Unternehmen & Märkte

NECKERMANN-INSOLVENZ | 26.09.2012

Neckermann: "Viele Tränen, kaum noch Hoffnung"

Angeblich verhandelt der Insolvenzverwalter noch mit einem Investor für Neckermann. Doch niemand weiß, wer der geheimnisvolle Interessent ist. Die Mitarbeiter bereiten sich auf den Jobverlust vor.

Neckermann steht vor dem endgültigen Aus. Foto: Neckermann

Neckermann steht vor dem endgültigen Aus

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Bei Neckermann geht es dem Ende entgegen. Das Management des insolventen Unternehmens leitete am Mittwoch die Abwicklung zum kommenden Montag (1. Oktober) ein, obwohl angeblich noch Verhandlungen mit einem letzten Investor laufen.

Den meisten der mehr als 2.000 Beschäftigten am Stammsitz Frankfurt am Main und in Heideloh in Sachsen-Anhalt droht von nächster Woche an die Arbeitslosigkeit.

Informiert wurden die Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung. Das von den Arbeitsagenturen ausgezahlte Insolvenzgeld reicht nur noch für die Gehälter in diesem Monat. Nach dem Ausstieg des US-Investors Sun Capital kann der Versender die Löhne und Gehälter nicht mehr aus eigener Kraft zahlen.

Insolvenzverwalter mit Restoptimismus


Das 1950 von Josef Neckermann gegründete Traditionsunternehmen, das später zum Handelskonzern Arcandor gehörte und in Neckermann.de umbenannt wurde, steckt seit vielen Jahren in der Krise. Es gelang nicht, sich gegen die immer stärkende werdende Konkurrenz im Online-Handel durchzusetzen.

Bildergalerie: "Neckermann - Ein Traditionsversender baut ab"

Der Schritt zur Abwicklung sei aus insolvenzrechtlichen Gründen notwendig gewesen und bedeute noch nicht das endgültige Aus für Neckermann, erläuterte die Insolvenzverwaltung.

Die Abwicklung habe eingeleitet werden müssen, damit sie rechtzeitig bei den Ämtern ankommt und keine Nachteile für die Beschäftigten entstehen. "Dies dient insbesondere dem Schutz der Rechte der Arbeitnehmer", sagte der Wirtschaftsanwalt Joachim Kühne von der Kanzlei CMS Hasche Sigle.

"Investor muss schnell handeln"


Die Verhandlungen mit dem letzten Interessenten stünden wegen der drohenden Abwicklung unter einem erheblichen Zeitdruck. "Der Investor muss schnell handeln, damit er mit Neckermann weiter wirtschaften kann", betonte Kühne.

Die Investorengespräche beziehen sich ausschließlich auf die Kerngesellschaft Neckermann.de. Über Namen und Konzepte des angeblich letzten Interessenten gibt es weiterhin keine Informationen.

Am Dienstag hatte sich ein anderes Bieterkonsortium zurückgezogen, berichteten die Insolvenzverwalter. Die Interessenten hätten sich nicht zu einem Einstieg entschließen können. Für Neckermann hatten sich rund 200 potenzielle Investoren interessiert, aber letztlich die Finger davon gelassen. 2009 war der weit größere Versandhändler Quelle, der ebenfalls zu Arcandor gehörte, abgewickelt worden.

Die Gewerkschaft Verdi rechnet für den Fall der Abwicklung damit, dass ab Montag nur noch an die 200 Menschen bei Neckermann beschäftigt sein werden. Sie würden für die dann noch notwendigen Arbeiten benötigt, sagte der Frankfurter Verdi-Handelssekretär Bernhard Schiederig. Die Stimmung bei der Betriebsversammlung sei sehr gedrückt gewesen: "Es gab viele Tränen und kaum noch Hoffnung."

Amazon sucht Personal unter Neckermann-Beschäftigten


Die Arbeitsagentur hat die Beschäftigten über die nächsten Schritte informiert und ihre Daten erfasst. Einige Betroffene haben bereits neue Anstellungen gefunden. Auch die rund 50 Auszubildenden sind bereits in anderen Betrieben untergebracht. Am Dienstag hatte es bei einer Jobbörse im Neckermann-Gebäude zahlreiche Kontakte zu möglichen neuen Arbeitgebern gegeben.

Unter den 18 Firmen war auch der Versandhändler Amazon, der unter anderem für sein Distributionslager im osthessischen Bad Hersfeld neue Leute suchte. Laut Verdi hat die Lebensmittelkette Rewe bereits Personalbogen an Interessenten ausgegeben.

Logistik längst am Ende


Von der Entscheidung zur Abwicklung sind die Teilgesellschaften Neckermann.de GmbH, die Neckermann Logistik GmbH und die Neckermann.Contact Heideloh GmbH in Sachsen-Anhalt betroffen.

Verdi geht insgesamt von mehr als 1.800 Beschäftigten in Frankfurt und 300 in Heideloh aus. Das Ende der Frankfurter Logistik-Sparte mit rund 820 Beschäftigten hat sich schon länger abgezeichnet.

Am Wochenende war die in einem getrennten Insolvenzverfahren geführte Übergrößen-Tochter Happy Size an den Konkurrenten Klingel aus Pforzheim verkauft worden, der möglichst viele der rund 80 Arbeitsplätze erhalten wollte.

dpa

Lesen Sie hier die Neckermann-Unternehmenschronik

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