Mittwoch 19.06.2013
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Woher weht der neue Wind? Die Hauptversammlung wird es zeigen.
Der frühere Finanzvorstand Olaf Koch stellt sich erstmals als Vorstandsvorsitzender den Fragen der Aktionäre. Und dass die Erwartungen hoch sind, zeigte sich schon in den vergangenen Monaten.
"Seine Aufgabe ist, neben dem Abarbeiten der Baustellen im Metro-Konzern, die Stärkung des operativen Geschäfts und die Abkehr von öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzungen, die der Reputation schaden", sagte die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jella Benner-Heinacher.
Kaufhof-Verkauf liegt auf Eis
Die erste wichtige Entscheidung traf Koch schon im Januar, als er den Verkauf der Warenhauskette Kaufhof vorerst auf Eis legte. Dieses Projekt hatte sein Vorgänger Eckhard Cordes mit Nachdruck verfolgt. Koch machte aber bereits mehrfach deutlich, dass der Kaufhof-Verkauf nur auf unbestimmte Zeit aufgeschoben, aber nicht aufgehoben sei.
Beim Lebensmittelhändler Real ist noch keine Entscheidung über einen Verkauf, Teilverkauf oder Verbleib im Düsseldorfer Konzern gefallen. Unter Führung von Koch will Deutschlands größter Handelskonzern aggressiver um die Gunst der Verbraucher werben. Mit niedrigeren Preisen soll der Umsatz wieder angekurbelt werden.
Arbeitsplatzabbau in der Zentrale
Den Spielraum dafür sollen Einsparungen schaffen. Nachdem millionenschwere Preissenkungen im ersten Quartal 2012 zu roten Zahlen geführt hatten, steht ein weiterer Arbeitsplatzabbau bevor. In Gewerkschaftskreisen wird befürchtet, dass ungefähr 500 bis 800 Stellen im Düsseldorfer Verwaltungskomplex des Handelskonzerns vom Rotstift bedroht sind.
Koch zeigte sich bei den Quartalszahlen Anfang Mai überzeugt, dass der Konzern 2012 wieder ein operatives Ergebnis auf Vorjahreshöhe erreichen werde. Für seine Strategie, die Metro auf einen profitablen Wachstumskurs zu führen, hat er die Rückendeckung der Großaktionäre Haniel und Schmidt-Ruthenbeck. Sie stehen zu ihrer Metro-Beteiligung und dem gemeinsamen Poolvertrag, der ihnen die Mehrheit sichert.
Im Metro-Konzern sind neben den gleichnamigen Großhandelsmärkten die Elektronikketten Media Markt und Saturn eine wichtige Säule. Im Streit mit Media-Saturn-Minderheitsgesellschafter Erich Kellerhals um Vetorechte versuchte Koch jüngst, die Wogen zu glätten. "Die Dinge müssen geklärt werden, aber am besten so sachlich und diskret wie möglich", sagte er in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Der anstehende Gerichtstermin im Juni vor dem Oberlandesgericht in München hat aber weiter Bestand.
Kaufzurückhaltung in Europa belastet den Konzern
Zur Abstimmung steht auf der Hauptversammlung eine Umstellung des Geschäftsjahres, dass künftig am Stichtag 1. Oktober beginnen soll. 2013 würde es damit ein Rumpfgeschäftsjahr für die Monate Januar bis September geben. Durch die Umstellung soll das Weihnachtsgeschäft nicht mehr von Inventuren behindert werden. Der Vorstand kann zudem eine belastbarere Prognose treffen, wenn die umsatzstarken Monate Oktober, November und Dezember am Anfang des Geschäftsjahres stehen.
Der Konzerngewinn war 2011 um ein Fünftel auf 741 Millionen Euro gesunken. Die Staatsschuldenkrise in Europa, hohe Arbeitslosigkeit und Sparprogramme in vielen Ländern führten zu Kaufzurückhaltung. Dennoch sei der um Sonderfaktoren bereinigte operative Gewinn mit einem Rückgang von nur 1,8 Prozent auf 2,37 Milliarden Euro fast auf Vorjahresniveau gehalten worden, betonte Koch zur Bilanzvorlage. Die Dividende je Stammaktie soll daher stabil bei 1,35 Euro bleiben.
In der Metro-Hauptversammlung geht es auch um Personalien. Nach einem Machtkampf hatten im Oktober Cordes und Aufsichtsratschef Jürgen Kluge ihren Rückzug bekanntgegeben. Der neue Aufsichtsratschef Franz Markus Haniel war im November gerichtlich zum Mitglied des Kontrollgremiums bestellt worden. Er will nun in den Aufsichtsrat gewählt werden und dessen Vorsitz erneut übernehmen. Außerdem will der Finanzchef des Duisburger Mischkonzerns Haniel, Florian Funck, für Bernd Pischetsrieder in das Kontrollgremium der Metro einziehen.
dpa
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