Unternehmen & Märkte

NECKERMANN-ENDE | 27.09.2012

Die Neckermann-Chronik: Abbauen und abspringen

Für Neckermann gibt es keine Zukunft mehr. Ein Rückblick auf die Vergangenheit voller Höhen und Tiefen des Traditionsversenders.

Neckermann wird abgewickelt. Foto: Neckermann

Neckermann wird abgewickelt. Foto: Neckermann

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Der Versandhändler Neckermann.de mit rund 2.000 Beschäftigten ist am Ende. Das Unternehmen wurde 1950 in Frankfurt am Main als Neckermann Versand KG gegründet.

Der Kaufmann Josef Neckermann hatte bereits in der Nazi-Zeit mit Hilfe des NS-Regimes mehrere Textilgeschäfte jüdischer Kaufleute übernommen. Wegen seiner Regimenähe durfte er in der unmittelbaren Nachkriegszeit zunächst nicht wirtschaftlich aktiv sein.

Erste Krise in den 70er Jahren


Die nach der Gründung 1950 immer dicker werdenden Kataloge mit preisgünstigen Textilien, Radios und großen Elektrogeräten waren bald wie die der Wettbewerber Otto oder Quelle in fast jedem Haushalt zu finden. Neckermann stieg zudem ins Reisegeschäft ein, verkaufte Fertighäuser und Versicherungen und betrieb auch eine Kaufhauskette.

In den 1970er Jahren geriet das Stammhaus in die Krise und wurde 1977 mehrheitlich von der Karstadt AG übernommen, die später mit dem Versandhändler Quelle fusionierte.

Ein Rückblick auf die jüngere Vergangenheit



2006: Aus der Neckermann Versand AG wird Neckermann.de. Die Umbenennung steht für den neuen Fokus auf Online-Versandhandel.

2007: Das Unternehmen wird mehrheitlich an den US-Investor Sun Capital verkauft, ein Stellenabbau folgt.

2010: Nach der Pleite des KarstadtQuelle-Nachfolgers Arcandor übernimmt Sun Capital auch die übrigen Anteile an Neckermann.de. Der Versandhändler hat sich nach Verlusten mit einem starken Wachstum im Online-Geschäft wieder berappelt.

April  2012: Das Unternehmen will mehr als jede zweite Stelle streichen, verabschiedet sich aus dem schrumpfenden Kataloggeschäft und will nun voll auf den Online-Handel setzen. Es war 2011 Berichten zufolge zurück in die Verlustzone gerutscht. 1.380 Jobs sollen entfallen, der größte Teil am Stammsitz in Frankfurt. Das Logistikzentrum in Frankfurt, das vor allem Textilien ausliefert, soll dichtgemacht, das Eigentextilsortiment und die Kataloge sollen eingestellt werden. Gewerkschaft Verdi und Betriebsrat reagieren entsetzt. Sie wollen in Verhandlungen mit der Unternehmensleitung möglichst viele Arbeitsplätze erhalten.

Mai 2012: Der Betriebsrat legt ein grobes Konzept zum Erhalt Hunderter Arbeitsplätze vor. Er will entgegen den Plänen der Geschäftsleitung am eigenen Textilangebot festhalten. Das Logistikzentrum in Frankfurt könne zum Online-Dienstleister für stationäre Textilketten werden. Geschäftsleitung und der Finanzinvestor Sun Capital lehnen das Alternativkonzept nach Angaben der Gewerkschaft jedoch ab.

Juni 2012: Die Gewerkschaft Verdi verlangt einen Tarifvertrag, in dem ein Sozialplan und eine Beschäftigungsgesellschaft geregelt sind. Eine erste Verhandlungsrunde mit dem Unternehmen endet ergebnislos. Die Beschäftigten reagieren mit Streiks.

Juli 2012: Neckermann.de beantragt Insolvenz. Der Eigentümer, der US-Finanzinvestor Sun Capital, stellt keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung. Der Investor hält eine nach schwierigen Verhandlungen erzielte Lösung zwischen Management und Gewerkschaft Verdi zum geplanten Stellenabbau für nicht tragfähig.

September 2012: Der letzte Interessent ist abgesprungen. Damit wird das Unternehmen zum 30. September dieses Jahres geschlossen. Der potenzielle Investor habe wie zahlreiche andere Interessenten letztlich abgewunken, teilte die vorläufige Insolvenzverwaltung mit. Der finanzielle Aufwand sei wegen des lange Jahre entstandenen Investitionsstaus im zweistelligen Millionenbereich zu groß gewesen.

dpa

Bildergalerie: "Neckermann - Ein Traditionsversender baut ab"

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