Donnerstag 09.02.2012
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Unternehmen & Märkte

Die Bauern protestierten gegen die Preissenkungen im Handel
In den Sog des Schlagabtausches, der sich hauptsächlich in den unteren Preislagen abspielt, gerieten auch einige Markenartikel. Für das neue Jahr halten Experten weitere Preisrunden für möglich. Der Trend zeigt allerdings deutlich nach oben.
Im Durchschnitt verbilligten sich Nahrungsmittel 2009 bis Ende November um 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie aus Übersichten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht.
Milch &Co wurden teurer
2009 konnten die Verbraucher aber auch den gegenteiligen Trend feststellen: Preise rauf bei Milch, Butter und Quark. Ganz still und leise drehte Aldi im November bei diesen Produkten die Preisschraube deutlich nach oben - und die anderen großen Lebensmittelhändler zogen mit. So war frische Vollmilch im November gut 5 Prozent teuer als im Oktober. Für Butter mussten die Verbraucher gut 11 Prozent mehr auf den Tisch legen.
Die Preise fahren Achterbahn. Nach Einschätzung des Deutschen Bauernverbandes spielt dabei auch die Wirtschaftskrise eine Rolle. Den guten Ernten 2008 und 2009 sowie der hohen Milchproduktion stand nach Einschätzung der Bauern eine schwächere Nachfrage gegenüber. Aus unterversorgten Weltmärkten mit steigenden Preisen sei im Sommer 2008 ein Überangebot mit fallenden Preisen geworden.
Große Handelsketten versuchten, mit kürzeren Vertragslaufzeiten solche Schwankungen schneller zu nutzen. "Früher gab es Jahreskontrakte. Heute geht die Entwicklung hin zu Halbjahres- und Vierteljahreskontrakten", beobachtet Udo Hemmerling, Fachbereichsleiter für Wirtschaft beim Deutschen Bauernverband.
Kürzere Vertragslaufzeiten
"Die Vertragszyklen sind kürzer geworden und die Preisschwankungen größer", erklärt auch Discountexperte Matthias Queck die zahlreichen Preissenkungswellen in diesem Jahr. Weitere könnten 2010 folgen, wenn Rohstoffpreise niedrig bleiben. Aldi besitze mit seinen schlanken Kostenstrukturen den größten Spielraum für Preissenkungen.
Dass die großen Lebensmittelketten die Preise nahezu gleichzeitig verändern, sei mit dem harten Konkurrenzkampf und professionellen Dienstleistern für die Preisbeobachtung zu erklären. "Preisattacken verpuffen sehr schnell, wenn alle anderen Unternehmen innerhalb von 24 Stunden Paroli bieten", so Queck.
Keine Gewinner im Handel
Wer profitiert davon? Die Preissenkungsrunden haben im Handel keine Gewinner, meinte die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie schon vor einigen Monaten. Das Einkaufsverhalten habe sich bisher nicht wesentlich verändert. Die Industrie leide unter einem starken Preis- und Ertragsdruck durch den Handel, bekräftigte der Verband im Dezember.
Die Verhandlungsmacht sei ungleich verteilt. 75 Prozent des Lebensmittelumsatzes in Deutschland entfielen auf die 5 größten Handelsunternehmen. Auf Industrieseite kämen die 100 größten Firmen auf einen Marktanteil von 40 Prozent.
Als klare Verlierer stehen hingegen die Milch- und Ackerbauern da. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner spricht von einem desaströsen Wirtschaftsjahr. Das Einkommen der Haupterwerbshöfe insgesamt brach im Durchschnitt um knapp ein Viertel auf 34.400 Euro ein. Milchviehhalter protestierten in diesem Jahr oft und lautstark - bis hin zum Hungerstreik vor dem Kanzleramt.
Milchseen und Butterberge
Wie stark der Milchmarkt 2009 in Schieflage geraten war, zeigen die neuen Milchseen und Butterberge. Zur Stützung der Milchpreise wurden in Deutschland von März bis August mit EU-Gelder 63.000 Tonnen Magermilchpulver und 9.300 Tonnen Butter aufgekauft und eingelagert.
Ohne diese Entlastung wäre der Auszahlungspreis für die Landwirte auf
17 oder 16 Cent je Liter Milch abgestürzt, schätzt der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter. So blieb er über der 20-Cent-Marke. Durch die Preiserhöhungen bei Milch und Butter steige der Auszahlungspreis im Dezember zwar auf schätzungsweise 26 bis 27 Cent je Liter. Für ein nachhaltiges Wirtschaften sind aber aus Sicht der Milchviehhalter 40 Cent je Liter erforderlich.
Sofortprogramm, trotz knapper Kassen
Die schwarz-gelbe Koalition hat sich trotz leerer Kassen zu einem Sofortprogramm von 750 Millionen Euro für die gebeutelten Landwirte durchgerungen. Hinzu kommen EU-Hilfen in Höhe von 57 Millionen Euro.
Ein Großteil der Gelder sollen den Milchbauern zu Gute kommen. Der Chef des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter, Romuald Schaber, bemängelt, dass das Sofortprogramm die Auswirkungen der Krise abfedert, aber nicht die Ursache beseitigt, nämlich das Ungleichgewicht im Milchmarkt. "Diese Chance hat man leider wieder einmal verpasst."
Doch eine staatliche Mengensteuerung oder ein Einfrieren der EU-Milchquoten ist längst vom Tisch. Die weltweite Nachfrage jedenfalls steigt, prognostiziert Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU). Für die Verbraucher heißt es 2010 wohl, dass die Milch weiter teurer wird.
Volker Danisch und Marc-Oliver von Riegen, dpa
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