Unternehmen & Märkte

NECKERMANN-SCHICKSAL | 02.05.2012

Neckermann braucht Millionen für die Restrukturierung

Die Hürden zum Neustart von Neckermann sind hoch. Zwischen 20 und 30 Millionen muss Eigner Sun Capital allein in die Restrukturierung des Versenders stecken, schätzen Experten.

Untermieter gesucht: Die Neckermann-Zentrale in Frankfurt am Main. Foto: Hanno Bender

Untermieter gesucht: Die Neckermann-Zentrale in Frankfurt am Main

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Nach dem Schock kommen die Verhandlungen: Der Betriebsrat und die Leitung des Versenders Neckermann beraten heute in Frankfurt über den geplanten Abbau von rund 1.400 Stellen. Dabei wollen die Arbeitnehmer-Vertreter ein Alternativkonzept vorstellen, um so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten.

Wie berichtet will Neckermann.de mehr als jede zweite Stelle im Konzern streichen - der größte Teil am Stammsitz des Traditionsunternehmens in Frankfurt, vor allem in der Logistik. Das Kataloggeschäft soll ganz eingestellt werden. Neckermann soll endgültig zum reinen Online-Anbieter mutieren, mit vielen Vertriebspartnern - eine gewagte Strategie.

Der Eigentümer Sun Capital versucht damit die Flucht nach vorne. Doch auf dem Weg zum Neustart gibt es etliche Hürden, die genommen werden müssen. Experten schätzen, dass sich allein die Kosten für den Restrukturierungsaufwand auf bis zu 30 Millionen Euro belaufen werden. Zusätzlich seien weitere Investitionen in die Neuausrichtung des Geschäftsmodells erforderlich.

Denkmalgeschützte Immobilie, langer Mietvertrag


Die erste Hürde ist die Immobilie in der Hanauer Landstraße. Durch die Verkleinerung der Belegschaft wird ein Großteil der Räumlichkeiten nicht mehr benötigt. Doch so leicht kann sich Neckermann nicht von dem Gebäude trennen.

Die Neckermann-Zentrale wurde 2007 an den britischen Investor Segro verkauft und sollte zu einem "Business Park" verwandelt werden. Ein Prospekt warb für die Anmietung von "17.000 Quadratmetern moderner Büroräume". Doch die Anwerbung von Fremdmietern verlief nicht sehr erfolgreich.

Der Neckermann-Mietvertrag hat eine lange Laufzeit, mindestens bis 2017. Zudem hat die damalige Neckermann-Mutter, der Arcandor-Konzern, nach Informationen von derhandel.de eine hohe Bürgschaft von rund 15 Millionen Euro hinterlegt, um die Mietforderungen abzusichern. Damit sollte  dem Investor seinerzeit der Immobilienkauf schmackhaft gemacht werden, indem eine Mietsicherheit gewährt wurde.

Diese Arcandor-Bürgschaft blieb nach der Neckermann-Übernahme durch Sun Capital weiter bestehen. Sollte der Versender nun aus dem Gebäude ausziehen, würde wahrscheinlich eine Abstandszahlung fällig. Womöglich müsste Neckermann die ganze Bürgschaft ablösen.

Es stellt sich zudem die Frage, was genau mit den Räumlichkeiten der Logistikabteilung passieren soll, die vermutlich Anfang 2013 geschlossen wird. Die Retourenlogistik ist zwar modern, doch die Ausgangslogistik gilt als veraltet und somit schwer zu veräußern.

Die Räume der Logistik-Abteilung müssten für eine Nachnutzung umgebaut werden, doch das vom Architekten Egon Eiermann entworfene Gebäude mit seinen 250 Meter langen Fluren ist zum Teil denkmalgeschützt.

Sozialplan für 1.400 Mitarbeiter


Nächster Kostenblock: der Sozialplan für entlassene Mitarbeiter. Möglicherweise gelingt es dem Betriebsrat, einige Stellen zu retten. Bleibt es bei den 1.400 Entlassungen, sagen Experten Kosten für Abfindungen & Co. zwischen 12 und 20 Millionen Euro voraus.

Allein in der Logistik sollen 800 Jobs wegfallen - und dort sind viele Mitarbeiter schon sehr lange beim Unternehmen tätig.

So stark der Wunsch nach einem schnellen Neustart ist - den Neckermann-Eignern stehen komplizierten und langwierigen Verhandlungen bevor.

Marcelo Crescenti

Auf einem Klick: Die Geschichte des Versenders Neckermann.

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