Unternehmen & Märkte

LEBENSMITTELHANDEL | 01.02.2010

Discounter verlieren weiter Marktanteile

Ausgerechnet die preisagressiven Lebensmittelhändler erleben ein Umsatzdesaster. Die Grenzen ihres Wachstums haben sie erreicht. Gegen Aldi werden es die Konkurrenten aber schwer haben.

Die Discounter erreichen ihre Wachstumssgrenzen. (Foto: Mira Schleinig)

Die Discounter erreichen ihre Wachstumssgrenzen.

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500 Gramm Kaffee für 2,95 Euro und Halbfettmargarine für 77 Cent - mit Preissenkungen von bis zu 40 Prozent lockte Lidl seine Kunden zum Wochenende. Penny kündigte gestern an, die Preise für Butter drastisch zu senken. Und auch Aldi will Branchenkennern zufolge demnächst bei Butter und Mineralwasser den Rotstift ansetzen. Allein in diesem Jahr lieferten sich die Discounter bereits zwei Preissenkungsrunden. 

Umsatzdesater beim Discounter-Primus


Nach einer jüngsten Erhebung des Nürnberger Marktforschers GfK erleben ausgerechnet die preisaggressivsten Lebensmittelhändler derzeit ein Umsatzdesaster. Laut GfK-Daten, über die die "Wirtschaftswoche" in ihrer jüngsten Ausgabe berichtet, verharrte im vergangenen Jahr Lidls Anteil am 150 Milliarden Euro schweren Lebensmittelmarkt bei 9,8 Prozent und verzeichnete gerade mal ein Wachstum von 0,1 Prozent.

Den Erzrivalen Aldi traf es allerdings noch härter: Sein Marktanteil schrumpfte von 19 auf 18,4 Prozent. Zugleich sank der Umsatz um vier Prozent. Das dürfte der heftigste Einbruch in der Firmengeschichte des Discounter-Primus sein.

Wachstum beim Sortiment ausgereizt


Für diese Entwicklung sieht GfK-Spezialist Wolfgang Twardawa gleich mehrere Gründe. Nicht nur der Preisdruck drücke auf die Umsätze, auch das Geschäft mit der Aktionsware laufe schon lange nicht mehr gut. Die Deutschen seien mit Kochtöpfen und Bohrmaschinen einfach überversorgt. Das zeigten auch die Retouren und Restverkäufe.

Außerdem seien das Wachstum in der Fläche und beim Sortiment völlig ausgereizt. "Jeder Haushalt in Deutschland kann mit dem Auto innerhalb von zehn Minuten einen Discounter erreichen", sagt der Konsumforscher der Deutschen Presse-Agentur dpa. Höchstens Aldi könnte noch einen kleinen Schub erfahren mit seinen neuen Brotbackautomaten, die der Billigmarkt im Herbst einführte - zunächst aber nur an wenigen Orten.

Mittelschicht geht zu Vollsortimentern


Massive Verschiebungen hat es auch beim Klientel gegeben: Die Discounterstammkunden, die schon immer auf den Preis achteten, müssen aufgrund der Wirtschaftskrise den Gürtel noch enger schnallen und kaufen weniger ein, beobachtet Twardawa.

Die gehobene Mittelschicht hingegen, die von den Billigmärkten in den vergangenen Jahren mit gehobenerem Angebot wie Serrano-Schinken und italienischen Rotwein massiv umworben wurde, wandert immer mehr zu den Vollsortimentern von Rewe und Edeka ab. "Dort bekommen sie mittlerweile beides, das Billigsegment und die hochwertigen Markenprodukte", betont Twardawa.

Discounter wachsen nur im Ausland


Gut 42 Prozent Marktanteil haben die rund 15.000 Discounter derzeit im hartumkämpften Lebensmitteleinzelhandel. Verschärft hat sich der Wettbewerb noch durch den aufstrebenden Edeka-Discounter Netto.

Nach Beobachtungen des Handelsinformationsdienstes Planet Retail haben beispielsweise Aldi Süd und Nord mit ihren zusammen knapp 4.300 Filialen kaum noch Spielraum und wachsen höchstens im Ausland. Doch dort gibt es strategische Probleme. "Insbesondere in Osteuropa wird kaum etwas verdient", sagt Twardawa.

Kein Image in Osteuropa


Während Aldi in Deutschland eine lange Geschichte und ein Image habe, müsse dies in Polen, Tschechien oder Bulgarien erst noch aufgebaut werden. Auch gebe es gerade in diesen Ländern, wo nicht jeder Haushalt über ein oder gar zwei Autos verfügt, ein anderes Nahversorgungsprinzip.

Ob es eine Fortsetzung des Preiskampfes vom vergangenen Jahr geben wird, als es insgesamt zwölf Preissenkungsrunden gab, "ist schwer vorherzusagen", betont Twardawa. Sollten die Weltwirtschaft und damit die Rohstoffpreise wieder anziehen, werde es für weitere Preissenkungen kaum Luft geben.

"Aldi hat den längsten Atem"


Angesichts der guten Ausgangsposition von Aldi könnte es für die Konkurrenz eng werden. Durch striktes Kostenregime weisen die Billigfilialen der Gebrüder Karl und Theo Albrecht als einzige Umsatzrenditen von rund vier Prozent aus und könnte damit gut abwarten, wie sich die Konkurrenzten untereinander zerreiben. "Aldi hat den längsten Atem. Da liegen bei Rewe und Edeka die Nerven durchaus blank", beobachtet der Gfk-Experte.

Maren Martell, dpa

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