht an den Grundschulen. 100.000 Euro will das Handelsunternehmen trotz des ganzen Ärgers an SOS-Kinderdörfer spenden.

Sybille Wilhelm

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