Unternehmen & Märkte

LEBENSMITTELHANDEL | 22.10.2012

Migros hat mit Tegut viel vor

2012 war für Tegut "Jahr des Aufräumens." Aber mit Migros als neuem Besitzer heißt der Anspruch: wachsen. Jeder Deutsche soll künftig in einem Tegut-Markt einkaufen können, ist die Losung.

Tegut-Filiale, Foto: Tegut

Tegut-Filiale: Von Pinselkosmetik bis Revitalisierung

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Nach der Übernahme durch die Schweizer Migros will die Supermarktkette Tegut nach Süddeutschland expandieren. "Bayern und Baden-Württemberg - wir wollen uns in diese Richtung ausbreiten. Das entspricht der Logik unserer Wachstumsstrategie", sagte Tegut-Chef Thomas Gutberlet am Unternehmenssitz im hessischen Fulda. Noch könne er aber kein detailliertes Konzept nennen, bis wann wo wie viele Filialen öffnen sollen.

Klar ist: Die Eidgenossen wollen einen zweistelligen Millionen-Betrag bis 2015 in Tegut investieren. So wollen sie auf dem hartumkämpften deutschen Markt Fuß fassen, mit einem etablierten Marken-Namen. Der Schweizer Branchenprimus hatte vor kurzem bekanntgegeben, sich die Handelssparte von Tegut zum Jahreswechsel komplett einzuverleiben - dem starken Franken sei Dank.

Kaufpreis wird auf 250 Millionen Euro geschätzt


Zum Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die "Neue Zürcher Zeitung" schätzte den Preis für die Übernahme auf bis zu 300 Millionen Franken (knapp 250 Millionen Euro). Das Schweizer Wirtschaftsmagazin "Bilanz" geht von bis zu 250 Millionen Franken aus. Ende Oktober tagt der Migros-Genossenschafts-Bund, um den Kauf abzusegnen. Mit kartellrechtlichen Problemen werde nicht gerechnet, sagte Gutberlet.

Dass Migros viel vor hat in Deutschland, kündigten die Eidgenossen bereits bei einem Besuch am Tegut-Unternehmenssitz an. Das Ziel: bundesweite Expansion, von Fulda aus als Deutschland-Zentrale. Der Chef von Migros Zürich, Jörg Blunschi, sagte laut "Fuldaer Zeitung", jeder Deutsche solle künftig in einem Tegut-Supermarkt einkaufen können.

2012 wurden bisher 25 Märkte geschlossen


Auch Handelskenner wie Michael Gerling sehen darin ein schlüssiges Szenario. Der Geschäftsführer des Euro-Handelsinstituts EHI in Köln sagte kürzlich der "Frankfurter Rundschau": "Ein Unternehmen vom Rang einer Migros kommt nicht nach Deutschland, um dauerhaft ein regionaler Anbieter zu bleiben."

Tegut, benannt nach Firmengründer Theo Gutberlet, setzt indes seine Umstrukturierung fort. "2012 war bereits ein Jahr des Aufräumens", erklärte Thomas Gutberlet. Bislang seien in diesem Jahr 25 Märkte dicht gemacht worden. Fünf weitere sollen voraussichtlich folgen. Tegut hat dann noch etwa 280 Filialen. Geschäfte gibt es bislang in Hessen, Thüringen, Nordbayern, Göttingen und Mainz. Für die gesamte Tegut-Gruppe arbeiten 6.400 Menschen. Der Umsatz lag 2011 bei 1,17 Milliarden Euro.

Zum Vergleich: Die Migros, bestehend aus zehn regionalen Genossenschaften mit mehr als 83.000 Mitarbeitern, hatte zuletzt einen Umsatz von 21 Milliarden Schweizer Franken verzeichnet.

Tegut-Jobs sollen sicher bleiben


Dass bei der Übernahme Personal abgebaut wird, müssen die 5.000 Mitarbeiter der Tegut-Handelssparte offenbar nicht befürchten. Wie Tegut-Chef Thomas Gutberlet verspricht auch der Betriebsrats-Chef Harald Bottin: "Niemand läuft Gefahr seinen Job zu verlieren. Die Verunsicherung darüber ist mittlerweile auch gewichen."

Bottin sagte: "Ich sehe dem kommenden Jahr positiv entgegen. Es ergeben sich viele Chancen in der Zusammenarbeit mit der Migros. Allein wäre viel weniger Wachstum möglich gewesen."

Mehr Eigenmarken


Für die Kunden soll sich zunächst nichts ändern, sagt Tegut-Sprecherin Andrea Rehnert: "Tegut bleibt Tegut." Doch das Sortiment werde schrittweise ergänzt. Migros will freilich auch seine Eigenmarken in Deutschland verkaufen. Schließlich machen die Schweizer damit einen großen Teil ihres Umsatzes.

Migros-Zürich-Chef Jörg Blunschi verkündete zu den Veränderungen in der Tegut-Filiallandschaft "Fuldaer Zeitung": "Bei dem einen brauchts nur eine Pinselkosmetik, bei dem nächsten muss man Mobiliar umstellen, und bei einem Dritten brauchts eine Revitalisierung."

Bio-Schwerpunkt soll bleiben


Migros plane im nächsten Jahr zwei bis drei Filialen als Pilotmärkte auszustatten. Das Profil von Tegut - derzeit mit einem 30-Prozent-Anteil von Bio-Produkten im Sortiment - soll dadurch nicht verwässert werden. Tegut gilt schließlich als einer der Vorreiter für Bio in Supermärkten. "Wir werden bestimmt nicht unsere eigenen Stärken schwächen", betont Bottin.

Aber auch dem Betriebsrats-Chef ist klar: "Wir sind der Steigbügelhalter für den größeren Migros-Einstieg auf dem deutschen Markt." In Deutschland wächst der Lebensmittelhandel stärker als in der Schweiz.

dpa

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